Sepp räumt den Wald auf

Holzrücker Georg Stevens zieht mit Rückepferd Sepp im Aaper Busch Baumstämme an den Wegesrand.
Holzrücker Georg Stevens zieht mit Rückepferd Sepp im Aaper Busch Baumstämme an den Wegesrand.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das kräftige Rückepferd zieht im Aaper Busch rund 50 Baumstämme in Position. DieFuhrhaltereiStevens bezeichnet Rücke­pferd Sepp als „sanftes Kraftpaket“, der viel mehr kann, als nur Holzrücken.

Wesel..  „Super, Sepp, du bist der Beste“, ruft Georg Stevens durch den Aaper Busch und klopft seinem kräftigen Rückepferd im Vorbeigehen auf den Rücken. Soeben hat der achtjährige Tiroler Noriker – eine österreichische Kaltblutrasse – einen weiteren Birkenstamm zum Abtransport an eine Rücke­schneise gezogen.

Das 800-Kilogramm-Ross bewegt Stämme bis etwa zu seinem eigenen Gewicht. „Und das unter extremen Bedingungen, denn der Waldboden hier ist völlig aufgeweicht und uneben“, ergänzt Holzrücker Stevens, der sich zusammen mit seiner Frau Nicola Basten und eben Sepp als „die starke Truppe“ bezeichnet.

Starke Truppe aus Alpen-Veen

In dieser Woche muss das Trio aus Alpen-Veen – mit Unterstützung von Jakob Schaaf an der Motorsäge – rund 50 Stämme so zurechtrücken, dass das Holz später gut abtransportiert werden kann. „Pferde arbeiten viel schonender für den Wald“, erläutert Heinz-Georg Oberender, der beim ASG Wesel für Grünflächenneubau und Baumschutz zuständig ist.

Deshalb kommen in dem städtischen Wald am Ende der RWE-Straße im Rahmen des auf zehn Jahre angelegten Projekts Aaper Busch Rückepferde zum Einsatz. Mit Unterstützung des Regionalforstamtes Niederrhein und des Kreises Wesel wird dort bereits seit drei Jahren der überwiegend aus Nadelwald bestehende Forst nach und nach in einen Mischwald umgewandelt. „Hier soll ein bodensaurer Eichenwald entstehen“, erläutert Oberender mit Blick auf den Bestand aus Kiefern, die nach dem zweiten Weltkrieg gepflanzt wurden und Birken, die etwa 40 bis 45 Jahre alt sind. Außerdem stehen hier noch Lärchen, Fichten sowie Douglasien.

30 Prozent der Bäume bleiben stehen, ab dem Frühjahr wird wieder neu angepflanzt: Neben Eichen könnten auch Weiden und Buchen hier demnächst wachsen und gedeihen. „Dass die neu gepflanzten Baume gefällt und abtransportiert werden, können wir wohl nicht mehr erleben“, betont Oberender. Das werde Jahrzehnte dauern – vielleicht sogar 100 Jahre.

Er betont, dass die etwa drei Hektar große Fläche wirtschaftlich eigentlich gar keine Rolle spiele. „Das ist kein Industriewald, hier sind der ökologische Wert und der Erholungsfaktor vorrangig“, erläutert der ASG-Mann, der im Rahmen des gesamten Projekts am ­Aaper Busch 15 000 Bäume pflanzen lässt.

Doch ehe es soweit ist, muss Sepp erst noch Schwerstarbeit verrichten: Als wieder ein Birkenstamm an das Rückepferd angehängt ist, ruft Georg Stevens: „Vista wirr!“ Und schon setzt sich das Kaltblut in Bewegung. Als der Stamm die richtige Position erreicht hat, schallt ein lautes „Ho!“ durch den Wald. Stevens erläutert das Rückepferde-ABC: „Vista heißt links, hot heißt rechts – wirr bedeutet vorwärts und ho heißt halt.“