Lemken stellt ein - trotz leichter Umsatzdelle

Das Firmengelände wird derzeit erweitert.
Das Firmengelände wird derzeit erweitert.
Foto: Lemken
Was wir bereits wissen
Der Landmaschinenhersteller Lemken kommt besser als die Konkurrenz durch die Osteuropakrise. In Alpen wird auf 10 000 Quadratmetern ein neues Entwicklungswerk gebaut

Alpen..  Das nennt man gesund: Lemken, der Hersteller von landwirtschaftlichen Geräten mit drei deutschen und einem indischen Produktionsstandort sowie zwei Montagewerken in Russland und China, trotzt der durch die Krise zwischen Russland und der Ukraine hervorgerufenen Umsatzdelle. Es werden nämlich nicht nur Mitarbeiter eingestellt, sondern auch in neue Standorte investiert – und das alles aus eigener Finanzkraft.

Banken kommen da nicht zum Zuge, sehr zur Freude von Anthony van der Ley, Geschäftsführer des Unternehmens und Sprecher der Geschäftsleitung. „Mein Dank gilt der Familie Lemken – was wir erwirtschaften, wird investiert.“ Das hat beileibe nicht nur altruistische Gründe, erklärt Gesellschafterin Nicola Lemken: „Das ist die beste Anlage!“

Dass sich das Geschäft 2014 schwieriger gestaltet als davor, macht sich an einem fünfprozentigen Umsatzrückgang von 363 auf 345 Millionen Euro bemerkbar. Dabei blieb der „Heimatmarkt“ (Van der Ley) Deutschland fast unverändert (102 statt 103 Millionen Euro), im Auslandsgeschäft wurden 23 Millionen Euro weniger umgesetzt. Dennoch steht Lemken besser da als die Konkurrenz – in der Branche gab es einen Rückgang von acht Prozent.

Die Zahl der Mitarbeiter wurde allerdings um 139 auf 1249 im Jahresdurchschnitt 2014 gesteigert. Lemken: „Wir stellen uns auf ein gutes Geschäftsumfeld ein. Die Delle ist politisch motiviert, die Nachfrage nach Landmaschinen ist weiter da. Und deswegen investieren wir auch in Personal.“

Auch van der Ley glaubt an die Zukunft. „Der Rückgang im Markt hält vielleicht noch ein Jahr an. Deswegen investieren wir jetzt und stellen auch ein. Das ist unsere Philosophie!“ Außerdem brauche es etwa ein Jahr der Einarbeitung.

Es sei gar nicht einfach, junge Leute zu bekommen. „Aber wir sind Marktführer und bieten als innovatives Unternehmen viele Möglichkeiten.“ Ein Einsatzort dafür ist das neue Entwicklungswerk, das derzeit in Alpen entsteht. Es wird nach der Fertigstellung im August auf 10 000 Quadratmetern Arbeitsplätze für 100 Konstrukteure bieten. Van der Ley schwärmt: „Wenn ich junger Ingenieur wäre, würde ich da gerne arbeiten wollen. Investiert in das Werk wird – viel Geld. Bei Lemken redet man nicht so gern über solche Zahlen.“

Auch auf der Bönninghardt wird Lemken aktiv. Dort entsteht bald das Schulungs- und Trainingszentrum. Nach der Theorie können die Besucher die Geräte gleich nebenan auf den Feldern ausprobieren. Im Mai/Juni 2016 soll eröffnet werden, Mitte bis Ende April diesen Jahres wird mit dem Bau begonnen

Komplett neu gebaut wird auch im emsländischen Haren. Die vor einiger Zeit im benachbarten Meppen erworbene Firma bietet am angemieteten Standort keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr. Jetzt gibt es die Erweiterung auf einem gekauften Grundstück. In Frankreich, nach Deutschland zweitstärkster Lemken-Markt mit 53,4 Millionen Euro Umsatz, aber auch einem Rückgang von 27 Prozent (Van der Ley: „Die Franzosen investieren eher nach emotionalen, nicht nach rationalen Kriterien!“) engagiert man sich ebenfalls.

Dass es auch mit Überlegung geht, zeigt Russland. Ley: „Dort haben wir noch kurz vor Jahresende Maschinen verkauft, weil die Menschen lieber investieren wollten, bevor der Rubel noch mehr verfällt.“ Die Folge: Lemken kam auf dem Markt glimpflich davon.