Lösung mit Modellcharakter
08.02.2012 | 18:17 Uhr 2012-02-08T18:17:00+0100
Xanten/Kreis Wesel. Ab April hat Xanten wieder einen Kinderarzt. Letizia Puzzo und Thomas Herber vom Marien-Hospital Wesel teilen sich die Stelle
Dass es so schwierig sein würde, einen Nachfolger zu finden, hatte Dr. Beate de Fries nicht gedacht. Anfang 2010 hatte die Xantener Kinderärztin beschlossen, ihre Praxis zum Jahresende aufzugeben und als Verhaltenstherapeutin für Kinder und Jugendliche weiterzuarbeiten.
Praxis lief gut, aber die Nachfolger blieben aus
Schon de Fries’ Vater war Kinderarzt, die Praxis an der Hagenbuschstraße bestand seit 1964 und „lief immer gut“, wie Beate de Fries sagt. Aber alle Versuche, einen Kinderarzt für Xanten zu finden, waren erfolglos. Deswegen stand die Stadt seit Anfang 2011 ohne Kinderarzt da. Und das Murren unter den vielen Eltern mit jungen Kindern war groß.
Jetzt ist endlich ein Nachfolger gefunden. Oder zwei, um genau zu sein. Ab dem 1. April übernehmen die beiden Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Letizia Puzzo (39) und Thomas Herber (35) vom Medizinischen-Versorgungs-Zentrum (MVZ) des Weseler Marien-Hospitals die Praxisräume von de Fries und sichern als Zweigstelle des MVZ die kindermedizinische Versorgung in Xanten.
Dass zwei Krankenhaus-Ärzte einen vakanten Kassensitz übernehmen, sei eine „Lösung mit zukunftsweisendem Modellcharakter“, sagt Heinrich Schnieders, der Geschäftsführer des Marien-Hospitals. Denn das Problem des Fachärztemangels im ländlichen Raum ist keine Xantener Besonderheit. Im Gegenteil: Immer mehr Ärzte, die sich zur Ruhe setzen wollen, finden keinen Nachfolger.
Denn das Landarztdasein ist für junge Mediziner nicht gerade attraktiv. Lange Wege, häufige Notdienste, ständige Verfügbarkeit: „Viele junge Mediziner ziehen es deswegen vor, sich in einer Gemeinschaftspraxis oder in einer größeren Stadt mit mehreren Ärzten niederzulassen“, sagt Karin Hamacher, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. Die KV Nordrhein vertritt alle Ärzte, die Kassenpatienten behandeln.
Die nun gefundene Nachfolgelösung kam durch die Zusammenarbeit von Xantens Bürgermeister Christian Strunk, Geschäftsführer Heinrich Schnieders und der KV Nordrhein zustande. Letizia Puzzo und Thomas Herbers arbeiten auch weiterhin im Marien-Hospital und teilen sich die Xantener Stelle. Im Rhythmus montags bis mittwochs und donnerstags bis freitags ist jeweils einer der beiden Kinderärzte vor Ort.
Durch die feste Taktung soll gewährleistet werden, dass sich die Kinder an ein Gesicht gewöhnen können, weil Eltern Routineuntersuchungen wie zum Beispiel Impfungen mit dem Dienstplan ihres Wunscharztes abstimmen können.
Kontinuität beim Personal
Kontinuität wird es auch beim Praxispersonal geben, weil Letizia Puzzo und Thomas Herbers auf die Mitarbeiter ihrer Vorgängerin vertrauen. Beate de Fries freut sich derweil riesig über das neue Leben, das bald in ihre alte Praxis einkehrt. Dort beginnen in Kürze die Umbauarbeiten. Ihren Nachfolgern sichert de Fries „jede Form der Unterstützung“ zu.
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