Das aktuelle Wetter Rheinberg 14°C
Serie „Unser Denkmal“

Was zählt, ist der Glaube

03.08.2010 | 17:25 Uhr
Was zählt, ist der Glaube
Die Statue des Heiligen Viktor am Kapitel in Xanten.

Xanten.Der junge Mann sieht so aus, wie man sich im Mittelalter einen richtigen Heiligen vorstellte. Meister Heinrich Blangenbeyl hat die steinerne Statue des Heiligen Viktor 1468 geschaffen und gemäß der damaligen Mode als Teenager-Ritter auf dem Pilgerpfad dargestellt.

Deshalb trägt der Heilige den Pilgerhut mit Jacobsmuschel. Die Lanze in der Rechten und das geharnischte Beinkleid weisen ihn als Ritter aus. Das Denkmal steht an der Fassade der im Nordosten an den Dom angrenzenden Stiftsgebäude zwischen den Häusern Kapitel 3 und 12 auf einer staufischen Säule aus dem 13. Jahrhundert. Ein längerer Blick auf diesen Viktor an der Wand lohnt sich wirklich. Nicht deshalb, weil die Statue die Gestalt es echten Viktor („der Sieger“) authentisch zeigte. Über historisch korrekte Darstellungen hat kein Bildhauer des Mittelalters sich je den Kopf zerbrochen.

Wenn es ihn je gegeben hat, sah Viktor nämlich ganz anders aus. Zu Lebzeiten war der spätere Heilige ein erwachsener Mann und als Praefectus cohortis Kommandant einer römischen Hilfstruppeneinheit. Ein Blick auf den mittelalterlichen Viktor unweit des Doms lohnt sich, weil sich die Anfänge der Stadt Xanten durch diese kleine Statue erklären lassen.

Die Männer
starben in Birten

Der Legende nach gehörten der Heilige und 330 Gefährten er zur „Thebaischen“ Römer-Legion. Wegen ihrer Weigerung, römische Götter anzubeten, soll diese Legion zwischen 285 und 300 ihr Martyrium erlitten haben. Die Männer starben in Birten.

Historisch belegt ist, dass die Verehrung des Heiligen im 4. Jahrhundert einsetzte. Unter dem Xantener Dom befindet sich eine Kultstätte aus der Zeit, zu der die Menschen bereits im frühen Mittelalter pilgerten. Der Ort erhielt den Namen „ad sanctos“ (bei den Heiligen). Aus sanctos wurde später Xanten.

Wer dieser Viktor wirklich war, weiß bis heute kein Mensch. Die Geschichte der Überbleibsel - denn nichts anderes bedeutet der lateinische Begriff „Reliquie“ - ist ein ordentliches Durcheinander: Die vermutlichen Gebeine Viktors befanden sich bereits seit spätestens 863 im Besitz des Stifts und wurden seit dem 12. Jahrhundert im Reliquienschrein des Doms eingebettet.

Bei Ausgrabung durch Walter Bader unter dem Xantener Dom 1933 wurden dann aber mehrerer Grabkapellen des römischen Gräberfeldes der einstigen Colonia Ulpia Traiana gefunden, auf dem das heutige Xantener Stadtzentrum liegt. In einer Grabkapellen wurde ein Doppelgrab aus dem 4. Jahrhundert entdeckt und die darin enthaltenen Gebeine in der daraufhin neu angelegten Krypta des Doms beigesetzt.

Das Geheimnis
des Doppelgrabes

Bader vermutete, es handele sich um die wahren Gebeine Viktors und eines Gefährten und die im Schrein des Hochaltars eingebetteten Reliquien seien nur fälschlich für diese gehalten worden. Neuere Untersuchungen bringen das Doppelgrab jedoch in Verbindung mit den fränkischen Überfällen auf die römische Siedlung Tricensimae um das Jahr 352. Ob die Knochen tatsächlich vom Heiligen Viktor stammen wird sich vermutlich nie beweisen lassen. Was bei der Reliquienverehrung wirklich zählt, ist etwas anders: der Glaube.

Christoph Girschik

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3403764/create

Aktuelle Fotos und Videos
JRK-Supercamp
Bildgalerie
FREIZEIT
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Drachen und Gaukler
Bildgalerie
Fotostrecke
600 Jahr Feier
Bildgalerie
Amplonius
Aus dem Ressort
Schöne Grüße nach Dnjepropetrowsk
Radtour-Serie
Der letzte Teil der Fußballplätze-Tour führt 60 Kilometer von Millingen in den hohen Norden zum Klever Bresserberg, der schon glorreichere Zeiten erlebt hat.
Dabei sein ist alles
Sport
Es muss ein Gefühl wie Weihnachten gewesen sein. Oder sogar noch schöner. Der Moment, als Jan Mätzkow auf das Siegertreppchen stieg. Nicht bis nach ganz oben, aber das lässt den jungen Mann kalt.