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Väterchen Frosts Vermächtnis

16.02.2010 | 21:26 Uhr

Kreis Wesel. Jetzt reicht's aber auch mal langsam; dieser Gedanke wird sich angesichts der seit Wochen winterlichen Wietterlage bei vielen Menschen so verfestigt haben wie die rutschige Schneedecke auf manchen Straßen und Wegen.

Jetzt reicht's aber auch mal langsam; dieser Gedanke wird sich angesichts der seit Wochen winterlichen Wietterlage bei vielen Menschen so verfestigt haben wie die rutschige Schneedecke auf manchen Straßen und Wegen – erst recht, wenn man in diesen Tagen für die Verkehrssicherheit zuständig ist. Michael Reuter, kaufmännischer Leiter des Rheinberger Dienstleistungsbetriebes, kann auf weitere Schneefälle gut verzichten – Streusalz ist in Rheinberg wie fast allerorten ein knappes Gut: „Für ein paar Tage würde es noch reichen, aber dann ist Schluss. Neues Salz ist zwar bestellt, aber wann das kommt, wissen wir nicht.”

Keine neue Situation in diesem Winter – wohl aber sehr wohl ein Grund darüber nachzudenken, ob man für solche Wetterlagen ausreichend gerüstet ist. Dabei kommen Rheinberg und Xanten zum Beispiel zu ganz unterschiedlichen Bewertungen.

Von 30 auf 60 Tonnen

Für Michael Reuter steht fest – er möchte sich nicht noch einmal von einem Winter so kalt erwischen lassen. „Der vorige Winter war ja schon hart, aber diesmal war es wirklich extrem”, vergleicht der Leiter des Dienstleistungsbetriebes. Seine Schlussfolgerung: Rheinberg sollte mehr Salz einlagern. Bisher verfügt der Betrieb über ein 30-Tonnen-Silo, Reuter würde die Lagerkapazitäten gerne verdoppeln. „Das werden wir im Betriebsausschuss auf jeden Fall besprechen.” Den Einwand, es mit einer außergewöhnlichen Wetterlage zu tun zu haben, lässt Reuter nur zum Teil gelten, die Versorgungssicherheit geht für ihn vor. „Sollte dann ein milder Winter kommen, ist ja nichts verloren, Salz verdirbt schließlich nicht.”

Das sieht man in Xanten wierderum ein wenig anders – zumindest tut das Bürgermeister Christian Strunk und weist auf die Kosten einer Ausweitung solcher Lagerkapazitäten hin: „Das Salz, das man dann vielleicht auch mal in zu großen Mengen lagert, kostet zwar kein Geld. Aber zuerst muss ich ja mal ein Silo bauen, und dann muss das auch instand gehalten werden.”

Und dies verursache nun einmal Kosten – die wiederum die Bürger zu tragen haben. „Wenn der Bürger es wünscht, dass wir mehr Streusalz vorhalten, können wir das natürlich tun. Nur müssen solche Vorhaltekosten dann natürlich auch getragen werden.” Dies sei beispielsweise möglich über die so genannten Winterwartungsgebühren, die in Xanten vor einigen Jahren abgeschafft worden seien.

Also alles so weiter wie bisher? Xantens Bürgermeister jedenfalls gibt zu bedenken: „Dieser Winter ist doch eine Ausnahmesituation, und die Leute haben sie ganz gut gemeistert, auch weil sich die meisten dem Wetter entsprechend verhalten haben. Weitet man Winterdienste aus, ist es unausweichlich auch über die Erhöhung von Gebühren nachzudenken.”

Dies ist allerdings kein Automatismus – befindet wiederum der Rheinberger Michael Reuter: „Man muss ja bei Mehrausgaben nicht sofort mit dem Anheben von Gebühren reagieren, sondern kann zunächst einmal abwarten. Wird der Winterdienst im kommenden Jahr wetterbedingt günstiger, so gleicht sich das dann wieder aus und man kommt um eine Gebührenerhöhung herum.”

Käme man doch erst recht, wenn die in diesen Tagen angedachte nationale Streusalzreserve angelegt würde. „Wäre mal was Neues”, findet Christian Strunk: „Der Staat nimmt den Kommunen etwas ab.” Und das fänden wohl auch die Rheinberger gut.

Joachim Bäumer

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