Von Barrierefreiheit weit entfernt

Rheinberg..  Für seinen Bericht über die Arbeit des Seniorenbeirates erntete Klaus Oesterwind im Sozialausschuss fraktionsübergreifend viel Lob – allerdings nicht uneingeschränkt. Doch die freundlich vorgetragene Kritik war im Grunde ein anerkennendes Schulterklopfen für „eine ganze Menge Arbeit im Stillen“. Gut gemeinter Ratschlag aus der Awo-Ecke: „Ihr müsst lauter werden!“

Uneingeschränkte Unterstützung bekommt der Seniorenbeirat bei seiner Kritik an der „immer noch halb fertigen“ Behinderten-Toilette für das „neue Sozialamt“ über dem Drogeriemarkt Rossmann an der Orsoyer Straße. „Es ist bis heute noch nicht zu einer befriedigenden Lösung gekommen“, klagte Osterwind.

Die schwere Tür öffne sich weiter nicht automatisch, Rollstuhlfahrer müssten sie auf sich zuziehen, um hineinzukommen. Von Barrierefreiheit sei man weit entfernt. „Eine Katastrophe“, so der Berichterstatter. Auch für eine Alarmanlage im Notfall gelte: Fehlanzeige. Gleiches für den Wetterschutz. Traurige Bilanz: „Unwürdige Verhältnisse.“ Bürgermeister Hans-Theo Mennicken wies darauf hin, dass die Stadt nicht Eigentümerin des Gebäudes sei, sich aber im Gespräch mit dem Investor befinde, der signalisiert habe, die Mängel abzustellen.

Um Barrierefreiheit ging’s auch bei der Forderung der Senioren nach einem leichterten Zugang zur Deichkrone in Orsoy für Rollstuhl- und Rollatorfahrer sowie Eltern oder Großeltern mit Kinderwagen. Der Wunsch sei verständlich, aber die historischen Wallanlagen ließen nur wenig Spielraum für bauliche Eingriffe, so der Bürgermeister. Der Seniorenbeirat setzt auf den Hinweis von Deichgräf Viktor Paeßens (Deichverband Orsoy), dass mittelfristig im Zuge der Komplettsanierung des Deiches dem Wunsch nach Verbesserungen Rechnung getragen werden soll.

Auch die Pflasterung der Gelderstraße ist immer wieder Grund zur Klage von Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind. Den Vorschlag, die Geschäftsleute anzuhalten, zumindest die leichter begehbaren Seitenstreifen nicht mit Werbetafeln zu verstellen, hörte Mennicken wohl, sieht aber wenig Chancen, durchgängig freie Laufbahn durch freiwillige Zurückhaltung der Kaufleute durchzusetzen: „Der eine macht’s, der andere nicht“, so der Bürgermeister, „wir laufen ewig hinterher.“

Mit gewissem Stolz wies Klaus Oesterwind darauf hin, dass der neue Seniorenwegweiser und der Flyer des Seniorenbeirates fertig sind und auf große Nachfrage treffen. All das fand im Ausschuss viel Anerkennung. Nur kam die Bitte, sich mit anderen Gruppen in der Stadt, die in die gleiche Richtung marschieren, besser zu „vernetzen“, um Ziele gemeinsam schneller zu erreichen. Mit der Behindertenbeauftragten Monika Echstenkämper hat der Seniorenbeirat inzwischen vereinbart, regelmäßig in Kontakt zu sein.