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Ohne Fahrrad läuft nix

07.06.2011 | 17:21 Uhr
Ohne Fahrrad läuft nix
Astrid Görgen radelt zur Arbeit nach Duisburg. Foto: Gerd Hermann/WAZ FotoPool

Rheinberg.Mobil zu sein ohne Auto, das geht: Astrid Görgen aus Budberg ist umgestiegen. Sie fährt rund 8000 Kilometer im Jahr - und zwar auch zur Arbeit und zurück. Und sie lobt die Radwege in Rheinberg.

Die morgendlichen Staus hatten Astrid Görgen schon lange genervt. Stop and go regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit, auf der Autobahn. Und als dann noch die Benzinpreise in die Höhe schnellten, sagte sich die heute 46-Jährige, dass es nun wirklich genug sei. Sie stieg um. Aufs Fahrrad. So konsequent, dass sie ihr Auto abschaffte und seit vier Jahren jeden Weg mit dem Rad zurücklegt. Auch den zur Arbeit im Krankenhaus in Duisburg-Wedau und wieder zurück nach Budberg. Das sind allein 45 Kilometer pro Tag, insgesamt fährt Astrid Görgen im Jahr locker sieben- bis achttausend Kilometer.

Bei „Kyrill“ eine Sekunde schwach geworden

Kein Wunder, dass sie nicht lange überlegt hat, als jetzt im Rahmen des Stadtradelns 2011 Freiwillige gesucht wurden, die bereit sind, in den nächsten 21 Tagen - so lange dauert das Stadtradeln - aufs Auto zu verzichten. Mit der Aktion sollen andere auf den Geschmack gebracht werden, umzusteigen - Astrid Görgen lebt das schon lange vor.

Radfahren war schon immer ihre Leidenschaft, sie war aktive Radrennsportlerin, „aber ich bin auch ohnehin unheimlich gern an der frischen Luft“. Morgens um 6.20 Uhr schwingt sich die medizinisch-technische Assistentin auf ihr Rad, um über Vierbaum, Baerl, Ruhrort bis zum Krankenhaus in der Wedau zu radeln.

Bei Wind und Wetter. Auch im vergangenen Winter, trotz aller Widrigkeiten. Denn die Straßen seien frei, die Fußwege auch, die Radwege würden aber oft genug dazu genutzt, dort das abzulagern, was von den Fußwegen weggefegt wurde. „Zum Beispiel im Herbst die Blätter.“

Immer dabei: ihr Rucksack. Da hat sie alles drin, inklusive Kaffee und Brötchen und zur Not auch Sachen zum Wechseln, wenn’s mal wie aus Eimern schüttet.

Überhaupt ist nicht immer alles eitel Freude und Sonnenschein. An dem Tag, als sie gegen den Orkan „Kyrill“ nach Hause strampeln musste, da hat’s Sekunden gegeben, in denen sie schwach geworden sei und ans Auto gedacht habe. „Aber am nächsten Tag saß ich dann schon wieder auf dem Fahrrad.“ Anderes Beispiel: „Fahrradfahren in Duisburg ist lebensgefährlich.“ Deshalb staunt sie auch manchmal, wenn über die Radwege in Rheinberg gemeckert werde: „Wer sich beschwert, sollte doch bitte mal in Duisburg Fahrrad fahren.“

Das Auto der Familie nutzt der Gatte

Ein Auto besitzt die Familie weiterhin, Astrid Görgens Mann ist als Selbstständiger beruflich darauf angewiesen. In seiner Freizeit ist er allerdings auch begeisterter Radler, beim Stadtradeln 2011 war das Paar das beste Zweierteam, die Kinder fahren ebenfalls Rad. Die Familie fährt gerne Ski, dann geht’s mit einem Reisebusunternehmen in die Berge. Und Astrid Görgen träumt von einer großen Deutschlandradtour.

Dass sie und ihr Mann beim Stadtradeln wieder für eine Menge Extra-Kilometer sorgen, ist klar. Sie hat zudem viele, viele Menschen angesprochen und dazu gebracht, mitzumachen. Weil die Rechnung ganz einfach ist: „Jeder Kilometer zählt.“

Treffpunkt für das ‘Stadtradeln’ ist das Stadthaus Rheinberg

Heute, Mittwoch, beginnt das Stadtradeln 2011 um 16 Uhr mit der Feierabend-Tour des ADFC. Treffpunkt ist der Große Markt vor dem Stadthaus Rheinberg.

Carmen Friemond

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