Niag-Güterzugstrecke Vierbaum – die „Geschwindigkeit ist entscheidend!“

Der Lärm auf der Niag-Bahnlinie sorgt für Ärger.
Der Lärm auf der Niag-Bahnlinie sorgt für Ärger.
Foto: Waz FotoPool
Was wir bereits wissen
Zwischen der Niag und der Bürgerinitiative Niag-Bahnlärm gibt es eine neue Vereinbarung über weniger Tempo und andere Fahrzeiten.

Rheinberg..  Die einen wollen fahren, die anderen wollen das nicht: Mit diesen wenigen Worten lassen sich die Gegensätze zwischen den Interessen der Niederheinischen Verkehrsbetriebe AG (Niag) auf der einen und den Anwohnern der Niag-Güterzugstrecke Baerl, Vierbaum, Orsoyerberg und Orsoy sowie der Bürgerinitiative Niag-Bahnlärm auf der anderen Seite beschreiben. Immerhin redet man miteinander – und nach der Vereinbarung aus dem Jahr 2013 zwischen beiden Parteien, die eine neue Sicherung für die Bahnübergänge regelte, gibt es jetzt eine weitere Vereinbarung.Die zusätzlichen Maßnahmen sind weniger Geschwindigkeit auf der Strecke, andere Betriebszeiten, wobei Nacht- und Wochenendfahrten möglichst reduziert werden sollen), eine besondere Instandhaltung der Trasse, die auch die Art und die Zeit der Wartung umfasst, sowie eine Gleisschmieranlage zur Minimierung der Geräusche.

Diese Punkte nannte Niag-Vorstand Peter Giesen am Mittwochnachmittag in der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Umweltausschusses. „Wir sind froh, dass wir in einem sachlichen Dialog sind. Und wir haben in der Präambel der Vereinbarung ein respektiertes Nebeneinander vereinbart.“

Eva Hellmis von der Bürgerinitiative stufte die Rahmenbedingungen ähnlich ein, hatte aber naturgemäß ihre eigene Sicht der Dinge. „Wir Anwohner der Trasse leiden unter der Wirtschaftslage und den dadurch zunehmenden Verkehr sowie den Vibrationen, die durch die Betonschwellen jetzt auch noch in weiterer Entfernung von der Strecke zu spüren sind. Die acht Punkte der Vereinbarung lassen sich auf zwei zusammenfassen: die weitestmögliche Reduzierung des Tempos und die Optimierung der Brems- und Beschleunigungsvorgänge.“ Wenn das umgesetzt würde, könnte man damit leben. Aber „der springende Punkt“ sei: „Die Reduzierung des Tempos ist entscheidend!“

Dann kamen Zahlen von der Niag. Der stellvertretende Eisenbahnbetriebsleiter Thomas Scherbarth nannte die aktuellen Fahrten: werktags in 24 Stunden maximal 25 Fahrten, davon sechs in der Nachtzeit zwischen 22 und 6 Uhr, mit etwa insgesamt 300 Waggons, also durchschnittlich zwölf pro Fahrt. Das seien rechnerisch 72 Waggons nachts und 228 tagsüber. An Samstagen gebe es 20 Fahrten (225 Waggons), davon fünf nachts mit 75 Waggons. Sonntags sei die Zahl der Fahrten auf höchstens 15 begrenzt, fünf davon in der Nachtzeit – dadurch rollten 66 Waggons zwischen 22 und 6 Uhr, 134 sonst.

Hellmis kommentierte das mit den Worten: „Die Zahl der Nachtfahrten ist erschütternd. Sechsmal pro Nacht wird man geweckt, das Fenster nachts offen zu lassen geht gar nicht. Wenn ein Zug weniger als 20 Kilometer pro Stunde fährt, nehmen wir den kaum wahr, darüber schon. Und auch die früheren Holzschwellen waren weniger wahrnehmbar.“ Messungen hätten ergeben, dass das Tempo an der Strecke „sehr variabel“ sei. „Es gibt viele Züge, die fahren deutlich unter 20 Kilometer pro Stunde.“

Dass die Niag die Zeit des Fahrens alleine bestimmen könne, ginge nicht, erklärte Giesen. „Wir sind vertraglich gebunden, zu bestimmten Zeiten zu liefern.“ Die genehmigte Hafenumschlagmenge sorge aber für eine Begrenzung der Fahrtenzahl.