Mehr als nur ein „guter Rutsch“ für das neue Jahr

Das Feuerwerk ist mit guten Wünschen fürs neue Jahr verbunden.
Das Feuerwerk ist mit guten Wünschen fürs neue Jahr verbunden.
Foto: Funke Foto Services
Die Redaktion hat sich umgehört, was sich Menschen, die regelmäßig Teil unserer Arbeit sind, für 2015 wünschen.

Kreis Wesel..  Es gibt soziale Reflexe in unserer Gesellschaft, von denen sich kein Mensch lossagen kann. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verabschiedet man sich mit der Floskel: „Und einen guten Rutsch!“ Wo dieser Silvestergruß rein sprachlich herkommt, ist umstritten. Die einen sagen, es sei ein Übersetzungsfehler, der aus hebräischen Neujahrsgruß „Rosch ha schana tov“ entstand. Die nächsten meinen, dass Rutsch im 19. Jahrhundert als Synonym für „Reise“ stand und einen problemlosen Übergang ins neue Jahr ausdrücken soll. Wer heute einen „Guten Rutsch!“ wünscht, der verbindet damit auch Wünsche für das neue Jahr. Die Redaktion hat sich umgehört, was sich Menschen, die regelmäßig Teil unserer Arbeit sind, für 2015 wünschen. Thomas Baumgärtel lebt als Künstler in Köln und denkt oft an seine Heimatstadt Rheinberg. Sabine Vetter ist Pressesprecherin der Kreispolizei und lebt in Alpen. Der Künstler Ludger Jackowiak, genannt Luja, ist allen bekannt, die mit offenen Augen durch Rheinberg gehen. Und Heiko Schmidt wurde neuer Bürgermeister von Sonsbeck.

Thomas Baumgärtel

Wenn ich an Rheinberg denke, wünsche ich mir, dass meine Eltern, die dort wohnen und die Mitte 80 sind, weiterhin so gesund bleiben und sie noch lange Freude an ihrem Enkel, meinem 4 Jahre alten Sohn, haben werden. 2015 steht in Rheinberg unser 35-jähriges Klassentreffen an und ich hoffe, viele meiner Klassenkameraden wieder zu sehen.

Was meine Kunst betrifft, würde ich mich freuen, wenn sich auch meine Heimatstadt mit einer meiner Skulpturen oder Wandbildern an einem öffentlichen Platz schmücken würde – zum Beispiel mit einer großen Stahlbananenskulptur für den Stadthallenvorplatz.

In Köln wünsche ich mir einen reibungslosen Atelierumzug im Frühjahr. Meine Räume in Köln-Mülheim löse ich auf und es müssen zwanzig 7,5-Tonner-Lkw bepackt werden – es geht in eine große Halle in Köln-Dellbrück und wieder auf ein altes Industriegelände, wo ich besser arbeiten kann. Meine nächste Einzelausstellung in meiner Kölner Galerie „30works“ im Februar zum Thema „Cologne“ soll ein voller Erfolg werden, vielleicht landet ja auch mal ein Bild von mir in der Sammlung des Museum Ludwig.

Ich wünsche wir für 2015 weiterhin so eine gute Zusammenarbeit mit meinen 20 Galerien. Ein geheimer Wunsch ist, einen Galeristen in Big Apple New York zu finden.

Sabine Vetter

Wenn Sie mich fragen, was ich mir für das neue Jahr wünsche, dann darf ich feststellen, dass ich eigentlich wunschlos glücklich bin. Meine Familie ist gesund, wir haben keine Geldsorgen und ich habe einen Beruf, der mir selbst nach über 20 Jahren noch großen Spaß macht... Klingt nach einem perfektem Leben... Wenn da nicht der schlafraubende Gedanke an die kommende Steuererklärung wäre. Ich sehe mich schon jetzt schon wieder stundenlang durchs Elsterprogramm klicken und die Belege des Vorjahrs aus den letzten Ecken kramen: Jedes Jahr aufs Neue eine echt zeitraubende Herausforderung. Und das nicht nur für mich, sondern sicherlich auch für viele Finanzbeamte. Also wenn ich dann noch einmal über einen Wunsch fürs kommende Jahr nachdenke, dann finde ich die Idee mit der Steuererklärung auf dem Bierdeckel richtig gut.

Heiko Schmidt

Als ich gebeten wurde, ein paar Sätze darüber zu schreiben, was ich mir für das nächste Jahr wünsche, kam ich ganz schön ins Grübeln. Sofort fielen mir die Glückwunschschreiben ein, die ich in den letzten Tagen zum anstehenden Jahreswechsel bekommen habe. Eines ausgefallener als das andere, mit Reimen und Sprüchen, aber auch mit den üblichen Wünschen: Glück, Zufriedenheit, Gesundheit. Klar, wer wünscht sich das nicht. Auch Worte wie Ruhe und Gelassenheit las ich oft, wobei ich etwas schmunzeln musste, wenn ich sehe, wie viel Stress sich die Menschen in den letzten Tagen vor dem Jahreswechsel machen. Auch meine letzten Wochen vor dem Fest vergingen wie im Flug.

Die Weihnachtszeit ist eine gute Gelegenheit, mal inne zu halten und sich zu fragen, was man sich für das nächste Jahr wünscht. Ich bin jedoch sicher, dass eine Glückwunschkarte nicht dazu beiträgt, meine Zukunft in dieser Hinsicht maßgeblich zu beeinflussen. Da glaube ich eher daran, dass ich meines eigenen Glückes Schmied bin. Viel interessanter ist es für mich, die Rückseite der Karten zu betrachten – wo die Absender stehen. Dann wurde mir bewusst, warum ich mich über die Karten so freue. Dort lese ich Namen von Personen, die an mich gedacht haben, von Weggefährten, von Freundinnen und Freunden, oder von Menschen, die mir sehr am Herzen liegen.

Schnell wurde mir klar: Ich wünsche mir für das nächste Jahr, dass mein Briefkasten nie leer sein wird!

Ludger Jackowiak

Abgesehen von den Wünschen zur Vermeidung von Krieg, Hunger- und Klimakatastrophen, wünsche ich mir für das kommende Jahr:

Glückliche Menschen um mich herum, neugierig zu sein und wieder ganz viel dazu zu lernen. Gesund zu bleiben, krummes Holz für kreative Arbeiten und die Zeit dafür, das dann auch umsetzen zu können. Einen ersten Triathlon zu bestehen und dabei nicht Letzter zu werden. Ein schnelleres Internet im Niemandsland zwischen Wallach und Büderich. Eine dickere Montagszeitung. Wieder viel zu lachen mit Frau und Kindern. Ein lebendiges Altes Rathaus, sprudelnd vor frischen Ideen. Verständnis für meine ausgeprägten Macken, selbst tolerant zu sein für die Macken anderer. Sonne im Sommer und Schnee im Winter, gute Ideen für schlecht Gereimtes.