Vorerst letztes Frühstück mit den kleinen Bären von Rheinberg

Viel Spaß hatte Erzieherin Gudrun Lehmann (links) in den vergangenen 19 Jahren beim Spielen und Frühstücken mit ihrer Bärenbande.
Viel Spaß hatte Erzieherin Gudrun Lehmann (links) in den vergangenen 19 Jahren beim Spielen und Frühstücken mit ihrer Bärenbande.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Nach 19 Jahren muss Gudrun Lehmann ihre Kinderbetreuung aufgeben. Die Räumlichkeiten ihrer „Bärenbande“ werden ab jetzt zu Schulungszwecken genutzt.

Rheinberg..  Seit 19 Jahren wechselt Gudrun Lehmann Windeln, trocknet kleine Kullertränen, baut Holztürme und bastelt kunterbunte Kunstwerke – gestern gab es beim jährlichen Abschiedsfrühstück ihrer „Bärenbande“ die vorerst letzten gemeinsamen Brötchen zu essen.

„Wir bieten den Kindern eine sanfte Eingewöhnung vor dem Kindergarten“, sagt die gelernte Erzieherin über ihre Arbeit. Als sie vor fast zwei Jahrzehnten ihr Betreuungsangebot ins Leben gerufen hat, gab es für viele dreijährige Kinder keinen Kindergarten-Platz in Rheinberg. Das hat sich in den vergangenen Jahren durch den Ausbau der Kindertagesstätten geändert. Daher sind in ihrer „Bärenbande“ heute überwiegend Zweijährige, denen eine Vorbereitung auf den Kindergarten geboten wird. Und die wird gut angenommen. Bis gestern spielten 18 Kleinkinder in dem großen Gruppenraum, der Spielküche oder dem Außengelände am Melkweg. Jetzt will das Deutsche Rote Kreuz die Räumlichkeiten jedoch zu Schulungszwecken nutzen.

Die 50-Jährige hofft, dass die Stadt Rheinberg in den Sommerferien neue Räumlichkeiten für die kleinen Racker findet, denn 15 sind schon wieder für die Betreuung angemeldet: „Die Kinder würden mir fehlen und wie“. Und auch die Eltern nehmen die erfahrene Betreuerin gerne in Anspruch. Sie bietet eine Alternative zu dem mittlerweile weit ausgebauten U3-Angebot in Rheinberg.

Bei Gudrun Lehmann können Mütter ihre Kleinen zwei Mal die Woche abgeben und zahlen weniger als für einen U3-Platz, den ihre Kinder täglich in Anspruch nehmen müssten.

U3-Zwang findet Lehmann traurig

„Wer einen U3-Platz braucht, sollte ihn auch bekommen, deshalb finde ich den Ausbau gut“, sagt die zweifache Mutter, „aber was ich traurig finde, ist, dass viele Eltern gezwungen werden, ihr Kind schon mit zwei Jahren im Kindergarten anzumelden.“ Oftmals hätten ihr Mütter berichtet, dass Kindergärten nur Garantien auf Betreuungsplätze ab drei Jahren gäben, wenn die Kinder auch vorher schon einen U3-Platz in Anspruch nehmen würden. „Das empfinde ich als Erpressung“, sagt die Erzieherin.

Sie selber kann von kleinen Kindern gar nicht genug bekommen, obwohl ihre eigenen mittlerweile schon groß sind. „Die Dankbarkeit der Kinder, die sie durch ihr Strahlen und Umarmungen ausdrücken finde ich am schönsten“. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ursula Tepaß, die seit sechs Jahren bei der Bärenbande aktiv ist, organisierte sie gestern das vorerst letzte gemeinsame Frühstück vor den großen Ferien und hofft, das bald doch ein neuer Raum für die kleinen Bären von Rheinberg gefunden wird.