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Menschen mit Handicap auf dem Weg in ein ganz normales Leben

25.05.2012 | 18:21 Uhr
Menschen mit Handicap auf dem Weg in ein ganz normales Leben
Sylvias Zimmer hat einen Balkon. Foto: Volker Herold

Rheinberg-Ossenberg.   Klaus Löffler und Sylvia Schmidt sind in eine eigene Wohnung gezogen. 60 Quadratmeter ist sie groß und liegt in einem Mehrfamilienhaus. Nichts besonderes? Doch, denn die beiden sind Menschen mit Handicap - und gerade vom Wohnheim in die eigenen vier Wände gezogen.

Ach, das Leben kann so schön sein. Nicht nur, weil sein Verein, die Dortmunder Borussia, ganz oben steht. Sondern auch, weil Klaus Löffler dort angekommen ist, wo er schon lange hin wollte: in seinen eigenen vier Wänden. Nach zwölf Jahren in einem Wohnheim, nach zwölf Jahren, in denen immer sofort Hilfe da war, wenn er sie brauchte, will er so leben wie andere auch. Gemeinsam mit Sylvia Schmidt hat er eine Wohngemeinschaft in Ossenberg gegründet. Und was für andere Alltag sein mag, ist für die Zwei ein mutiger Schritt. Denn Klaus Löffler und Sylvia Schmidt sind Menschen mit Handicap.

Sylvia Schmidt hat vor ihrer Zeit im Heim bei ihrer Großmutter gelebt und im Haushalt geholfen. Das sitzt immer noch, „es muss alles sauber sein“. Klaus Löffler dagegen hat das Alleinleben trainiert. „In Teilbetreuung wohnen“ hieß das im Caritas-Haus. Selbst die Wäsche sortieren, die Abende ohne Betreuer verbringen, einkaufen, regelmäßig selber kochen, sich den Wecker stellen...

Frikadellen und Apfelpfannkuchen

„Das hat gut geklappt“ sagt der 45-Jährige. In der Küche fühle er sich jetzt ganz fit. Frikadellen und Apfelpfannkuchen mag er besonders gerne. Sylvia verzieht das Gesicht. Die Beiden kochen zwar schon mal gemeinsam, aber jeder dann etwas anderes. Sie steht eher auf italienisch.

60 Quadratmeter groß ist die Wohnung in dem Mehrfamilienhaus, gut geschnitten. Zwei große Einzelzimmer. In welchem Klaus wohnt, ist sofort klar, denn an der Tür hängen die Zeitungsausschnitte, die über die verrückten Tage berichten, als Dortmund wegen des Fußballs Kopf stand.

Hinter der Tür zurückhaltende Farben, klare Linien, ein Fernseher, eine Musikanlage, ein paar Bilder, außerdem - typisch WG - der Putzplan an der Wand. Bei Sylvia dominieren kräftige Töne, vor allem Rot, viele Plüschtiere, sie sammelt leidenschaftlich.

Küche, Bad und das kleine Esszimmer wirken noch recht kahl. Obwohl sich die neuen Mieter zu helfen wissen. Als Sylvia vor kurzem ihren Geburtstag gefeiert hat, waren fast alle aus dem Wohnheim zu Gast. „Die haben dann halt auf dem Boden gesessen.“ Und der Schrank wurde fürs Buffet leer geräumt.

Aber es fehlt noch an vielem: Lampen, Gardinenstangen, Boden im Flur, Schrank im Bad, ein Küchentisch und, und, und. Kein Wunder. Sylvia Schmidt und Klaus Löffler arbeiten in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, dort sind die Löhne deutlich niedriger als auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Ganz allein ist die kleine Wohngemeinschaft nicht. Betreut werden sie vom Team der ambulanten Dienste der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein. Eine Mitarbeiterin kümmert sich um Klaus, eine um Sylvia. Jeweils sechs Stunden in der Woche. „Wichtig ist es für unsere Klienten, dass sie einen Ansprechpartner haben“, sagt Leiterin Roswitha Heemann. Gerade in der Anfangszeit, wenn alles neu und ungewohnt sei, wenn Ängste da seien, „weil nicht mehr rund um die Uhr die Betreuung gleich nebenan ist.“ Ziel sei, Menschen mit Handicap zu befähigen, selbstständig zu wohnen und zu leben. Je weniger Hilfe jemand brauche, um so besser. Pro Jahr wird ein Hilfeplan aufgestellt. Da wird geschaut, was kann jemand, was braucht jemand, was möchte jemand. Im Fall von Klaus Löffler und Sylvia Schmidt war das klar. Raus aus dem Heim, rein in die Wohnung.

Hier klappt’s auch mit den Nachbarn

Und das klappt prima, sind sich alle einig. Nicht nur untereinander, sondern auch mit den Nachbarn. Wenn Menschen mit Handicap einziehen, gibt es oft Vorbehalte. Hier nicht. Die Nachbarn haben sofort ihre Hilfe angeboten, wenn Klaus und Sylvia Unterstützung brauchen. Die ältere Dame, die auf der Etage der WG wohnt, hat’s jetzt leichter, weil Klaus ihren Müll runterbringt. Und für einen netten Plausch im Treppenhaus ist auch immer Zeit. Ganz ehrlich, das Leben kann im Moment nicht schöner sein.

Carmen Friemond

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2012-05-25 18:21
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