Wenn der Vater mit dem Sohne
29.01.2009 | 21:56 Uhr 2009-01-29T21:56:28+0100KARNEVAL. Andre I., der Engagierte, ist Prinz in Ossenberg. Und sein Vater Heinrich führt den Hofstaat in Nütterden.
RHEINBERG-OSSENBERG. Einen Karnevalsprinzen gibt es am Niederrhein, der mit Fug und Recht von sich behaupten kann, dass in seiner Regentschaft manches einmalig ist. Der Prinz regiert das kleine Dörfchen Ossenberg, in dem einer der größten Sportvereine des Niederrheins zu Hause ist, aber auch eine überaus aktive närrische Dorfgemeinschaft. Mit bürgerlichem Namen heißt er André Jansen, seit August vorigen Jahres nennt er sich Prinz André I., der Engagierte. Sein Beiname verrät, dass er eines der "Arbeitspferde" seiner Karnevalsgesellschaft, dem Ossenberger KAG, ist. Daher war es nur eine Formalie, als im Sommer die Prinzenwahl anstand. Jedem war klar: André soll Regent im Jahr 2009 werden.
Zepter und Schlüssel
Ohne ihn, dem Zeitsoldaten einer Sanitätseinheit in Kalkar, würde in Ossenberg etwas fehlen. Zwar ist Andre I. erst seit drei Jahren im KAG, doch der 27-Jährige ist inzwischen motivierter Jugendwart, arbeitet engagiert beim Roten Kreuz und im Sanitätsdienst bei Ossenberger Karnevalsumzügen, die alle zwei Jahre stattfinden. Doch den Engagierten zeichnet eigentlich noch etwas ganz anderes aus: Mit seiner Regentschaft entwickelte sich einiges, was man mit dem Attribut erstmalig oder einmalig umschreiben kann.
Beginnen wir mit dem Einmaligen. Das gibt es weit und breit im närrischen Rheinland kein zweites Mal: Vater und Sohn sind Karnevalsprinzen. Kurz nach Andrés Kür zum Prinzen des KAG in Ossenberg gab es in seinem Geburtsort Nütterden ein Problem: Ein neuer Prinz wurde gesucht. Man fragte Vater Heinrich. Der zögerte. Doch als aus dem fernen Ossenberg der Anruf kam: "Papa, ich bin Prinz" - sagte auch der Vater zu.
Beim Ossenberger Prinzentreffen am 16. Januar kamen erstmals Vater und Sohn im prinzlichen Ornat zusammen: Vater Heinrich mit Zepter, Sohn André mit dem Schlüssel. Übrigens: Vater Heinrichs Beiname ist länger. "Prinz Heini, Toon Buur, Dän Glöckner" heißt er. Eine Anspielung, dass er lange Jahre Küster in Kellen war und darauf, dass Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater Anton, auf Platt "Ton" hieß und der "Buur", Bauer, war.
Erstmalig in der Geschichte hat ein Prinz weibliche Adjudanten: Marion Keuschen und Silvia Terwiel. Eine weitere Dame stand beim Prinzenempfang im Schloss an seiner Seite: Ossenbergs Kinderprinzessin Caroline I. ist die erste Weiblichkeit in diesem Amt. Und noch etwas ist in Ossenberg erstmalig: Der Prinz geht nach Kostümwechsel in die Bütt, gemeinsam mit einer der Adjutantinnen. Mit seinen Adjutantinnen hat übrigens auch das Ossenberger Karnevalsmotto zu tun: Karneval außer Rand und Band, ganz Ossenberg ist tolerant.
Andre , der zehnte Ossenberger Prinz, wohnt in Rheinberg - Hochburg der Rhinberkse Jonges. Mit denen wird er Rosenmontag durch die Stadt ziehen, mit einem eigenen Festwagen, der am Tag davor sein Prinzenwagen in Ossenberg ist. Das wird wirklich lustig, verspricht Prinz Andre , der sich freut, dass er Zugprinz ist, denn am Karnevalssonntag wird er durch das Dorf ziehen.
Die größte Freude aber ist, dass sein Kindheitswunsch in Erfüllung ging, einmal Karnevalsprinz zu sein. Und dass sein Vater zur gleichen Zeit als Prinz residiert, macht die Freude noch größer.
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