Von Holländern bis hin zu Wienern – Kaninchen in Rheinberg

Was wir bereits wissen
Die Rheinischen Rassekaninchen-Züchter sind begeistert von der Messe Niederrhein. Für die nächsten drei Jahre sind die Hallen schon fest gebucht.

Rheinberg..  Der Holländer in der Rheinberger Messehalle war diesmal nicht der nette Nachbar von nebenan – wie auch der Neuseeländer nicht von der anderen Seite der Erdkugel stammte. Die Mecklenburger Schnecke war kein Kriechtier aus dem Osten, das Deutsche Großsilber kein hochrangiger Orden, die Blauen Wiener keine angeschickerten Österreicher. Die Deutschen Riesen waren keine Männer über zwei Meter Größe, der Zwergwidder kein zu klein geratenes Schaf. Alle waren Kaninchen, die sich am Wochenende in insgesamt 3328 Käfigen in der Messe tummelten und sichtlich wohl fühlten. Denn sie wurden umsorgt, bestaunt, bewundert, begehrt und sogar gekauft – um eine Reise zu einem anderen Züchter anzutreten.

Mit viel Tageslicht

Ein kleines Jubiläum gab es bei der 61. Landesschau des Landesverbandes Rheinischer Rasse-Kaninchenzüchter: Zum 15. Mal fand sie in Rheinberg statt. „Ein idealer Ort mit viel Tageslicht“, betonte Vorstandsmitglied Norbert Kött. Hubert Bürling, der Landesvorsitzende, hatte offenbar genau gezählt: „67243 Rassekaninchen und fast 1000 Exponate der Handarbeits- und Kreativgruppen wurden in den Jahren in Rheinberg präsentiert.“ Horst Becker, parlamentarischer Staatssekretär im Düsseldorfer Umweltministerium, dankte den Züchtern im Grußwort: „Ausstellungen sind die Basis, dass die Rassevielfalt erhalten bleibt.“ Die wichtigen Gen-Reserven würden durch die Züchter erhalten. Bei den Kaninchen braucht es keinem bange zu sein, dass sie aussterben. Von 98 unterschiedlichen Rassen, die sich noch in viele Farbschläge unterschieden, berichtete Norbert Kött. Die stellten sich schon am Donnerstag mit 3328 Tieren den Juroren, die sie, insbesondere ihren Zustand, bewerteten. Viele Preisträger wurden ermittelt. „Die Züchter wissen gar nicht, wie ihre Tiere bewertet wurden.“ So kamen sie von Emmerich bis zur Eifel nach Rheinberg. Es herrschte reger Betrieb an den Käfigen. Schließlich wollte man wissen, wie die putzigen Tiere, die Kleinsten nur 1100 Gramm schwer, die Deutschen Riesen mit zehn Kilogramm, bewertet worden waren.

Was sich auch am Interesse anderer Züchter zeigte. Gegen Mittag waren schon etliche Käfige leer, denn die Verbandsschau war Tausch- und Kaufbörse. Lisa Schmitz aus Euskirchen hatte gleich eine Doppelbox in der Hand. „Für meine weitere Zucht habe ich gut bewertete Tiere gekauft.“ Gesamtsieger wurde ein Züchter aus dem benachbarten Alpen. Herbert Elbers’ Zwergwidder, „weiß RA“, was für weiße Fellbarbe und rote Augen steht, errang eine herausragend hohe Punktzahl. Dafür gab’s die Silberne Plakette des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Herbert Elbers war Sieger unter rund 2500 Züchtern, deren 3328 Tiere in Rheinberg, umsorgt von einem 150-köpfigen Helferteam, weilten.

„Das ist eine Riesenarbeit, so eine Ausstellung zu organisieren“, verriet Norbert Kött. 5500 Käfige hält der Verband dafür in einem Zentrallager in Mönchengladbach vor. Die mussten Montag vergangener Woche aufgestellt werden. Hunger haben die kleinen Nager natürlich auch: 1,5 Tonnen Fertigfutter bekamen sie bis zum Ende der Ausstellung, als die letzten Züchter ihre Tiere wieder holten. „Zwei Lkw voll Stroh haben wir angefahren“, erinnert sich Norbert Kött. „Alleine die Käfige waren drei Lkw-Ladungen voll.“ Vier Tage nahm er Urlaub, damit in Rheinberg alles stimmte. „Ein Dreivierteljahr Planung war nötig.“

Dass Kinder und Jugendliche Spaß an den Tieren haben, zeigten die „Wupper Hopper“, eine 20köpfige Jugendgruppe des Wuppertaler Zuchtvereins. Frank Gietenbruch betreut da die Jugend. „Wir sind der einzige Verein im Rheinland, der sportliche Wettbewerbe mit Kaninchen organisiert.“ Die rannten an der Leine der Kinder um die Wette über einen langen Parcours. Auf dem bewiesen sie, dass sie gute Springer sind. „Wupper“ rief immer wieder ein Animateur. Die Kinder antworteten mit ihren Schlachtruf „Hop“. Noki, ein Weißer Wiener, geführt von Rebecca, musste erst lernen, den Parcours zu durchhüpfen. Mal räumte er einfach die Hindernisse fort, ein anderes Mal war ein Schubs nötig, um ihn zum Überspringen zu bewegen.

Nebenan ging es um die Erzeugnisse, aus Kaninchenfellen entstanden. Es gab schicke Westen, Jacken und Taschen. Die präsentierten die Damen der einzelnen Handarbeits- und Kreativgruppen in ihrer Pelzmoden- und Erzeugnisschau. Man trug wieder Pelz. Die Züchter fühlen sich wohl in Rheinberg, buchten gleich für drei kommenden Jahre die Termine.