Överall blos kölsche Tön
05.09.2010 | 16:43 Uhr 2010-09-05T16:43:00+0200
Xanten.„Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat“: Wer kennt den Song der Kölner Mundartgruppe De Räuber aus der Karnevalszeit nicht?
Auf den Hit warteten am Samstagabend die Fans lange. Natürlich kam er auch – doch zuvor zeigte sich die Band von einer unerwarteten Seite. Zur Überraschung der rund 600 Fans auf der großen Wiese des Xantener Freibades in Wardt, können die fünf Musiker aus der Domstadt nämlich auch durchaus anders.
Schunkelmusik
und Sozialkritik
Neben der rheinischen Schunkelmusik kam auch Sozialkritik in den Texten auf, ein wenig Klassik klang durch, einige Grundtöne waren mal bayerisch oder russisch. Zu allem passte aber: das Wetter. Ein traumhafter roter Sonnenuntergang, dann sternenklarer Himmel, an dem Flugzeuge ihre Kondensstreifen malten. Und vor der großen Bühne des Strandbades an der Südsee strahlten die ersten Wunderkerzen, gingen zu später Stunde die Feuerzeuge an.
Es war ein gelungener Kölscher Abend mit musikalischen und kulinarischen Grüßen aus der fernen Domstadt. Als wenn er Grüße an die Rheinstadt senden wollte, strahlte über den Bäumen hell der Xantener Dom. Die beiden Türme hätten mitschunkeln müssen, so sehr animierten die Bands die Liebhaber rheinischer Mundartmusik. Im Vorprogramm fetzten die drei „Cöllner“, Dirk, Sepp und Frank „op Kölsch“ los. Auch top: die fünf „Funky Marys“. Ganz in Weiß hauten Rebecca, Anika, Andrea, Yvonne und Marion auf die Pauke.
Dann kündigte pünktlich um 21 Uhr Mark Torke, Moderator von Radio KW, die fünf Räuber an. Es folgte ein toller Mix verschiedenster Stilrichtungen. Wer nur rheinische Stimmungsmusik mit Wumtata und Helau erwartete, fand doch viel anderes. Die Räuber stehen längst nicht nur für karnevalistische Stimmungsmusik. Die kam natürlich auch, passend zum Ambiente der Freiluftveranstaltung. Da war kulinarisch vieles auf Kölsch (wer Pils wollte, wurde verständnislos angeschaut) bis hin zum Halven Hahn, dem „Röggelschen mit Kies“ (Brötchen mit Käse) oder dem Kölschen Kaviar, Röggelchen mit Blutwurst und Zwiebeln abgestimmt. Auf jedem Tisch stand ein Ständer für „dat Pittermänneken“, das 10-Liter-Fass Kölsch, zu 66 Euro. Doch die gingen nicht so recht, man hielt sich lieber an der einzeln servierten Bierstange fest.
Recht beschaulich starteten die Räuber, lehrten die anwesenden Damen: „Kölsche Jonges die bütze joht“ - im Bühnennebel mit einer tollen Lichtshow. Als die Fans dann „In Colonia kann et nit schöner sinn“ zu hören bekamen, wurden die ersten Wunderkerzen angezündet.
Den Nerv des
Publikums getroffen
Den Nerv des Publikums trafen die Räuber mit ihrer Gesellschaftskritik, die Bankmanager und Politiker aufs Korn nahm. „Wir sin et satt“, sangen sie und „Wo sinn se denn, die Gauner?“ Politiker, die Haleluja predigten und Schwarzgeld ins Ausland brächten, die Bänker, die die Kunden schon wieder abzockten waren plötzlich das Thema. „Rattepack“ nannten sie die fünf Musiker, entschuldigten sich: „Wir müssen auch dazu mal Stellung nehmen.“
Dann kündigten die Räuber eine „Welturaufführung“ an: Als Violinistin Anke Saus auf ihrer Geige den ungarischen „Czardas“ musikalisch tanzen ließ, begleiteten die Fünf sie nur ganz sacht. Das kam beim Publikum an. Auch bei einigen anderen Liedern begleitete die Geigerin gekonnt die Räuber.
Die lobten die „gefühlten“ 6000 Xantener und legten als Dank ein zweieinhalbstündiges Konzert hin.
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