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Schutz an Leben und Eigenthum

11.09.2009 | 21:50 Uhr

Im Jahr 1879 fanden sich 93 Rheinberger, um als Feuerwehr-Corps zu helfen. Alles von Rang und Namen war vertreten.

Rheinberg. Über Jahrhunderte fürchteten Rheinbergs Bürger das Feuer. Zwar brachte der Rhein mit Hochwasser immer wieder verheerende Schäden. Doch während er nur hin und wieder über die Ufer trat, war und ist die Feuersgefahr alltäglich. Auch heute noch. Dass man sie nicht mehr so fürchten braucht, dafür sorgt eine schlagkräftige Truppe, die Feuerwehr. In Rheinberg feiert sie am Wochenende ihr 130-jähriges Bestehen.

Bürgermeister Schmitz

unterzeichnete Satzung

Im Jahr 1879 fanden sich 93 Rheinberger, um künftig als Feuerwehr-Corps zu helfen. In der im Dezember von Bürgermeister Schmitz unterzeichneten Satzung der freiwilligen Feuerwehr zu Rheinberg wird im ersten Paragrafen der Zweck des Corps beschrieben: „Zweck der freiwilligen Feuerwehr ist Aneignung der Fertigkeit, welche nöthig ist, in Handhabung, Bedienung und Anwendung der Löschgeräthschaften, um, in Verbindung mit dem städtischen Brandcorps nicht allein ausbrechendem Brandunglücke in jeder Beziehung wirksam entgegen zu treten, sondern auch den dadurch betroffenen Mitbürgern nach Möglichkeit Schutz an Leben und Eigenthum zu gewähren.”

Kaum verständlich ist der holprige Bandwurmsatz, der das erste schriftliche Fundament der heute hoch modernen Rheinberger Wehr ist. Die macht es auf ihrem Logo viel kürzer: „Retten-Löschen-Bergen-Schützen".

Wie wichtig man das Corps damals nahm, zeigt die Mitgliederliste. Sie ist ein Rheinberger „Who is who” der alten Zeit. Alles von Rang und Namen war vertreten, alte einflussreiche Familien, Amtsrichter, Notar und Postverwalter, auch die jüdischen Mitbürger, selbst Bürgermeister Schmitz. In der Nacht zum 17. Februar 1880 bestanden sie ihre erste Feuertaufe.

Die ersten vier Wehrmänner löschten. In einer Zeitung hieß es damals: „Als andere Löschmannschaften hinzu kamen, hatten diese das leere Nachsehen.” Die Mannen des Feuerwehr-Corps waren erfolgreich. Doch die Stadtoberen ließen sie hängen: Der neue Bürgermeister Meckel war der Auffassung, dass die Feuerbekämpfung Privatsache sei und die Mitglieder daher die Kosten selbst tragen müssten. Es entwickelte sich eine Klein-stadtkomödie, die selbst das Amtsgericht beschäftigte und neun Jahre später mit der Auflösung der Wehr endete. Am 17. Juli 1888 teilte Corps-Leiter Joseph August Wellen dem „Bürgermeister Meckel - wohlgeboren” brieflich mit, dass auf Beschluss der Generalversammlung sich die Wehr aufgelöst habe.

Klage vor dem

Amtsgericht

Nicht nur die verweigerte Erstattungen der Auslagen und die Weigerung des Rates, das bereits teilfinanzierte Übungshaus – der heutige Steigerturm an der Alten Rheinstraße – zu bauen, waren der Anlass. Den Ausschlag gab Bürgermeister Meckels Klage vor dem Amtsgericht, den Schlüssel zum Spritzenhaus im Rathaus an ihn herauszugeben.

Das ist längst Geschichte. Heute hat Rheinbergs Feuerwehr volle Unterstützung von Rat und Verwaltung.

Peter Bußmann

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