Umzug mit vielen Zwischenstopps

Gute Laune war Trumpf in Ossenberg.
Gute Laune war Trumpf in Ossenberg.
Foto: Bußmann
Was wir bereits wissen
Der Tulpensonntagszug in Ossenberg st schon Tradition – dabei sollte er eigentlich nur einmal stattfinden

Rheinberg-Ossenberg..  Schön sind sie sicher, die gigantischen Karnevalsumzüge in den rheinischen Hochburgen der Narretei. Eines aber fehlt: Der direkte Kontakt zu den Mitziehenden auf den Wagen oder in den Fußgruppen. Anders ist das in Ossenberg, wo sich ganze Straßengemeinschaften und Pumpennachbarschaften bereits seit Wochen voll Freude auf die eigenen Karnevalstage vorbereiten und dem eigenen Karnevalszug am Tulpensonntag entgegenfiebern.

Der hat eine besondere Geschichte, sollte eigentlich nur eine Eintagsfliege sein. Als nämlich vor zehn Jahren der Karneval Ausschuss Gemütlichkeit (KAG) sein 100-jähriges Bestehen feierte, wollte man das Fest mit etwas Besonderem krönen. Ein närrischer Lindwurm sollte durch das kleine Dorf hinter der Solvay ziehen. Horst Neumann, Präsident des KAG, erinnert sich schmunzelnd. „Wir brachten damals vier Wagen und eine einzige Fußgruppe auf die Beine.“ Doch die Feier im Kleinen kam an: Überall standen Türe und Tore offen, Garagen waren ausgeräumt, für kalte und heiße Getränke, für Schnittchen war damals reichlich gesorgt. Da kamen die Narren im Zug oft nicht weit. Denn schon am nächsten Haus wollte man mit ihnen gemeinsam feiern.

Das ist es, was den Ossenberger Tulpensonntagszug auch gestern wieder ausmachte. Mit offenen Armen empfingen die Ossenberger ihre Narren. Und die „Neuen“ im Neubaugebiet hinter dem Dorfplatz bekamen gleich den richtigen Eindruck, welch Herzlichkeit und nachbarschaftlicher Frohsinn in einem Dorf möglich sind. „Natürlich haben wir auch Wurfmaterial auf dem Wagen. Das gehört einfach dazu.“ Doch in Ossenberg sei alles anders, betont KAG-Präsident Neumann, gesundheitlich schwer angeschlagen. Daher musste er daheim bleiben. Uli Glanz, der als bewährter Zugleiter einsprang, brachte es gestern auf den Punkt: „Wer den Zug einmal kennengelernt hat, schwärmt von seiner Einzigartigkeit. Hier bauen Nachbarschaften und Vereine nämlich Verpflegungsstände auf, um die Zugteilnehmer zu bewirten.“ Karneval einmal anders herum. „Von Käsesuppe, Schnittchen, Grillwurst, Frischgezapftem bis Kaffee, Glühwein und Waffeln ist alles dabei.“

Da steigen dann die Karnevalisten alle Hundert Meter wieder vom Wagen, begrüßen ihre Nachbarn. Geschunkelt, gesungen, gegessen wurde. Wie bei Leo Janßen, dessen Käsestand alle zwei Jahre der Geheimtipp ist. Kein Wunder, dass der Zug durchs kleine Dorf dann vier Stunden und mehr braucht. „Fünf Wagen und auch fünf Fußgruppen mit weit über 100 Narren sind dabei“, zeigte sich der Präsident stolz. „Alleine die kleine Nachbarschaft Spilling hat zwei Wagen gebaut.“ Höhepunkt war natürlich der Prinzenwagen für Harald I.. Der drehte oben so richtig auf. Und machte, schließlich ist er selbst Musiker, Stimmung pur.

Auch die Feuerwehr ließ es sich nicht nehmen, hatte einen eigenen Wagen gebaut. Wie auch die Nachbarn der Berkastraße. Theo Braems und Alex Lehmann, zwei Ossenberger Karnevalsfreunde, setzten auf Qualität bei den Kamelle. „Lieber weniger, aber Qualität“, hatten sie entschieden. Und Carsten Kämmerer, einst selbst mal Prinz, hatte fleißig um Sponsoren gebuhlt, damit Karneval gefeiert werden kann. Das wurde es gestern noch lange, auch als der kleine Zug längst durch war.