Schönes Wohnzimmer für die Vögel
05.02.2012 | 17:08 Uhr 2012-02-05T17:08:00+0100
Rheinberg.Rheinberger Pfadfinder bauten in ihren Gruppenstunden Nistkästen. Und hängten sie jetzt rund um die St. Anna-Kirche auf.
Trotz klirrender Kälte herrschte vor der St. Anna Kirche in Rheinberg ein kräftiges Gewusel: Fast im Akkord wurde Teerpappe auf die Dächer der fast 20 verschiedensten Nistkästen genagelt.
Dann ging’s mit der Leiter hoch in die Bäume rund um Kirche, Pfarrheim und Kindergarten. „Damit auch die Vögel eine wärmende Unterkunft finden“, schmunzelte ein Zehnjähriger.
Weitere Aktionen sind geplant
Die Anna-Pfadfinder setzten am Samstagmorgen eine gute Idee in die Tat um. Wie die beiden elfjährigen „Jufis“ Belmin und Luca. Mit anderen, Wölflingen, Jungpfadfindern und Rovern, hatten sie wochenlang, unterstützt von den „Dinos“ der Mitarbeiterrunde, fleißig gewerkelt. Als Ergebnis stand eine Reihe nagelneuer Nistkästen auf einer Bank vor der Kirche.
„Wir möchten den Vögeln eine Heimat und einen warmen Platz bieten“, kommentierte Luca die Arbeit. „Und damit sie eine Nistmöglichkeit finden.“ Die sei für Höhlenbrüter wie Meisen oder Gartenrotschwanz auch am Annaberger Friedhof rar, erklärte Wilfried Ingensiep vom Rheinberger Nabu, der den Pfadfindern zur Seite stand.
„Warum hängen wir da keine Nistkästen auf“, kam prompt die Frage der kleinen Pfadfinder. Aber auf dem Friedhof sind die Bäume aus Sicherheitsgründen oft beschnitten, zudem fehlt das Totholz, das die Höhlenbrüter brauchen. „Die Stadtverwaltung hat nicht erlaubt, Kästen aufzuhängen“, betonte Wilfried Ingensiep. Den Grund kannte aber auch der Nabu-Mann nicht. Da blieben nur die Bäume an Kirche und Kindergarten über, die die Pfadfinder mit nummerierten Nistkästen versahen. Was für die zwölfjährige Maresa Sinn macht: „Wir wollen Buch führen, was in den Kästen passiert. Wann sie zum Beispiel erstmals bezogen wurden, wie viel Junge schlüpfen.“
Siegfried Nowack, einer der Dinos aus der Mitarbeiterrunde, schätzt die Idee, die Kinder spielend mit der Natur vertraut zu machen. „Ich bin sehr für Naturschutz. Da haben wir überlegt, wie wir die Pfadfinder heranführen können.“ Die sind in St. Anna mit 144 Mädchen und Jungs der stärkste Pfadfinderstamm am Niederhein. Heraus kam die Idee, gemeinsam Nistkästen zu bauen.
Die Aktion am Samstag war nur der Anfang. „Als nächstes bauen wir Fledermauskästen“, verrieten Siegfried Nowack und Bernhard Werner. „Gottes Haus für Fledermaus“ heißt das Programm, dass die Pfadfinder gemeinsam mit dem Nabu angehen wollen. Da heißt es wieder sägen, bohren, schrauben. „Heute fehlen Fledermäusen Nistmöglichkeiten in den Kirchtürmen. Da wollen wir helfen.“ So könnten die ersten Fledermauskästen bald im Turm von St. Peter hängen. Dann stehen noch Kästen für den Steinkauz auf dem Programm.
Mit Feuereifer waren die Pfadis dabei, lernten viel vom Nabu-Fachmann. „Das macht alles einen Riesenspaß“, verriet Belmin. Fleißig befestigte der Elfjährige die Teerpappe auf den Dächern. „Im nächsten Winter werden wir die Kästen dann reinigen“, versprach er.
Ein wenig traurig waren die Pfadfinder aber über das Nein der Verwaltung, auch Nistkästen auf dem Friedhof aufhängen zu dürfen. „Wir schützen die Bäume doch“, sagten die Pfadis. Über den Draht zum Aufhängen zogen sie alte Fahrradschläuche. „Damit der Draht nicht die Bäume schädigt.“
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