Schiffer-Neumann – 90 Jahre Geschichte in Rheinberg

Foto: Christiane Kathrin Dase
Was wir bereits wissen
Die heutige Buchhandlung Schiffer-Neumann am Holzmarkt wurde am 1. Januar 1925 gegründet. Seit mittlerweile 15 Jahren ist Klaus Neumann der Inhaber.

Rheinberg..  90 Jahre: Eine so alte Geschichte wie Schiffer-Neumann hat wohl kaum ein Geschäft in Rheinbergs Innenstadt. 1925 legte Katharina Schiffer am Marktplatz den Grundstein der heutigen Buchhandlung mit Tabakwaren und Zeitungsverkauf. 1934 wird ein Schreibwarengeschäft daraus, etwas später dann die Buchhandlung.

75 Jahre ist das Ladenlokal am Holzmarkt in Hand der Familie Schiffer – dann übernehmen Einzelhandelskaufmann Klaus Neumann und seine Frau Petra, eine gelernte Buchhändlerin, zum 1. Januar 2000 den Traditionsladen von der damaligen Inhaberin Ria Schiffer. „Unser Hauptstandbein ist immer noch die Buchhandlung“, sagt Klaus Neumann – auch wenn sich am Ladenkonzept in den vergangenen 15 Jahren einiges verändert hat.

Wer den Laden betritt, landet zunächst in der „Kinderwelt“. Vorbei an Lederwaren und Handtaschen geht’s in den hinteren Teil. Hier stehen Bücher für Erwachsene. Ein gemütlicher Omasessel lädt zum Schmökern ein. Die Schreibwaren befinden sich im hinteren Bereich des Geschäfts. „Schulsachen gibt’s heute in fast jedem Supermarkt. Da muss man sich überlegen, was man den Kunden noch zusätzlich anbietet“, sagt Neumann. Zum Beispiel einen Ticketshop. Der findet sich heute im Bereich der ehemaligen Druckerei – Kunden bekommen hier Konzertkarten, neuerdings gibt es auch Fahrkarten für den öffentlich Nahverkehr.

Komplette Modernisierung 2004

2004 sei der Laden komplett modernisiert worden – und damit auch das Konzept der reinen Buch- und Schreibwarenhandlung, erinnert sich der 47-jährige Inhaber. „Wir leben von Stammkunden, müssen aber etwas dafür tun, um die Leute hier zu halten.“ Mit Büchern und Schreibwaren allein funktioniere das aber heute nicht mehr. „80 Prozent unserer Kunden sind Frauen“, sagt Neumann. Und die kauften anders als die meisten Männer nicht rational, sondern eher nach Gefühl ein.

Und genau darum – ums Gefühl, genauer ums Wohlfühlen – geht’s im 1. Obergeschoss des Ladens. In der Auszeitabteilung gibt’s allen möglichen Krims und Krams, Kitsch und Schnickschnack, den das Frauenherz begehrt: knalligbunte Cupcake-Seifen, in die man eigentlich lieber hineinbeißen würde, als sich die Hände damit zu waschen, Badekugeln, Duftkerzen und Handtücher statt Sachbücher. Die Sparte ist bei Schiffer-Neumann schon vor Jahren weggefallen. Wer stellt sich schließlich heute noch einen gedruckten Brockhaus in den Schrank, wenn es doch Wikipedia auf dem Rechner gibt?

„Man darf sich den neuen Medien nicht verschließen“, findet Klaus Neumann. Er glaubt aber auch: „Ein E-Book wird ein richtiges Buch nicht ersetzten können.“

Auch in 30 Jahren noch Bücher

Auch nicht bei den jungen Lesern. Denn: „Es gibt noch viele Kinder und Jugendliche, die gerne ein Buch in die Hand nehmen und lesen.“ Ob Krimis, historische Romane oder Abenteuergeschichten: Das Lesen gehöre zu unserem gesellschaftlichen Hintergrund, findet Klaus Neumann, und das Eintauchen in immer andere, fremde Welten verliere auch in der Zukunft nicht seine Spannung. „Ich glaube fest daran, dass es auch in 30, 40 Jahren noch richtige Bücher und kleine Buchhandlungen geben wird.“