Verdi will Betriebsrat beim Internet-Versandhändler Amazon in Rheinberg
25.06.2012 | 19:24 Uhr 2012-06-25T19:24:00+0200
Rheinberg. Die Stimmung ist aufgeheizt unter den Mitarbeitern des Amazon-Logistikcenters in Rheinberg. Immer wieder ist von Ausbeutung, spontan angesetzten Überstunden aber auch schwachen Vorgesetzten die Rede. Um die Rechte der Arbeitnehmer durchzusetzen, will Verdi bei der Gründung eines Betriebsrats helfen.
Das geht ja gut los. Denn gleich der erste Amazon-Mitarbeiter macht seinem Ärger lauthals Luft. „Den Laden hier müsst ihr mal richtig umkrempeln.“ Deshalb sind sie da. Verdi-Sekretärin Sabine Busch und ihre Mitstreiter. Bewaffnet mit Flugblättern und in Goldpapier eingepackten Schokotalern, auf denen steht „Ich bin es wert“. Beides findet reißenden Absatz, am Montag Nachmittag bei einer Verdi-Blitz-Aktion vor dem Amazon-Gebäude. Anders als noch vor sechs Wochen haben die Gewerkschafter dieses Mal direkt Position vor dem Eingang bezogen, die erste Amazon-Schicht geht gerade, die zweite kommt.
Rund 500 Flugblätter hat Sabine Busch drucken lassen, die sind nach einer Stunde weg. Und immer wieder haben sie und ihr Team gehört: „Wir brauchen euch, wir brauchen einen Betriebsrat.“ „Deshalb sind wir da“, lautet Sabine Buschs Antwort. „Nur, wir schaffen das nicht alleine, dazu brauchen wir die Mitarbeiter.“
Ziel ist die Gründung eines Betriebsrates
Nun sind Stimmungen bekanntlich keine Stimmen, aber das, was an diesem Nachmittag gesagt wird, ist schon deutlich. Von Kapitalismus ist die Rede, von Ausbeutung, vom Auspressen der Mitarbeiter, aber auch von schwachen Vorgesetzten, die Druck weitergeben oder so organisieren, dass von jetzt auf gleich Überstunden angeordnet würden. Die Mitarbeiter, die kurz nach drei ihre Schicht beenden, sind besonders sauer. „Gerade haben wir gehört, dass morgen Überstunden angesetzt worden sind.“ Das sei doch immer so, sagt ein anderer, „planen kannste hier nix. Freitagsabends heißt es auf einmal, Samstag müsst ihr auch arbeiten.“
Kurz, die Stimmung ist schlecht und aufgeheizt im Amazon-Logistikcenter in Rheinberg. Wobei Amazon selbst das Wörtchen Logistikcenter gar nicht mehr so gerne hört, sondern lieber von Fullfillment-Center spricht. Das Erfüllen bezieht sich allerdings auf die Kundenwünsche.
Ziel dieser und der vergangenen Verdi-Aktionen: Mitglieder werben, um einen Betriebsrat auf die Beine zu stellen und so die Arbeitsbedingungen verbessern zu können. Respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern, längere Pausen, unbefristete Verträge, planbare Freizeit sind einige der Stichworte.
Problem sind die befristeten Verträge vieler Mitarbeiter
Viele wissen zu wenig, haben Angst, ihren Job zu verlieren, wenn rauskommt, dass sie in der Gewerkschaft sind. „Muss doch keiner sagen, dass man Mitglied ist, dazu ist man nicht verpflichtet.“ Und Kündigungsschutz gebe es bereits in dem Moment, wenn Beschäftigte sich bereit erklären, sich in den Wahlvorstand für die Vorbereitung der Betriebsratswahl wählen zu lassen. Wobei, das wissen auch Sabine Busch und ihr Team, die Krux bei Amazon die Vielzahl von befristeten Verträgen sei.
Für Sabine Busch war die Aktion ein voller Erfolg, der Zuspruch sei sehr groß gewesen. Nach den Sommerferien soll es eine Versammlung in Rheinberg geben, um dem Ziel Betriebsrat ein Stück näher zu kommen.
Amazon nahm zu den Vorwürfen keine Stellung.
20:50
"Schon die jetzige Personalausstattung ist in vielen Bereichen der Organisation aus Arbeitnehmersicht nicht mehr akzeptabel. Es gibt genug Hinweise auf die enorme Belastungssituation, allein der hohe Krankenstand befindet sich jenseits des Zustandes von vergleichbaren Organisationen."
Auszug aus der Stuttgarter Erklärung über die Arbeitsbedingungen bei ver.di
14:22
Was soll ich eigentlich schlimmer finden?
Dass das Unternehmen Amazon sich gegen betriebliche Mitbestimmung wehrt oder dass es tatsächlich Leute (auch hier im Kommentarbereich) gibt, die es als Unverschämtheit ansehen, sich nicht dem totalen Sklaventum hinzugeben?
13:23
ach so, was ich noch schreiben wollte...ich kaufe Bücher und alles Andere im Einzelhandel in meiner Stadt!
Zustimmung, bei Amazon informiere ich mich nur noch. Bei Büchern notiere ich die ISBN und bestelle bei meinem Buchhändler. Der will mir sogar die Bücher bringen.
Ansonsten ist Amazon noch nicht mal ein Jahr in Rheinberg. Massiv unterstützt von der Arge in Rheinberg und von der Ober-Arge in Wesel, mit den verschrobensten Entschuldigungen.
13:21
och^^soll die Bundesanstalt für Arbeit oder die ARGE jetzt auch den Betriebsrat bezahlen
13:13
Nachdem man erst Schlecker an die Wand gefahren hat, versucht man es nun bei AMAZON. Den Gewerkschaften geht es doch einzig und allein darum neue Mitglieder zu gewinnen. Nicht mehr und nicht weniger.
genau deshalb soll eiin Betriebsrat kommen, damit nicht auch Amazon OHNE Betriebsrat an die Wand gefahren wird!
Sie verdrehen nun die Fakten, damit Sie als leitender Mitarbeiter von Amazon hier Stimmung machen können!