Rollstuhlfahrerin kämpft für eine barrierefreie Wohnung

Nadine Friedrichowski ist auf die Hilfe von Familie und Freunden angewiesen.
Nadine Friedrichowski ist auf die Hilfe von Familie und Freunden angewiesen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Junge Rollstuhlfahrerin aus Rheinberg wohnt in einer Etagenwohnung ohne Aufzug. Nur mit Hilfe von Freunden und Familie kann sie Wohnung verlassen.

Rheinberg.. Ohne ihre Freunde und Familie hätte Nadine Friedrichowski wohl noch weniger Lebensqualität. Aufgrund von Spätfolgen einer Krebserkrankung und damit verbundenen schweren Chemotherapie in ihrer Kindheit sitzt die 33-jährige Rheinbergerin seit 2012 im Rollstuhl. Da sie im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses ohne Fahrstuhl wohnt, ist Nadine Friedrichowski auf regelmäßige Hilfe angewiesen.

Wenn Arzttermine oder der Gang zur Physiotherapie anstehen, muss die alleinerziehende Mutter eines 7-jährigen Sohnes die Treppen runter und wieder hoch getragen werden. Ein Zustand, der eigentlich unzumutbar ist – und vermeidbar. Zauberwort: barrierefreies Wohnen. Was so logisch klingt, ist für Nadine Friedrichowski seit einem Jahr zum Spießrutenlauf geworden. Seit ihrer Scheidung 2013 lebt die junge Mutter von Hartz IV. „Als Wohnzuschuss stehen mir nur 410,80 Euro zur Verfügung“, sagt Nadine Friedrichowski. „Zu wenig für eine barrierefreie Wohnung, die in der Regel wesentlich teurer sind.“

Wohnung zu teuer für Jobcenter

Fündig ist die junge Frau innerhalb des vergangenen Jahres in Rheinberg nur selten geworden. „Die günstigste Wohnung , die ich gefunden habe, kostet 900 Euro Warmmiete“, so Nadine Friedrichowski. „Für das Jobcenter wohl schlichtweg zu teuer.“ Wohnen

Dabei steht der schwer kranken Rheinbergerin gesetzlich eine für sie nutzbare Wohnung zu. „Vom Jobcenter werden die Kosten übernommen, die als angemessen gelten“, sagt Carsten Ohm vom Sozialverband VdK NRW. „Das ist aber wiederum eine Ermessensfrage, die der Wertung des jeweiligen Sachbearbeiters obliegt.“

Rollstuhlfahrern steht mehr Wohnraum zu

Die individuellen Lebensumstände müssten, laut Ohm, aber in jedem Fall berücksichtigt werden. Vor allem, wenn eine Krankheit dazu führt, dass jemand im Rollstuhl sitzt. Das heißt zum Beispiel, dass ein Rollstuhlfahrer ein höheres Raumbedürfnis hat und der Person damit 15 Quadratmeter mehr und damit auch ein höherer Wohnzuschuss zusteht. Aber, auch das betont Carsten Ohm, das Jobcenter ist nicht verpflichtet, eine Wohnung anzubieten. Darum müsse sich die betroffene Rheinbergerin schon selbst kümmern.

Dennoch möchte auch das Jobcenter des Kreis Wesel in diesem Fall schnell Abhilfe schaffen. „Der Antrag von Frau Friedrichowski ist bei uns erst Ende letzten Jahres eingegangen und wir mussten ihn tatsächlich wegen der erheblichen Kostenübersteigung des Regelsatzes abweisen“, sagt Jessica Lange vom Jobcenter. „Mittlerweile ist bei uns ein Widerspruch von Frau Friedrichowski eingegangen. Wie das Widerspruchsverfahren ausgeht, da können wir zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nichts zu sagen.“ Sicher sei jedoch, dass auch das Jobcenter die Dringlichkeit eines Wohnraumwechsels sieht und im Fall der jungen Rheinbergerin alle Umstände berücksichtigt würden.

Juristisch nicht zu vertreten

Laut Carsten Ohm vom VdK sei die jetzige Situation juristisch auch nicht zu vertreten. So sei es angebracht, im vorliegenden Fall in einem Eilverfahren zu entscheiden. Auch zu juristischen Schritten wäre Nadine Friedrichowski im Notfall zu raten, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. „Es muss ganz schnell etwas passieren“, so Ohm. „Da kann man an die Verantwortlichen nur appellieren, dass sie ihren Ermessensspielraum zugunsten der jungen Frau voll ausschöpfen.“