Mehr als nur eine kleine Nachtmusik

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Rheinberg..  Was dem geneigten Zuhörer von Klassikkonzerten oftmals nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass es „vor 250 Jahren etwas gab, was man heute nicht verstehen kann – keine Fernseher, keine Computer, keine Stereoanlagen – aber es gab Hausmusik“. Mit diesen Worten leitete die Schauspielerin Katja Heinrich, die trotz heftiger Bronchitis durchhielt, den musikalisch-literarischen Abend mit Wolfgang Amadeus Mozart und dem Mercator-Ensemble der Duisburger Philharmonie in der Stadthalle ein.

Betuchte Leute, die es sich leisten konnten, bestellten bei den Künstlern im Dutzend Sonette, räumte sie mal kurz mit der „romantisch-verklärten Sicht“ auf die Komponisten auf. „Man sollte sich das eher vorstellen wie ein knallhartes Wirtschaftsunternehmen“, das produzieren musste, damit es für eine kleine Nachtmusik bei den Premieren „nach dem Essen ein wenig Mozart gab“ – so ähnlich wie an diesem Abend.

Und so durften Matthias Bruns (1.Violine), Ioana Ratui (2. Violine), Eva Maria Gambino (Viola), Hanno Fellermann (Kontrabass), Ioan Ratiu und David Barreda Tena (Horn) im ersten Abschnitt des Konzerts die „Erste Lodronsche Nachtmusik“ , das Divertimento F-Dur von 1776 zum Besten geben.

Dabei gelang es ihnen, mit feinem Strich und Sinn, wunderbaren Dialogen zwischen Streichern und Hörnern und einem elegant-virtuos agierenden Matthias Bruns die romantische Anmut der Mozartschen Komposition dem Publikum zu Gehör zu bringen – vom geschliffenen „Adagio“ zum Einstieg, dem zart-poetischen Ensembleklang im „Andante grazioso“, über das fein-tänzelnde „Menuetto-Trio“ bis zum ernsteren, moll-angehauchten, malerischen „Adagio“ und dem beschwingten „Andante“ zum Abschluss.

Dazwischen rezitierte Katja Heinrich sprachlich wunderbar akzentuierend und unterhaltsam aus Briefen des großen Meisters. Diese Briefe entkleideten sein Faible für Romantik („Sehe es im Mond und weine, dass du es nicht bist.“) , die Lust am Spiel mit den Frauen („Allerliebste, verzuckerte Frau Baronin, ich möchte Sie bitten.... - Pfui Teufel, das wäre zu grob“), eine Prise Selbstironie („Ich sprang beim Ball, fraß mich durch und schnaubte wie ein Bär.“) und seine Eitelkeit („Vergesst nicht, schickt das schwarze Kleid, sonst werde ich ausgelacht“) .

Im zweiten Teil des Konzerts folgte auf besinnlich-musikalische Romantik mit dem Divertimento F-Dur, dem „Musikalischen Spass“ von 1787, der akustische Mozartsche Bruch mit Konventionen, die in Lehrbüchern zur Nachtmusik als Beispiel dafür angeführt wurden, „wie es nicht geht“ und als „Bauernsinfonie“ und „Dorfmusikanten-Sextett“ klassifiziert wurde.

Kam das „Allegro“ nicht recht konventionell daher , stimmte Heinrich mit dem Satz „Mal sehen, was im zweiten Satz passiert“ das Publikum schon einmal auf die bewusst schräg intonierten Hörner des „Menuetto“ ein, die tatsächlich vereinzelt die Frage hervorriefen: „Was ist das denn?“ Und die Schauspielerin, die inmittem des Ensembles saß, zu der Bemerkung veranlasste: „Man kriegt hier in der Mitte echt feuchte Augen, kann ich Ihnen sagen.“ Dass es „nichts Schlimmeres gibt als langgezogene Triller an den unpassendsten Stellen“, stellten Matthias Bruns und Ioana Ratui dann beim „Adagio cantabile“ unter Beweis. Und im letzten Satz, dem „Presto“ , blieb die dort angedeutete vierstimmige Fuge gewollt im Ansatz stecken. Und am Ende folgten drei furchterregende Schlussakkorde, die die Musiker jeweils in einer anderen Tonart spielen – was dem Applaus für die Ensembleleistung keinen Abbruch tat. Nach weiteren Rezitationen von Katja Heinrich über das Musizieren („Das Geübte bleibt eine latente Größe“) beendete das akustisch-versöhnliche Cole Porter-Stück „Begin the begin“ als „klassische“ Zugabe einen unterhaltsamen Abend.