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Von wegen Regen bringt Segen

06.09.2007 | 05:22 Uhr
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WETTER. Trotz allgemein anziehender Konjuktur haben viele Geschäfte und Caf?e?s Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Schuld ist die schlechte Witterung in den vergangenen Wochen. Die Camper stört's nicht.

KREIS WESEL. Das anhaltend schlechte Wetter in diesem Jahr hat nicht nur die Gemüter strapaziert, sondern auch dem Einzelhandel das Geschäft verregnet. Wilhelm Bommann, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbands Niederrhein: "Die ersten acht Monate haben nicht unser Wunschergebnis gebracht". Trotz der allgemein anziehenden Konjuktur habe der Einzelhandel in NRW etwa 1,7 Prozent reale Verluste im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen - der Preisanstieg und die dadurch bedingte Inflation mit berücksichtigt.

Neben der allgemeinen Kaufzurückhaltung und den schlechten lokalwirtschaftlichen Rahmenbedingungen - man denke zum Beispiel an die Insolvenz von BenQ - sei vor allem die Wetterfühligkeit der Konsumenten für die schlechten Zahlen verantwortlich. Das kann auch Konny Marzian, Mitinhaberin von Elkoki Moden, bestätigen: "Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Umsätze nicht so, wie sie sein sollten. Die Sommersachen gingen nach April kaum noch. Wir reduzieren mittlerweile bis zu 70 Prozent, aber die Sachen bleiben trotzdem hängen."

30 Prozent weniger Umsatz

Auch die Gastronomie hat in diesem Sommer merklich unter dem rückgängigem Kaufverhalten gelitten. Ermes Cadorin, Inhaber des Eis Caf?e?s Venezia in Rheinberg, hat für dieses Jahr schon resigniert: "Nachdem wir im März und April bei tollstem Sonnenschein super gestartet sind, war danach nur noch Flaute. In den Hauptsommermonaten hat es einen Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent verglichen mit 2006 gegeben." Erschwerend hinzu kämen die steigenden Milchpreise, allein der Sahnepreis sei um 70 Cent pro Liter gestiegen. Sein Bruder Ivano kann sich kaum an ein schlechteres Jahr erinnern, das müsse "i rgendwann Ende der 90er gewesen sein".

Vielleicht müsse man einfach Alternativen wie deftige Gulaschsuppe oder Tomateneis anbieten, witzelt Chiara de Martin, Geschäftsführerin des Eiscafe?s San Marco. Die aus Norditalien stammende de Marco glaubt an ein besseres nächstes Jahr: "Ich bin Optimistin."

Natürlich gibt es auch Nutznießer des schlechten Wetters: Das Reisebüro Herwix und Schmidtke in Rheinberg kann eine deutlich verstärkte Nachfrage für Last Minute-Angebote verzeichnen. "Für die Herbstferien besteht ein hoher Nachholbedarf in Sachen Sonne. Es gibt nur noch wenige Restplätze", sagt Mitinhaberin Tanja Schmidke. Statt zum Camping nach Holland bevorzugen viele südliche Reiseziele.

Es gibt nur schlechte Kleidung

Camper Werner Fabry zeigt sich hingegen unbeeindruckt vom Regen: "Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Kleidung." Der Rentner aus Heroldsbach hatte zwar auf den Altweibersommer gehofft, aber er sei kein Schön-Wetter-Camper. Birgit Ingenlath, Eigentümerin des Campingpark Kerstgenshof in Sonsbeck-Labbeck fasst zusammen: Trotz des schlechten Wetters sei das Jahr bislang zufriedenstellend verlaufen. In den ersten drei Sommerferienwochen habe es bis zu 50 Prozent Stornierungen gegeben, die Übernachtungszahlen seien aber konstant.

GIANNI DÜX ANTONIA RÖDER

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