Mit eigener Note und neuen Akzenten
20.06.2007 | 08:36 Uhr 2007-06-20T08:36:03+0200BILDUNG. Wie Angelika Platzen mit ihrem Team die Sonsbecker S'Grooten-Schule auf die Zukunft vorbereiten möchte.
SONSBECK. Mitte März hatte Angelika Platzen in Sonsbeck ihren ersten Arbeitstag als Leiterin der S'Grooten-Schule. Ihre erste Etappe an neuer Wirkungsstätte liegt hinter ihr, gestern war Zeugnisausgabe, die Sommerferien sind da - Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Wir sprachen mit der 53-Jährigen über die Herausforderungen, denen sich Schule im Allgemeinen und die S'Grooten-Schule im Besonderen stellen muss, und darüber, wie sich Hauptschule behaupten kann.
Die erste Etappe liegt hinter Ihnen. Wie fühlen Sie sich?
Angelika Platzen: Bestens. Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden. Es kommt mir vor, als wäre ich immer hier gewesen. Die Arbeit mit den Schülern, mit den Kollegen bereitet mir viel Freude.
Bevor Sie Mitte März ihre Stelle als neue Rektorin der S'Grooten-Schule antraten, hatten sie seit März 2006 die Hauptschule Rheinberg in einem Team kommissarisch geleitet. Wo liegen die Unterschiede zwischen einer Hauptschule in einer kleinen Gemeinde wie Sonsbeck und in einer Stadt wie Rheinberg?
Angelika Platzen: In Sonsbeck sind die Wege viel, viel kürzer. Ob das Absprachen mit der Gemeinde oder die Zusammenarbeit mit den Institutionen vor Ort betrifft. Hier ist alles persönlicher. Das Motto "Unsere Schule mitten in der Gemeinde" wird gelebt.
Nach den Sommerferien können an der S'Grooten-Schule wieder zwei fünfte Klassen gebildet werden. Angesichts der zu erwartenden demographischen Entwicklung nur eine zwischenzeitliche Entspannung. Glauben Sie, langfristig eine Einzügigkeit verhindern zu können?
Angelika Platzen: Zunächst einmal sind wir glücklich, dass wir die Zweizügigkeit erreicht haben. Wir hoffen, diese Zweizügigkeit dadurch weiterhin erhalten zu können, indem wir unserer Schule ein Profil geben. Ein wichtiger Punkt ist die Berufsbezogenheit. Die Hauptschule öffnet viele Wege, die eine andere Schule nicht öffnet. Bei aller Freude über die Zweizügigkeit - wir haben sehr viele Rückläufer von der Realschule. Wir hoffen, dass sich die Situation etwas durch die verbindliche Empfehlung der Grundschulen für den Besuch einer weiterführenden Schule entspannen wird und dass damit von vorne herein gesichert ist, wo ein Schüler, eine Schülerin am besten beschult wird.
Der Schulform Hauptschule haftet ein allgemein negatives Image an. Wie kann sich die S'Grooten-Schule dagegen behaupten?
Angelika Platzen: Ein ganz großer Pluspunkt ist, dass sich die Schüler mit der Schule und mit der Gemeinde identifizieren. Die S'Grooten-Schule hat durch ihren Standort einfach einen besonderen Stellenwert. Außerdem sprechen die Ergebnisse für sich: Unsere zehnten Klassen haben bei den zentralen Prüfungen hervorragende Leistungen erbracht. Außerdem haben elf von 20 Schülern der 10 B die Qualifikation für den Besuch der gymnasialen Oberstufe erreicht. Alle Zehnt-klässler haben entweder einen Ausbildungsplatz oder besuchen mit einer klaren Berufsvorstellung weiter eine Schule.
Sie haben einmal gesagt, dass das neue Schulgesetz ganz viele Möglichkeiten biete, selbst zu gestalten und Unterricht ganz anders zu organisieren. Wie macht sich das an der S'Grooten-Schule bemerkbar?
Angelika Platzen: Wir haben schon viel auf den Weg gebracht. Wir haben zum Beispiel ein Konzept erarbeitet, das beinhaltet, dass jede Stunde von der ersten bis zur sechsten bei kurzfristigen Erkrankungen vertreten wird. In der Regel soll dann Deutsch oder Mathematik unterrichtet werden und zwar völlig losgelöst vom regulären Unterricht. Das sind reine Übungs- und Vertiefungsstunden. Zudem haben wir nach verwandten Themengebieten Fachkonferenzen eingerichtet. Diese werden etwa verbindliche Vereinbarungen zur Leistungsbeurteilung in allen Fächern festschreiben.
Und was haben sie noch vor?
Angelika Platzen: Wir haben jetzt eine halbe Lehrerstelle für die Sprachförderung in den Klassen fünf und sechs genehmigt bekommen. Wir werden im kommenden fünften und sechsten Schuljahr für Schüler mit Förderbedarf zusätzlich vier Deutschstunden anbieten. Durch einen Test wird festgestellt, wer einen Förderbedarf hat. Und: Wir müssen andere Unterrichtsformen entwickeln. Selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen müssen einen höheren Stellenwert bekommen, um den Schülern und den Anforderungen in der heutigen Gesellschaft gerecht werden zu können. Ein wichtiger Punkt ist auch die individuelle Förderung. Wir müssen gezielt auf die Schüler eingehen, und wir werden über eine andere Strukturierung des Schulvormittags nachdenken.
Welchen Herausforderungen wird sich Hauptschule als solche und die S'Grooten-Schule speziell in Zukunft gegenüber stehen sehen?
Angelika Platzen: Die Gesellschaft hat sich geändert. Die Schule - besonders die Hauptschule - muss viele Aufgaben übernehmen, die das Elternhaus nicht mehr leistet, nicht mehr leisten kann.
Mit welchem Ziel haben Sie die Nachfolge von Erich Nabbefeld angetreten?
Angelika Platzen: Ich weiß, dass ich in große Fußstapfen getreten bin. Erich Nabbefeld hat viel für die Schule geleistet. Vor allem auch durch sein sportliches Engagement. Ich bin froh, einen Kollegen zu haben, der hier wohnt und die sportliche Seite unserer Schule in der Gemeinde vertritt. Jeder muss seine persönliche Note hinein bringen. Ich möchte die gute Arbeit meines Vorgängers fortsetzen. In Zusammenarbeit mit dem Kollegenteam werden sich in Anlehnung an das neue Schulgesetz neue Akzente entwickeln.
Das Gespräch führte PETRA KESSLER
0mitdiskutieren