„Wenn der Rhein über die Deiche tritt, steht Rheinberg unter Wasser!“

Bei zu hohem Wasser ist der Rhein nicht zu bändigen.
Bei zu hohem Wasser ist der Rhein nicht zu bändigen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hans-Peter Feldmann von der Hochwasserschutzinitiative Niederrhein warnt davor, dass unsere Region nicht ausreichend geschützt ist.

Rheinberg..  Hans-Peter Feldmann weiß fast alles über das Thema. Wenn man den Sprecher der Hochwasserschutzinitiative am Niederrhein (HWS) anstupst, sprudelt er nur so über vor lauter Informationen. Und vieles davon kann einem Angst machen. Zum Beispiel: „Hochwasser ist das Schlimmste, was es gibt – das läuft überall hin.“ Oder: „Wir werden nie in einen Zustand kommen, dass gesagt werden kann, alles ist in Ordnung.“ Oder: „Die Landesregierung hat Mitte 2012 deutlich gemacht, dass 110 der 226 Kilometer Deiche in Nordrhein-Westfalen saniert werden müssen.“ Dazu passt: „Die Kosten pro Kilometer Deichsanierung liegen bei fünf Millionen Euro, dass macht 550 Millionen Euro – das Schadenspotenzial liegt aber bei über 200 Milliarden Euro, und das bei einem Stand aus dem Jahr 2000.“ Und: „Wenn der Rhein über die Deiche tritt, ist ganz Rheinberg unter Wasser!“

Seit 1996 setzen sich sachkundige Bürger in der HWS für einen effektiven Hochwasserschutz in den vom Bergbau betroffenen Gebieten am Niederrhein ein. Denn der Bergbau ist einer der Faktoren dafür, dass Hochwasser zur Gefahr wird. Feldmann: „Die weitere Bergsenkung in den nächsten Jahrzehnten wird noch mehr Probleme bereiten. Man hätte wegen des Bergbaus Maßnahmen zur Sicherung ergreifen müssen. Hinzu kommen auch noch der Klimawandel und daraus resultierende extreme Witterungseinflüsse.“ Bereits eine aus dem Jahr 2004 stammende Analyse von extremen Hochwassern habe „ergeben, dass man hier etwas tun muss!“

Was Feldmann stört, ist „die Konzeptlosigkeit für nationale Belange der Daseinsvorsorge. Der Hochwasserschutz am Niederrehin ist nicht gesetzlich geregelt, der Katastrophenschutz ist auf Gefahrenabwehr ausgerichtet und nicht auf Gefahrenverhinderung – und jeder Bürger und Betrieb hat sich gegen Hochwassergefahren selbst zu schützen“.

Sein Appell an die zuständigen Entscheidungsträger lautet: „Wir müssen herausfinden, wie man den Schutz für die Region erhöhen kann.“ Und das möglichst bald – denn „wir wissen nicht, wann die nächste Hochwasserwelle kommt“. Was fehle, sei eine gewisse Sicherheit für Spitzenabflüsse, also „wenn es 12 000 Kubikmeter pro Sekunde im Rhein gibt“, wie es eine Prognose für das Jahr 2020 vorsehe.

Bei aller Bedeutung, die das Thema Hochwasser nicht nur für Feldmann persönlich (er lebt an einer relativ tief gelegenen Stelle Xantens), sondern auch für die HWS und die gesamte Region hat: Er verliert dabei nicht das große Ganze aus den Augen, spricht vom Zusammenhang Hochwasserschutz, Infrastruktur, Wirtschaft, Logistik, Wasserabfluss. „Man darf sich nicht nur auf den Hochwasserschutz fokussieren, das ist brandgefährlich!“ Und er plädiert auch dafür, den Rhein bis Basel schiffbar zu erhalten. „Er ist umweltfreundlich, die einzige Transportkapazität, die wir haben, und er würde die ökonomische Komponente abdecken.“

Dagegen findet der so genannte Eiserne Rhein, die geplante auszubauende Güterzugverbindung vom Duisburger Hafen nach Antwerpen, überhaupt nicht seine Zustimmung. Hans-Peter Feldmann: „Ich plädiere dafür, ihn nicht zu bauen, sondern stattdessen einen schiffbaren Bypass für den Rhein zu legen, den Nordkanal von Neuss nach Antwerpen. Dieser Bypass ist die einmalige Chance, auf Dauer Sicherheit zu schaffen. Und durch den Kanal wird die Landschaft massiv aufgewertet!“

Am Dienstag, 24. Februar, gibt es von 19.30 bis 21 Uhr einen Vortrag über Hochwassergefahren am Niederrhein. Dabei wird die Hochwasserschutzinitiative in Raum 10 der Stadthalle auf Einladung der Volkshochschule Alpen/Rheinberg/Sonsbeck/Xanten interessierte Zuhörer informieren. Berichtet wird über Studien, es werden der Umgang mit Erkenntnissen und die Chancen einer Daseinsvorsorge aufgezeigt. Anschließend gibt es eine Diskussion. Wer bereits um 19.15 Uhr da ist, kann sich Bilder von den Hochwasserkatastrophen an der Elbe im Juni 2013 ansehen.