Wer hatte den ersten Traktor von Rheinberg-Alpsray?

200 Seiten Alpsrayer Geschichte von Theodor Horster
200 Seiten Alpsrayer Geschichte von Theodor Horster
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Theodor Horster kann diese und viele andere Fragen über die Geschichte des Rheinberger Stadtteils in seiner Chronik beantworten.

Rheinberg-Alpsray..  Wissen Sie wer sich den allerersten Traktor in Alpsray kaufte? Oder wer hier den ersten Mähdrescher fuhr?

Auf rund 1200 Seiten, die Theodor Horster jetzt für seine Chronik über Alpsray in drei gebundenen Bänden zusammen gefasst hat, verrät er das Heinrich Pooth der erste stolze Besitzer eines Traktors war und sich zusammen mit Theo Hülters den ersten Mähdrescher anschaffte.

Mehr als vier Jahre Arbeit stecken in der Chronik drin. Noch immer ist er nicht ganz fertig: „Für die Endfassung der Chronik schrumpft das noch. Die drei Bände nimmt uns ja keiner ab“. Etliche historische Bilder von Gebäuden, alte Postkarten und Ortsschilder treffen in Horsters Sammlung auf alte Geländekarten, fotokopierte Schulhefte und Dönekes.

So erzählt er überlieferte Geschichten von alten Schulklassen, wie Schüler unterrichtet wurden und was sie für Streiche spielten: „Es gab einen strengen Lehrer, der im Herbst in der dunklen Jahreszeit immer gerne den Kamin angemacht hat im Klassenzimmer in Saalhoff“, erinnert sich der 79-Jährige an den Anfang der Geschichte. Einige Jungs aus der Klasse hätten eines Tages heimlich gebundene Strohbündel auf das Dach geschleppt und damit den Kaminzug zugesteckt. Als der Lehrer am Morgen den Kamin anmachen wollte, gab es eine so große Rauchentwicklung, dass er den Schülern für den Rest des Tages freigeben musste. Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Bis der Lehrer schließlich den Schornsteinfeger informierte und dieser die verkohlten Strohbüschel aus dem Kamin zog. Am dritten Tag kamen die Schüler in den Klassenraum in der Gewissheit, dass sie auch am dritten Tag wieder schulfrei haben würden. Stattdessen bekamen sie mit dem Stock den Hintern versohlt. „Dann haben sie es nicht mehr gemacht, die Herrschaften“, sagt Horster schmunzelnd.

Alpsray heißt Alpener Rodung

In seiner Chronik klärt er auch darüber auf, woher der Name „Alpsray“ stammt: Er bedeutet soviel wie „Alpener Rodung“ und wurde an den Stadtteil verliehen, da er vormals zu Alpen gehörte. Als Graf Bentheim-Tecklenburg den Menschen sein Land zur Verfügung stellte, mussten diese erstmal roden.

Um an die Informationen für seine Materialsammlung zu kommen, sprach der Rentner häufig mit den alt eingesessenen. „Wenn man einmal Blut geleckt hat, dann fragt man auch die anderen.“ So habe das Verfassen der Chronik seinen Lauf genommen.

Horster schrieb die Bevölkerung an, um an Bilder und Berichte zu kommen: „Bei einigen fiel das auf fruchtbaren Boden, aber viele haben sich auch gesperrt“.

Als mühselig beschreibt er seine Versuche, die Bilder von allen Schützenvereinen zusammen zu bekommen. Seine Chronik geht zurück bis in die Eiszeit („Das Eis hat alles platt gehobelt und das Gelände geformt.“) und beschreibt die vergangenen hundert Jahre bis in viele kleine Details: „Änne Lisken, geborene Hausmann, trug früher Brötchen zu den einzelnen Kunden nach Alpsray.“

In kommender Zeit will der gebürtige Rheinberger die Chronik auf lesbare Größe bringen und den Einwohnern verkaufen. Vor allem möchte er aber damit das Archiv Wesel und das Landesarchiv versorgen. Bis es soweit ist, werden noch einige Tage ins Land ziehen, denn erstmal konzentriert er sich auf seine Goldhochzeit im Herbst. Außerdem hat der rüstige Rentner noch andere Projekte vor der Brust: Er muss sich auch noch um seine Familienchronik kümmern.