Operation im Container

Warfen einen Blick in den Container: v.l. Spender Mom Zevens, Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers (Gründerin APH), Dr. Johannes Kohler (Chefarzt Chirurgie Xanten), Heike Waldor-Schäfer (Mitgründerin APH), Dirk Henrici (Pfleger, Techniker), Georg van den Höövel (Organisator Benefizgala), Charly Moeders (Techniker), Werner van Briel (APH-Vorstand), hinten: Dr. Rüdiger Kerner (Chefarzt Innere, Kevelaer), Steffi Neu (APH-Botschafterin).
Warfen einen Blick in den Container: v.l. Spender Mom Zevens, Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers (Gründerin APH), Dr. Johannes Kohler (Chefarzt Chirurgie Xanten), Heike Waldor-Schäfer (Mitgründerin APH), Dirk Henrici (Pfleger, Techniker), Georg van den Höövel (Organisator Benefizgala), Charly Moeders (Techniker), Werner van Briel (APH-Vorstand), hinten: Dr. Rüdiger Kerner (Chefarzt Innere, Kevelaer), Steffi Neu (APH-Botschafterin).
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Gestern ging ein „Operationssaal“ auf Rädern auf sechs Wochen lange Reise nach Westafrika. Bernd „Mom“ Zevens spendete für Aktion Pro Humanität

Kreis Kleve..  „Menschen mit Gründergeist“ machen sich auf den Weg nach Westafrika, um dort vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe einzurichten. Es sind Ärzte und Techniker aus den Kreisen Kleve und Wesel und einer aus Augsburg. „Wenn man immer nur redet, nützt es nichts“, sagt die Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers, seit 20 Jahren Kopf der Initiative „pro Humanität“. Der Klever Investor Bernd „Mom“ Zevens ließ Taten sprechen: Dank seiner dicken Spende ist nun nach vier Monaten Bauzeit ein Container von 12 Metern Länge und ungewöhnlichen 2,50 Metern Höhe (High Cube) zum Operationssaal umgebaut worden – gedacht vor allem für Chirurgie und Gynäkologie. Wenn er vor Ort seine Arbeit aufnimmt, bedeute das einen Quantensprung für die medizinisch-technische Versorgung in der ländlichen Region Benins.

Innen silberner und weißer Stahl, Belüftung, Klimaanlage, Notstromaggregate. Er hat keine Fenster – aus Schutz vor Einbruch, Insekten. Gestern wurde er kurz der Presse gezeigt, dann lenkte ihn Fahrer Waldemar Brier nach Bremerhaven, wo er verplombt wird und auf vier bis sechs Wochen Reise geht.

„Der Seeweg ist relativ einfach, aber dann folgen 150 Kilometer von der Hauptstadt Cotonou über schmale Landstraßen auf ungleich gebrechlicheren Lastwagen, über Schotterwege voller Schlaglöcher und die letzten zwei Kilometer auf afrikanischer Sandpiste mitten in den Busch hinein“, beschreibt Elke Kleuren-Schryvers das Abenteuer der teuren Fracht. Im Land Benin gibt es zwei Kräne. Einer davon hebt dann den 3,5 Tonnen schweren Operationssaal vom Lkw und stellt ihn auf eine extra gebaute Plattform am Buschkrankenhaus von „pro Humanität“ in Gohomey, nahe dem „Aufwachraum“, der gerade im Bau ist.

Leben retten

Große Hoffnung hat das ehrenamtliche Ärzte-Team vom Niederrhein, dass auch alles heile ankommt. Vor allem natürlich die Ausrüstung im zweiten Container: digitales Röntgengerät, Ultraschallgerät, weiteres medizinisch-technisches Equipment und Instrumente für die Chirurgie.

Dann muss alles vor Ort hergerichtet werden. „Es gibt ja im Busch nicht gleich Steckdosen und Wasseranschluss“, so die Ärztin. Die Techniker Dirk Henrici (St. Josef Hospital Xanten) und Charly Moeders (Kevelaer) fahren mit.

„Wir hoffen, viel Gutes tun zu können“, sagt der Koordinator der Aktion, Dr. Johannes Kohler (Chefarzt Chirurgie St. Josef Hospital Xanten) über sein Team auch mit Anästhesist, Internist und Gynäkologen. Sie wollen und werden Leben retten. Bisher starben Beniner auch, weil keine Kaiserschnitt-Geburt möglich war, weil Tuberkulose, Malaria, Typhus zu Komplikationen führten.

„Unsere Hilfe ist nachhaltig,“ so Kohler. Denn Ausbildung ist ausdrücklich Aufgabe, die sich das niederrheinische Team stellt. Es sollen einheimische Ärzte und Technikpersonal geschult werden und langfristig ihnen der Operationssaal im Container übergeben werden, erklärt Dr. Johannes Kohler. Er fährt ebenfalls für zwei Wochen mit, wenn hoffentlich im März der OP eingerichtet ist. Danach wird der Container verschlossen, das Ärzteteam – das seine Freizeit für den humanitären Einsatz opfert – kehrt zurück. Nach drei, vier Monaten fahren die Ehrenamtlichen wieder hin.

Sie hoffen, dass sich in Deutschland weitere interessierte Ärzte finden, die ein zweites oder drittes Team aufbauen. Und vor allem, dass sich in Benin schnell herum spricht, dass sogar auf dem Lande eine tolle Fortbildungschance bei europäischen Ärzten bestehe.

APH-Botschafterin Steffi Neu sagte: „Ich gebe nicht auf, für diese Sache zu werben“. Sie dankte Mom Zevens. Die Spende sei ein „Riesen-Turbo“ für die Medizin.

Eine Benefiz-Gala steigt in Kleve am 5. Februar (siehe Box).