Lost Places

Ein Autowrack in Wallach.
Ein Autowrack in Wallach.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Verlorene Orte zu besuchen ist ein Trend. Stefan Cornelisse und Dennis Seemann aus Orsoy halten verlassene Bauernhöfe, Fabriken oder Bunker in Bildern fest

Rheinberg-Orsoy..  Für Stefan Cornelisse (37) und seinen Kumpel Dennis Seemann (32) gibt es zwei Regeln. Nummer eins: Mauern, Zäune und verschlossene Türen sind tabu. „Wo wir nicht reinkommen, da gehen wir auch nicht rein.“ Und Nummer zwei? „Wir geben keine Adressen preis! Weil wir alles so vorfinden wollen, wie es verlassen wurde.“ Die beiden Orsoyer fotografieren Lost Places – verlorene Orte. Ein Trend, für den sie mit ihren Kameras den ganzen Niederrhein und das Ruhrgebiet auf der Suche nach verlassenen Bauernhöfen, Kriegsbunkern oder leerstehenden Fabrikgeländen durchstreifen.

Gefunden haben sie da etwa diese alte Papierfabrik: „Wenn man in so einer riesigen Halle steht, in die halb Orsoy reinpassen würde und dann darüber nachdenkt, was hier früher wohl mal los war...“, versucht Stefan Cornelisse, der als Kranführer arbeitet, seine Faszination für Lost Places in Worte zu fassen. Da sind auch diese vergessenen, zugewucherten Bauernhöfe direkt um die Ecke, in Wallach oder Alpsray. „In manchen wohnt seit 40 Jahren niemand mehr“, sagt Dennis Seemann, „da ist die Zeit einfach stehengeblieben...“

Da gibt es diesen verlassenen Güterbahnhof: „Auf dem Gelände ist ein richtiger Urwald gewachsen. Die Natur holt sich eben alles zurück.“ Und da sind Bunker, Zeugen längst vergangener Kriege. Doch einige, davon ist Cornelisse überzeugt, seien auch heute innerhalb weniger Tage wieder einsatzbereit. „Da sind Betten und Küchen drin und Luftfilteranlagen, die noch funktionieren. Da könnten mehrere Tausend Menschen im Fall eines Atomkriegs untergebracht werden!“ Natürlich, es sei nicht nur die Faszination für die vergessene Geschichte dieser Lost Places, es gehe beim Fotografieren dieser Orte auch um den Kick, sagen die beiden Männer aus Orsoy: „Teilweise betreten wir ja auch einbruchgefährdete Gebäude. Das kribbelt dann schon ein bisschen.“ Einmal. da hätten sie vor einem alten Gefängnis gestanden, erinnert sich Dennis Seemann. Betreten? Verboten! „Da haben wir dann entschieden, das machen wir nicht!“

Überhaupt: Über Mauern zu klettern oder Türen aufzubrechen, das komme für sie nicht in Frage, betont der 32-Jährige. „Wenn möglich, dann stellen wir Anfragen, ob wir mit Genehmigung rein dürfen.“

Die Suche nach verlorenen Orten fängt im Internet an und hat Stefan Cornelisse und Dennis Seemann schon den Niederrhein entlang und durchs ganze Ruhrgebiet geführt. „Man fährt auch viel umsonst herum, manche Gebäude sind längst abgerissen“, erzählt Cornelisse. An anderen Tagen haben die beiden mehr Glück: eine Disco, in der schon lange nicht mehr getanzt wird, ein verlassenes Hotel, eine stillgelegte Kalksandsteinfabrik – in der Region verbergen sich viele Lost Places. „Wenn wir die abgegrast haben, wollen wir weiterfahren“, sagt Seemann. Ein Ziel ist Belgien.