Spur der Verwüstung
23.07.2009 | 20:35 Uhr 2009-07-23T20:35:00+0200Sogenannte „Superzelle” wütet in Orsoy, entwurzelte Bäume begraben Autos unter sich, Verletzte gab es keine.
Rheinberg-Orsoy. Um halb Eins sind Sonja und Hartmut Grüner am Donnerstagmorgen ins Bett gegangen. „Da stand die zehn Meter hohe Tanne unseres Nachbarn noch”, sagt er. Am nächsten Morgen rieben sie sich dann verwundert die Augen. Auf der Höhe von zwei Metern war der mächtige Baum abgebrochen, der obere Teil war in das Gartenhaus der Familie an der Siedlerstraße gekracht und hat einen Schaden von 2000 bis 3000 Euro verursacht. Das Unwetter hat in Orsoy noch weit größere Schäden angerichtet. 27 000 Euro sind es laut Polizeiangaben allein an fünf Autos, die von herabstürzenden Bäumen und Ästen getroffen worden waren.
Um 23.31 Uhr war die Feuerwehr in den Stadtteil Orsoy ausgerückt, erst um 3.30 Uhr war der Einsatz für die insgesamt 35 Kameraden beendet. Am Hafendamm befreiten sie unter anderem einen Opel Astra von einem umgestürzten Baum. Der Wagen von Adolf Angerer hat nur noch Schrottwert.
Ein fassungsloser
Österreicher
Fassungslos stand der Österreicher vor seinem zerquetschten Wagen. Der Tourist aus Graz – er wohnt im Orsoyer Hof – hatte Glück im Unglück. Hätte er während des Sturmes der Windstärke 8 in seinem Wagen gesessen, er wäre wohl schwer verletzt worden. Und für den Schaden am Auto kommt die Versicherung auf.
„Ab Windstärke 8 greift die Teilkasko”, erklärt Mario Striekert, Mitarbeiter der Schadensabteilung bei der Direc-Line-Versicherung. Wer entsprechend versichert ist, kann also auf eine Regulierung des Schadens hoffen. Im Falle des Gartenhauses der Familie Grüner zahlt übrigens keine Versicherung. „Wir haben eine Wohngebäudeversicherung”, erzählt der 47-Jährige. „Leider haben wir das Gartenhaus nicht mitversichert.” Haftbar machen kann er seinen Nachbarn jedenfalls nicht. Höhere Gewalt. Eine Teilschuld hätte nur dann vorgelegen, wenn der Baum etwa morsch gewesen wäre und längst hätte gefällt oder gestutzt werden müssen.
Umliegende Stadtteile
blieben verschont
Wie kam es überhaupt zum weltuntergangsähnlichen Gewitter, das nur in Orsoy wütete. Die umliegenden Stadtteile sind von Blitzeinschlägen und abgeknickten Bäumen verschont geblieben. „Wir gehen von einer Windhose aus”, sagt Löschzugführer Jürgen Mooslehner. Bestätigen wollte der Deutsche Wetterdienst das allerdings nicht. „Wir prüfen das noch”, so Wolfgang Reiss, Meteorologe vom Dienst der Regionalzentrale Essen.
Fest steht, dass am Mittwoch eine sogenannte „Superzelle” wütete, ein schweres Gewitter mit bis zu 70 Litern Regen pro Quadratmeter und Stunde. „Ein normaler Landregen bringt fünf bis sechs Liter”, sagt der Experte. Das Gewitter samt Starkregen kam von Hückelhoven (Kreis Heinsberg) und zog über Rheinberg in Richtung Bergisches Land. Dort habe sich die Gewitterfront dann wieder abgeschwächt.
Zurück nach Orsoy: Einen Tag nach dem Unwetter liegen am Hafendamm und an der Kommandanturstraße noch immer riesige Äste auf den Bürgersteigen. Es wird noch eine Weile dauern, bis der Dienstleistungsbetrieb alles weggeschafft hat. Die Autowracks sind inzwischen abgeschleppt worden.
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