Renan Cengiz will Bürgermeister in Rheinberg werden

Renan Cengiz in Siegerpose.
Renan Cengiz in Siegerpose.
Foto: Die Graue Eminenz
Was wir bereits wissen
Mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus tritt der 28-jährige freischaffende Künstler Renan Cengiz als sechster Kandidat zur Bürgermeisterwahl in Rheinberg an.

Rheinberg..  Renan Cengiz ist einer, der nicht alles bierernst nimmt. Ob das auch seine Bürgermeisterkandidatur in Rheinberg betrifft?
Christiane Kathrin Dase sprach mit dem 28-jährigen Vorsitzenden des Rheinberger Ortsverbandes von „Die PARTEI“.

Sie sind freischaffender Künstler und Publizist – jetzt wollen Sie Bürgermeister in Rheinberg werden. Wie passt das zusammen?

Meine Arbeit bereitet mich optimal auf ein politisches Amt vor: Ich bin trinkfest, ich weiß, wie man mit vielen Worten wenig sagt, ich kann plagiieren ohne, dass es auffällt, und ich bin vertraut mit verschiedenen Volksopiaten. Mit meiner Entscheidung, zu kandidieren, hat meine Berufswahl wenig zu tun: Vielmehr ist es so, dass mir der kleine Mann seit Jahren immer wieder nahegelegt hat, in die Politik zu gehen. Ich habe stets abgelehnt, da die etablierten Parteien für mich jede Glaubwürdigkeit eingebüßt haben. Doch dann stieß ich auf eine junge, aufstrebende Partei, die mir aus dem Herzen gesprochen hat: Die Partei.

Sie haben den Rheinberger Ortsverband von „Die PARTEI“ im Oktober 2014 gegründet. Für welche politischen Ziele stehen Sie als dessen 1. Vorsitzender?

Uns geht es nicht um Wahlprogramme und Quoten, sondern um eine moderne, bürgernahe und ehrliche Turbopolitik – inhaltsleer und populistisch –, mit der ich mich gut anfreunden kann... Grundsätzlich bin ich offen für alle mehrheitsfähigen Bürgerbelange. PARTEI-intern schwebt uns etwa eine Rehistorisierung der Innenstadt vor: Mauern hoch, Stadtgraben fluten, Rheinberg als starke Hafenstadt etablieren, wie in den goldenen Zeiten. Die Stadt braucht unbedingt wieder einen direkten Zugang zum Meer – wir müssen den Duisburgern das Wasser abgraben. Auch die Jugendarbeit ist uns ein Anliegen. Wir gehen davon aus, dass die Wahl von den unter 16-Jährigen entschieden wird und setzen alles daran, Rheinberg mit ansprechenden Jugend- und Kulturangeboten für die künftige Elite attraktiv zu machen. Außerdem fordern wir den Bau einer U-Bahn, Tempo 30 auf allen Straßen und eine Schiebepflicht für Lkw.

Welches Thema steht für Sie in Rheinberg an erster Stelle?

Die Stadt muss an ihre alten Glanzzeiten anknüpfen und als unabhängige, finanzstarke Kulturbastion am Niederrhein wieder aufleben.

Wie stehen Sie zur aktuellen Flüchtlingssituation in Rheinberg?

Flüchtlinge sind für uns ein wertvoller Teil der Gesellschaft, den wir gern in Rheinberg willkommen heißen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass sich ihre Situation in Rheinberg weiter verbessert. Das Alte Rathaus zum Beispiel gebe ein schickes Flüchtlingsheim ab...

Rheinberg ist bekanntlich in der Haushaltssicherung. Was würden Sie tun, um Geld einzusparen?

Um aus der Haushaltssicherung herauszukommen, habe ich gemeinsam mit unseren Finanzexperten einen schlagkräftigen Dreipunkteplan ausgearbeitet, den ich in Kürze in einem Wahlvideo auf unserer Facebookseite vorstellen werde.

Wie sieht Ihr Wahlprogramm aus?

Wir meinen, dass Wahlprogramme der Vergangenheit angehören. Sie sind nach unseren Beobachtungen nur vor der Wahl relevant – was danach passiert, steht in der Regel in den Sternen, am Boden von Schmiergeldkoffern und in mit Geheimtinte geschriebenen Vetterndeals. Wir setzen daher noch einen drauf und wollen Inhalte grundsätzlich überwinden. Das garantiert uns ein Maximum an Flexibilität und macht uns zur fortschrittlichsten Partei im gesamten Bundesgebiet. Unser Kernkonzept haben wir in einem griffigen Wahlkampfslogan zusammengefasst: „Rheinberg, Rheinberg, Rheinberg!“

Wie schätzen Sie Ihre Chancen bei der Bürgermeisterwahl ein?

Wir streben in guter Tradition 100 Prozent plus X an – und mit etwas Glück können wir diese Prognose sogar übertrumpfen. Dafür ist es zunächst nötig, die fehlenden Unterstützerunterschriften zusammenzubekommen – Sympathisanten können das Formular auf unserer Facebookseite herunterladen, mich bzw. ein PARTEI-Mitglied ihrer Wahl direkt ansprechen.

Wenn Sie Bürgermeister von Rheinberg würden – was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Als Dankeschön an die Wähler würde ich einen Schokoladenbrunnen in der Innenstadt errichten lassen – natürlich auf PARTEI-Kosten. Außerdem würde ich in guter Politikertradition meinen Gönnern und Vertrauten gut bezahlte Posten im Stadthaus zuschustern – die PARTEI vergisst niemanden!

Mit 28 Jahren sind Sie der jüngste Bürgermeisterkandidat. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Nach der Kernsanierung der Stadt strebe ich an, die Karriereleiter weiter hochzuklettern und zunächst den Kreis-, später dann den Landes- und Bundesverband von Die PARTEI zu unterwandern, um eines Tages anstelle unseres Größten Vorsitzenden aller Zeiten, Martin Sonneborn, im EU-Parlament fürs Nichtstun bezahlt zu werden. Man hat mir gesagt, in der Politik liefe das so, und ich will da nicht aus der Reihe tanzen. Außerdem möchte ich unbedingt irgendwann durch Null teilen.