Römermuseum in Xanten für Barrierefreiheit ausgezeichnet

Freuen sich über das Label „Barrierefrei“: (v.l.) Daniela Flügen, Marianne Hilke, Dr. Martin Müller, Martina Baumgärtner, Sabine van der List.
Freuen sich über das Label „Barrierefrei“: (v.l.) Daniela Flügen, Marianne Hilke, Dr. Martin Müller, Martina Baumgärtner, Sabine van der List.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die LVR-Einrichtung ist bestens geeignet für Menschen mit Seh- und Gehbehinderungen. Zwölf weitere Einrichtungen sollen in der Stadt bis zum Sommer zertifiziert werden.

Xanten.. Barrieren gab es im Römermuseum noch nie. Schon seit der Eröffnung im August 2008 können Rollstuhlfahrer mühelos überall hin gelangen.

Nun ist das Museum aber offiziell mit dem Label für die Barrierefreiheit ausgezeichnet worden und nicht nur das. Ein 17-seitiger Prüfbericht hält außerdem fest, wie toll es auch bei Menschen mit Sehbehinderungen oder für Kinderwagen abgeschnitten hat. „Barrierefreiheit ist fast schon ein Begriff von gestern“, sagt Museumspädagogin Marianne Hilke, „der neue Begriff ist Inklusion“. Denn die LVR-Einrichtung wolle nicht nur gehbehinderten Menschen einen uneingeschränkten Zutritt verschaffen, sondern auch das passende Angebot für Sehbehinderte und alle anderen individuellen Behinderungen bieten.

Kunst zum Anfassen im Römermuseum Xanten

Deshalb gibt es in dem LVR-Gebäude nicht nur viele Tast- und Riechstationen, die ein Lernen mit allen Sinnen ermöglichen, sondern auch Kunst zum Anfassen. Ein Beispiel dafür ist das Replikat des Gedenksteins für Marcus Caelius aus Bologna, der als einzig sicherer archäologischer Beleg für die Varus-Schlacht im Jahre 9 n. Chr. im Teutoburger Wald gilt. „Im Rahmen von Führungen ist das Ertasten des Grabsteins erlaubt“, erklärt Pressesprecher Ingo Martell. Der Stein sei haptisch sehr interessant und es könnten viele Bereiche des Replikats gut ertastet werden.

„Das ‘Anfassen’ ist im Museum ein sehr sensibles Thema. Man kann hier auch nicht alles berühren“, gibt Marianne Hilke zu. Aber die Museumsorganisatoren hätten sich genau überlegt, welche Objekte häufig, welche nur manchmal und welche nur mit Handschuhen berührt werden dürften.

Schatztruhen statt Sitzmöbel

Neben Kunstobjekten zum Ertasten, bietet das Museum auch viele Freiräume und Stationen, mit denen auf alle Individuen spontan reagiert werden kann. Marianne Hilke deutet auf eine scheinbar normale Bank: „Das sind nicht nur Sitzmöbel, sondern auch Schatztruhen.“ Sie hielten beispielsweise für Schulklassen Gegenstände bereit, damit die Schüler mal in die Rolle eines römischen Legionärs schlüpfen könnten. Jedes Kind könne sich seinen Lieblingsjob in der Legion raussuchen. Auch für Autisten gäbe es in dieser Truhe viele Materialien, um sich damit zu beschäftigen.

Das Römermuseum gehört, wie das Hotel Nibelungen-Hof und die Tourist-Information zu den drei Einrichtungen, die derzeit als barrierefrei zertifiziert sind. Bis zum Sommer sollen zwölf weitere Einrichtungen im touristischen und gastronomischen Bereich zertifiziert sein. „Es gibt einen 7,5 Kilometer langen, barrierefreien Rundwanderweg, der auch an den drei Einrichtungen vorbeiführt“, sagt Daniela Flügen, die das Projekt „Fernwandern“ betreut. Der Niederrhein habe eine angenehme Topographie, da es hier sehr flach sei. Ziel ist es, dass bald alle touristischen Wege in Xanten, vom Bahnhof in das Hotel, bis zu den historischen Sehenswürdigkeiten barrierefrei sind.