Tollkühne Kinder in schnellen Kisten

Die Teilnehmer hatten viel Spaß.
Die Teilnehmer hatten viel Spaß.
Foto: Hübinger
Jean Bittner und Tom Aschmann von der Europaschule organisierten in Orsoy ein Seifenkistenrennen - und 40 Teilnehmer hatten ihren Spaß

Rheinberg..  Schon immer waren die Menschen fasziniert von Geschwindigkeit. Und noch immer zählt der Job eines Rennfahrers zu den Traumberufen kleiner und großer Jungen. Von der Pferdekutsche, über die Lokomotive bis hin zum Auto ist wohl keine Entwicklungsgeschichte so greifbar, wie die der Fortbewegung. Wie die großen Erfinder der Vergangenheit und Gegenwart, so suchen auch Kinder immer wieder nach einem fahrbaren Untersatz. Es ist und bleibt das Streben nach Verbesserung - schneller, wendiger oder eben cooler muss es sein. Vom Fahrrad geht es zum Cityroller, dieser wird vom Skateboard ersetzt. Für eine gewisse Zeit sind „Waveboards“ modern, sie wirken gegenüber den BMX-Rädern aber wie Spielzeug. Mädchen bevorzugen eher Inlineskates. Doch egal womit die Kids unterwegs sind, bergab macht’s immer mehr Spaß als bergauf.

Vielen Rheinberger Kindern ist die Idee eines Seifenkistenrennens bestimmt nicht fremd. Jean Bittner und Tom Aschmann haben diese Idee umgesetzt. Am Freitag organisierten die beiden Schüler der Europaschule ein waschechtes Seifenkistenrennen an der Bentstege. Das Rennen zählte zu einem von vielen Projekten, die die Siebtklässler der Europaschule im Rahmen des „LuB“-Unterrichtes, für Lebensbefähigung und Berufsvorbereitung, umgesetzt haben. „Die Kinder haben sich selbst überlegt, was sie verwirklich wollen“, berichtete „LuB“-Lehrer Markus Ludwig, der es sich nicht nehmen ließ, den 200 Meter langen Hügel mit einer Seifenkiste hinab zu düsen. Für das Rennen haben Jean und Tom zwei Seifenkisten gebaut, die ein wenig an die Schlitten einer Sommerrodelbahn erinnerten. „Bei der ersten Probefahrt ist Tom in den Graben gefahren“, schmunzelte Jean Bittner.

Immer wieder wurden die Gefährte verbessert. Zum Beispiel mussten die Stoßstangen mit Regalwinkeln verstärkt werden. Bremsen waren für die kurze Distanz nicht nötig. Bei dem Bau wurden die beiden Jungen von Paul Bittner unterstützt, der auch seinen Arbeitskeller zur Verfügung stellte. „Das haben die wirklich vom Sperrmüll angeschleppt“, erzählte Paul Bittner und deutete dabei auf die selbstgebaute Startrampe, die aus alten Regalbrettern zusammengeschraubt war. Die handwerklichen Arbeiten haben Tom und Jean in ihrer Freizeit erledigt. „Während des Unterrichts haben sie Briefe geschrieben“, erklärte Markus Ludwig. Denn so ein Rennen muss schließlich genehmigt werden. Schulleiter Norbert Giesen ermöglichte den Kontakt zur Stadt und zum Ordnungsamt.Wenn man Tom und Jean am Freitag mit ihren Walkie-Talkies sah, dann schien es, als hätten sie alles im Griff. „So schnell ist Tom noch nie aus dem Bett gekommen“, verriet Mutter Nikola Aschmann, die wie viele andere Eltern, Lehrer und Mitschüler beim Rennen zuschaute. „Ich bin selbst erstaunt, dass so viele Leute hier sind“, sagte Jean Bittmann.

An den Start gingen rund 40 Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen. Ursprünglich hatten sich 29 angemeldet. Die Kinder fuhren einzeln und ihre Zeit wurde gestoppt. Das Startsignal gaben sich die Jungen über die Walkie-Talkies durch. Der schnellste Fahrer war Martin aus der 6. Klasse, der die Ziellinie innerhalb von 36,3 Sekunden erreichte. Die wahren Sieger des Tages hießen jedoch Jean Bittner und Tom Aschmann, deren Projekt ein voller Erfolg war.