Taktvolle Operettenträume in der Stadthalle Rheinberg

Die Prager Philharmoniker mit Dirigent Richter
Die Prager Philharmoniker mit Dirigent Richter
Was wir bereits wissen
Die Prager Philharmoniker begeisterten mit Musik von Offenbach, Lehar und Strauss junior.

R.  Jung und alt strömten zum Neujahrskonzert der Musikalischen Gesellschaft in die Rheinberger Stadthalle. „Felix ist acht und war schon dreimal mit, und für Maria ist es die Premiere – finde ich gut, dass Kinder das hier sehen dürfen“, freute sich die Rheinbergerin Daniela Fiyalka. Zuvor hatte die Vorsitzende der Musikalischen Gesellschaft, Lore Rabe, bei der Begrüßung im vollbesetzten Saal „nicht ohne Stolz“ auf das 35. Jahr der Gesellschaft verwiesen, der Sparkasse für die Unterstützung gedankt – verbunden mit der Hoffnung, ihre Arbeit „trotz der angespannten finanziellen Lage der Stadt“ weiter unbeeinflusst fortführen zu können.

Ihren Wunsch für einen „beschwingten Jahresauftakt“, erfüllten dann die Smetana-Philharmoniker aus Prag unter der Leitung des Dirigenten Hans Richter, dem Urenkel des gleichnamigen „Nibelungen“-Dirigenten, mit dem Operettenträume-Konzert – dem dritten Auftritt in Rheinberg. „Gesundheit und einige friedliche Momente“, wünschte Hans Richter dem Publikum. Mit der Ouvertüre zu Jacques Offenbachs „Die schöne Helena“ wurde schnell der wunderbare Grundton des Orchesters hörbar: beschwingt-wiegend, federnd-leicht, dabei mit der Prise feinsinniger Eleganz und Fülle. Und die kleine Maria auf der Tribüne stellte fest: „Die Frau an der Harfe – die spielt ja gar nicht.“ Das tat sie auch noch nicht beim kurzen Couplet der Helena aus Offenbachs Operette, später aber bei der „Invocation á Venus“, bei der sich die tschechische Mezzosopranistin Denisa Neubarthova mit trällerndem Timbre gut in die Leichtigkeit des Orchesters einfügte.

Danach verlieh der Mexikaner Antonio Rivera dem Wolgalied des Zarewitsch aus der gleichnamigen Lehár-Oper die melancholische und dem Tassilo-Lied „Wenn es Abend wird – Grüß mir mein Wien“ aus Emmerich Kálmans Oper „Gräfin Mariza“ die verführerische Note.

„Man kann entspannen und träumen – das lieben wir an Klassik“, sagte Daniela Fiyalka. Und bei Franz Lehars „Gold und Silber“-Walzer wirkten einige der Musiker selbst so beschwingt, dass sie sich mit im Takt wiegten. Danach ging es mit harmonisch-beschwingtem Gefühl und Klang weiter – wie bei der schwärmerisch-hingebungsvoll intonierten „Orpheus“-Ouvertüre, bei der Richter das Publikum zum kollektiven Mitklatschen animierte. „Das ist ja Wahnsinn“, dankte er für die Unterstützung bei dem „sinfonischen Prachtexemplar“.

Rivera brillierte und bewegte dann erneut mit zwei Lehár-Kompositionen – der Arie „Freunde, das Leben ist lebenswert“ aus der Lehár-Oper „Giuditta“ oder der Prinzen-Arie „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem „Land des Lächelns“. Unterhaltsam spielte Denisa Neubarthova dann charmant bei Orlowsky-Couplet aus der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ mit dem Publikum, ehe sie sich mit Rivera im Duett zum „Traumduett“ aus Offenbachs „Helena“ aufschwang.

Der offizielle Part endete dann mit dem „Donau“-Walzer von Johann Strauß junior. Danach folgte noch Rivera mit dem „Gondel“-Lied aus der Strauss-Operette „Eine Nacht in Venedig. Gemeinsam mit Neubarthova intonierte er Lehárs „Lippen schweigen“ und tanzte mit ihr gemeinsam Arm in Arm.

Der „Radetzky-Marsch“ bildete den krönenden Abschluss, wobei Richter sein Orchester alleine spielen ließ, durch den Publikumsgang streifte und das Ganze mal aus anderer Perspektive genoss. „Cool“, fand die kleine Maria den beschwingten Neujahrsauftakt.