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Verdi will Betriebsrat beim Internet-Versandhändler Amazon in Rheinberg

26.06.2012 | 10:00 Uhr
Verdi will Betriebsrat beim Internet-Versandhändler Amazon in Rheinberg
Verdi machte vor Amazon mobil. Die Rheinberger Grünen waren ebenfalls vor Ort, sie unterstützen die Aktion. Links Ursula Hausmann-Radau (Grüne) und Karin Wolk (verdi).Foto: Marc Albers

Rheinberg.   Die Stimmung ist aufgeheizt unter den Mitarbeitern des Amazon-Logistikcenters in Rheinberg. Immer wieder ist von Ausbeutung, spontan angesetzten Überstunden aber auch schwachen Vorgesetzten die Rede. Um die Rechte der Arbeitnehmer durchzusetzen, will Verdi bei der Gründung eines Betriebsrats helfen.

Das geht ja gut los. Denn gleich der erste Amazon-Mitarbeiter macht seinem Ärger lauthals Luft. „Den Laden hier müsst ihr mal richtig umkrempeln.“ Deshalb sind sie da. Verdi-Sekretärin Sabine Busch und ihre Mitstreiter. Bewaffnet mit Flugblättern und in Goldpapier eingepackten Schokotalern, auf denen steht „Ich bin es wert“. Beides findet reißenden Absatz, am Montag Nachmittag bei einer Verdi-Blitz-Aktion vor dem Amazon-Gebäude. Anders als noch vor sechs Wochen haben die Gewerkschafter dieses Mal direkt Position vor dem Eingang bezogen, die erste Amazon-Schicht geht gerade, die zweite kommt.

Rund 500 Flugblätter hat Sabine Busch drucken lassen, die sind nach einer Stunde weg. Und immer wieder haben sie und ihr Team gehört: „Wir brauchen euch, wir brauchen einen Betriebsrat.“ „Deshalb sind wir da“, lautet Sabine Buschs Antwort. „Nur, wir schaffen das nicht alleine, dazu brauchen wir die Mitarbeiter.“

Ziel ist die Gründung eines Betriebsrates

Nun sind Stimmungen bekanntlich keine Stimmen, aber das, was an diesem Nachmittag gesagt wird, ist schon deutlich. Von Kapitalismus ist die Rede, von Ausbeutung, vom Auspressen der Mitarbeiter, aber auch von schwachen Vorgesetzten, die Druck weitergeben oder so organisieren, dass von jetzt auf gleich Überstunden angeordnet würden. Die Mitarbeiter, die kurz nach drei ihre Schicht beenden, sind besonders sauer. „Gerade haben wir gehört, dass morgen Überstunden angesetzt worden sind.“ Das sei doch immer so, sagt ein anderer, „planen kannste hier nix. Freitagsabends heißt es auf einmal, Samstag müsst ihr auch arbeiten.“

Kurz, die Stimmung ist schlecht und aufgeheizt im Amazon-Logistikcenter in Rheinberg. Wobei Amazon selbst das Wörtchen Logistikcenter gar nicht mehr so gerne hört, sondern lieber von Fullfillment-Center spricht. Das Erfüllen bezieht sich allerdings auf die Kundenwünsche.

Ziel dieser und der vergangenen Verdi-Aktionen: Mitglieder werben, um einen Betriebsrat auf die Beine zu stellen und so die Arbeitsbedingungen verbessern zu können. Respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern, längere Pausen, unbefristete Verträge, planbare Freizeit sind einige der Stichworte.

Problem sind die befristeten Verträge vieler Mitarbeiter

Viele wissen zu wenig, haben Angst, ihren Job zu verlieren, wenn rauskommt, dass sie in der Gewerkschaft sind. „Muss doch keiner sagen, dass man Mitglied ist, dazu ist man nicht verpflichtet.“ Und Kündigungsschutz gebe es bereits in dem Moment, wenn Beschäftigte sich bereit erklären, sich in den Wahlvorstand für die Vorbereitung der Betriebsratswahl wählen zu lassen. Wobei, das wissen auch Sabine Busch und ihr Team, die Krux bei Amazon die Vielzahl von befristeten Verträgen sei.

Für Sabine Busch war die Aktion ein voller Erfolg, der Zuspruch sei sehr groß gewesen. Nach den Sommerferien soll es eine Versammlung in Rheinberg geben, um dem Ziel Betriebsrat ein Stück näher zu kommen.

Amazon nahm zu den Vorwürfen keine Stellung.

Carmen Friemond

Kommentare
26.06.2012
20:50
Verdi will Betriebsrat beim Internet-Versandhändler Amazon in Rheinberg
von guentherpaul | #5

"Schon die jetzige Personalausstattung ist in vielen Bereichen der Organisation aus Arbeitnehmersicht nicht mehr akzeptabel. Es gibt genug Hinweise...
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2012-06-26 10:00
Amazon,Gewerkschaft,Verdi,Internet,Versandhändler,Rheinberg,Betriebsrat,Arbeitsbedingungen
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