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Lockere Kunst in Rheinberg

07.09.2015 | 06:00 Uhr
Lockere Kunst in Rheinberg
Auch Musik stand im Mittelpunkt des Festivals.Foto: Hübinger

Rheinberg.   Das Minifestival ZusammenKunst im Jugendzentrum Zuff begeisterte am Freitag und Samstag die Besucher. Viele verschiedene Kunstformen

Wieso haben Gedichtinterpretationen in der Schule so einen schlechten Ruf? Warum gelten Museen als spießig und langweilig? Vielleicht weil es schwierig ist, in diesem Umfeld ein entspanntes Verhältnis zur Kunst aufzubauen. Zu viele Formen, Regeln und Verhaltensweisen, die uns gepredigt werden und die uns die Freude an der Materie nehmen. Erst wenn niemand einen zwingt, wenn man die Freiheit hat zu denken, sich so viele Gedanken machen kann wie man möchte und jederzeit gehen darf, erst dann kann man Kunst wirklich genießen.

Kreatives Treiben

Das Minifestival „ZusammenKunst“ in Rheinberg verfolgte genau diesen Ansatz: Gemeinsam alle Kunstformen in einer gemütlichen und privaten Atmosphäre ausleben. Am Freitag und Samstag herrschte ein reges kreatives Treiben auf dem Gelände des Jugendzentrums Zuff. Wie auch schon im Vorjahr reisten Autoren der größten deutschsprachigen Autorenplattform „KeinVerlag.de“ an, trugen ihre Gedichte und Kurzgeschichten vor und ließen diese von jungen Rheinberger Künstlern interpretieren. Aufgrund der Fülle an verschiedensten Kunstformen und Interpretationen, wurde die Veranstaltung in diesem Jahr in drei Teile gesplittet. „Heute Abend lesen die Autoren ihre Texte vor, morgen Mittag finden dann kreative Workshops hier auf dem Gelände statt und das geht dann mehr oder weniger fließend in die Hauptveranstaltung am Abend über“, erklärte Organisator Renan Cengiz am Freitagabend.

Bereits an diesem Abend kristallisierten sich die Unterschiede zwischen den Geschichten heraus. Es wurden ganz verschiedene Stilrichtungen verfolgt. Während die einen eher witzige Gedichte vortrugen und mit humorvollen und obszönen Texten unterhielten, zeigten sich andere deutlich ernster und mitunter melancholisch. So schrieb Jan Schoenmakers beispielsweise in einem wilden, verwirrenden und urkomischen Text über personifizierte Geschlechtsorgane und irgendwie schwang auch eine gewisse Gesellschaftskritik mit, die aber nicht ganz einzuordnen war. „Ich bin Angela Merkels abgestorbener Zeh.“

Bei der „Hauptveranstaltung“ wurde den Besuchern dann ein unglaublich buntes Programm geboten. Die Konzerthalle des Zuff verwandelte sich in eine kreative Spielstätte für Musiker, Dichter, Schauspieler und Literaten. Zu den Highlights des Abends gehörte zweifelslos das Theaterstück der Laienschauspielgruppe „Farbwerk“. „Wir haben die Texte der Autoren gelesen, aber da war nichts dabei was wir so direkt umsetzen konnten, also haben wir uns einfach aus allen Texten etwas zusammen gebastelt“, erzählte Steffen Sulzbacher. Das Ergebnis war eine skurrile Vorführung, die auf Anhieb etwas schwierig zu verstehen war. Doch besonders die Schauspielleistung von Steffen Sulzbacher, der als eine Art blutrünstiger Amokläufer den Raum stürmte und mit einem Schwert auf seinen Schauspielkollegen Marvin Baudewig losging, war beeindruckend.

Unglaubliches Gitarrensolo

Doch nichts versetzte das Publikum an diesem Abend mehr ins Staunen als das Gitarrensolo von Heiko Bloemers. Reihenweise klappten die Kinnladen herunter, als Heiko sich in Trance spielte. Mit einem unglaublichen Gefühl und einer einzigartigen Technik, bei der er alle zehn Finger und den ganzen Gitarrenkörper nutzt, holte der junge Musiker wirklich alles aus seiner Gitarre heraus. Er spielte sich die Seele aus dem Leib und erntete dafür am Ende anhaltenden Beifall, bei dem das Publikum aufstand. „Das ist Musik, die muss man sehen, die kann man nicht hören“, sagte Jan Mühlheims.

Noch viel mehr wurde an diesem Abend geboten. So spielten Nils „Pümpel“ Conrad, Jan Mühlheims und Till Mühlheims beispielsweise mehrere coole Songs, die von den Texten der KeinVerlag-Autoren inspiriert wurden. Auch Renan Cengiz tauchte immer einmal wieder auf der Bühne auf, unterstütze die Künstler bei ihren Projekten, zeigte sich als knallharter Verleger, der den Illustrator Peter Kudla alias „Picmutter“ nicht verlegen wollte, rappte und spielte sogar eine kleine Rolle im Stück von „Farbwerk“.

Auch kulinarisch gab es etwas Besonderes: Die Falafel von Sayed Salah. Um diesen arabischen Leckerbissen zu ergattern, stellten sich die Besucher am Samstagabend auch schon einmal in eine längere Schlange.

Gegen Mitternacht endete das Festival dann und die Gäste machten aus ihrer Begeisterung keinen Hehl. Kein Wunder: „ZusammenKunst“ war eine unverfälschte, echte und facettenreiche Kunstveranstaltung bei der sich wirklich jeder wohl gefühlt hat. Lockere Künstler, lockeres Publikum, lockere Kunst.

Lukas Hübinger

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2015-09-07 06:00
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