Tag der Begegnung im Rathaus Alpen

Fest der Begegnung im Alpener Rathaus: In die Herzen der Alpener gelangte sehr schnell der kleine Gast aus Südafrika.
Fest der Begegnung im Alpener Rathaus: In die Herzen der Alpener gelangte sehr schnell der kleine Gast aus Südafrika.
Foto: Peter Bußmann
Was wir bereits wissen
Das Fest der Begegnung im Rathaus war ein voller Erfolg. Alle waren zum fröhlichen Treff geladen

Alpen..  Es war ein großartiges Ereignis am frühen Freitagabend im Alpener Rathaus. Alpens Bürgermeister Thomas Ahls, seine Verwaltung, die Ortspolitik, Kirchen und Verbände hatten in großer Einmütigkeit zu einem Fest der Begegnung geladen. Alle waren zum fröhlichen Treff in den Ratssaal geladen, insbesondere die, die aus fernen Ländern als Migranten, als Bürgerkriegs-oder Elendsflüchtlinge in die kleine Niederrheingemeinde kamen, um einen neuen Start in ein besseres Leben zu wagen.

Der Bürgermeister war schlicht baff: Schon fast eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung füllte sich der Saal, bot am Ende kaum Platz für alle: Für die Alpener, die die Fremden mit offenen Armen begrüßten und die, um die es eigentlich ging, die Flüchtlinge und Migranten. Dicht an dicht stand man nebeneinander, kam zwangsläufig miteinander ins Gespräch. Und hörte nur Lob. „I feel very good here“, so eine Algerierin. Was für alle galt.

Bürgermeister Thomas Ahls machte es kurz. „Ich begrüße alle, die neu bei uns in Alpen sind, die bei uns ein neues Leben starten wollen.“ Gemeinsam mit Patrick Depuhl führte er auf der Bühne ins Fest der Begegnung ein. „Wir sind überwältigt“, gestand er. Depuhl, der die Vielen aus unterschiedlichsten Nationen aus der Reserve lockte, schwärmte: „Welch ein buntes Bild“, meinte nicht nur die unterschiedlichen Hautfarben, auch Kleidung wie die der jungen Pakistani, die in Landestracht kam. Drei Dolmetscher für Englisch, Französisch und Persisch sorgten für die Übersetzungen.

Das Fest der Begegnung war das erste dieser Art in Alpens Rathaus, beispielhaft für andere Kommunen. Alpen zeigte, wie man es machen kann. „Wir wollen Ängste vor der Andersartigkeit abbauen“, so Ahls. Für seine Verwaltung stehen zwei Themen im Vordergrund: Aufbau von Patenschaften und enge Betreuung der fremden Gäste. Dazu gehören auch Sprachkurse. Bei Patenschaften stehen Rat, Tat, Begleitung bei Behördengängen, zu Ärzten, zu Sozialdiensten im Vordergrund.

Flüchtlingshilfe gab es früh in Alpen, betonte Dr. Hartmut Becks, evangelischer Pfarrer. Die nötiger ist denn je, erfuhr man in persönlichen Gesprächen in großem Sprachenwirrwarr. „Wir haben hier Menschen aus 17 verschiedenen Nationen“, so Ludger Funke von Alpens Gemeindeverwaltung, der auch Diakon der Kirchengemeinde St. Ulrich ist. „Wir wollen von der Gemeinde den Startschuss für eine Neubelegung der aktiven Flüchtlingshilfe geben.“

Man konnte sie Freitagabend leicht ausmachen. Alle mit freudigen, erwartungsfrohen Gesichtern. Kaum einer aus fernen Ländern kam mit leeren Händen. Leckereien und Spezialitäten aus ihrer Heimat waren dabei, ein großes Buffet der Fremdartigkeiten brachte kulinarische Genüsse. Sprachbarrieren überwand man. Irgendwo war jemand unter den Alpenern, der half. Wie Thierry Neumann, der gleich Kontakt mit drei Schwarzafrikanern hatte, die nur Französisch sprachen. Er kam mit Mansour Tall und Mohamed Sow, seit 15 Monaten in Alpen, ins Gespräch, und mit Salah Derar aus Eritrea. Der 21jährige kam vor sechs Monaten als Bootsflüchtling übers Mittelmeer. Neumann begeisterte der Abend. „Ich habe über Facebook das Flüchtlingselend verfolgt. Ich bin total froh, dass hier die Initiative zur Hilfe ergriffen wird. Ich kann mir vorstellen, künftig engagiert, auch als Pate, mitzuwirken.“

Wie Fe und Manfred Engels, Veener. Sie hatten vom Elend der kleinen algerischen Familie gehört. Radia Belmokhtar und Ehemann Mohamed Tergou waren von Schleppern vor drei Monaten in einer Nussschale übers Mittelmeer gebracht worden. „Es war schrecklich“, berichtete Radia, die hoch schwanger war. Über Italien kamen sie nach Alpen, hier wurde Sohn Bouabdellah geboren – krank, Nabelbruch. Die Engels wurden ihre Paten. Und halfen. Nach einer OP ist das Kind wieder fit.