Königsklassen-Besuch: Gladbacher Autogrammstunde bei Alpener Familienfest

Tony Jatschke (rechts) und Marvin Schulz von Borussia Mönchengladbach gaben beim Familientag des Junggesellenschützenvereins Alpen Autogramme.
Tony Jatschke (rechts) und Marvin Schulz von Borussia Mönchengladbach gaben beim Familientag des Junggesellenschützenvereins Alpen Autogramme.
Was wir bereits wissen
Tony Jantschke und Marvin Schulz machten in Alpen die Fans mit Autogrammen und Fragestunde glücklich.

Alpen..  Schon bevor die eigentlichen Stars in die Nähe waren, pilgerten die Fans des Niederrheinklubs im Borussen-Trikot ins Festzelt auf den Willy-Brandt-Platz. „Unsere Borussia in der Champions League – das ist eine super Sache“, so der Alpener Johannes Heilen. Er war mit Familie gekommen. „Gestern hab ich mich noch über die Niederlage geärgert, heute wird gefeiert“, freute sich seine Tochter Miriam auf den prominenten Besuch.

Am Straßenrand warteten Moderator Marc Torke und der Vorsitzende des Fanklubs „Dropkick Alpen“, Arne Müller, im „Königsklassen“-T-Shirt und in gespannter Vorfreude auf die Spieler vom VfL. „Das sind alles meine Idole, da ist das was anderes“, war der erfahrene Rundfunkmann vor dem Interview mit den Stars schon etwas nervös. „Das ist Gänsehaut – da geht auch mir die Düse“, gestand er später im Plausch mit den Profis.

„Die schicken ihre Spieler sonst zu Weihnachten. Da war der Spielplan aber so gedrängt, dass der Verein auf Pfingsten auswich“, erzählte Müller, wie der Besuch so kurz nach diesem besonderen Saisonende zustande gekommen war. „Da haben wir uns gesagt, da bewerben wir uns mit dem Jugendschützenfest und haben den Zuschlag erhalten. Das ist definitiv ein Highlight.“

Die Wünsche der Fans, wer von den „Fohlen“ kommen soll, waren vielfältig – oft fielen die Namen Roel Brouwers und Granit Xhaka. „Xhaka: für mich der Beste beim Klub“, meinte Florian Lenzen, Mitglied beim Fanklub und gleichzeitig Vorsitzender der Alpener Jungschützen. „Mich interessiert, ob die Spieler die Stimmung im Stadion wahrnehmen.“

Am Ende waren es der Vize-Kapitän Tony Jantschke und Nachwuchskicker Marvin Schulz, die dem Wagen entstiegen und nach einer kurzen Aufwärmphase im Festzelt von den begeisterten Fans mit dem Schlachtgesang „Wir schwören Stein und Bein auf die Elf vom Niederrhein“ empfangen wurden.

Bei einer lockeren Talkrunde auf der Bühne kamen die Spieler natürlich schnell auf den gestrigen Feier-Abend nach der 1:3-Niederlage gegen Augsburg zu sprechen. „Ich hab gar nicht mitbekommen, dass es eine Niederlage war“, flachste Jantschke und hatte sofort die Sympathien auf seiner Seite.

Wie lange die Feier denn so gegangen sei? „Ich war so um halb sechs weg, war noch mit Joko von Joko und Klaas zusammen“, plauderte der 25-jährige aus dem Nähkkästchen. Warum man Coach Lucien Favre denn zum Feiern habe schieben müssen nach dem Spiel? „Immer ruhig und sachlich – das ist halt der Trainer.“

Marvin Schulz bezeichnete die Saison als „super Erfahrung – ich wurde super aufgenommen, eine geile Mannschaft“, zeigte er sich auch nicht unglücklich darüber, als 20-jähriger noch kein Ligaspiel absolviert zu haben. „Ich komme ja von der eigenen Jugend, dachte, ich komme in die U 23 – dass es so steil nach oben geht“ mit zwölf Berufungen in den Kader, das habe er nicht gedacht.

Jantschke bezeichnete Gladbach als seine „zweite Heimat“, bezeichnete sich als „recht lockerer Typ“, der ansonsten aber ruhig und nur darauf bedacht sei, seine Leistung zu bringen, machte deutlich, dass er nicht daran denkt, seinen bis 2018 laufenden Vertrag aufzulösen. Sein Lieblingsfach in der Schule sei Chemie gewesen, er habe nach der 12 die Schule abgeschlossen. „Gut zuhören, Kinder“, mahnte Moderator Marc Torke daraufhin.

„Jeder muss entscheiden“

Der 25-jährige äußerte sich auch zu den Abgängen von Kramer und Kruse und dem Thema Freundschaften im Fußball . „Jeder muss entscheiden, wie es für einen weitergeht. Im Fußball sind Freundschaften oft oberflächlich, da sich immer Wege trennen und wieder kreuzen. Sicher werden Max und ich uns schreiben, aber es ist nicht so , dass er weint, wenn er mich nicht sieht“, so der 25-jährige.

Und auch zum Thema „Retortenklubs“ wie Wolfsburg oder Ingolstadt mit Sponsoren von außen seitens der Fans hatte Jantschke eine klare Meinung: „Ich komme aus Dresden, das ist nahe Leipzig. Da hat der RB Leipzig mit für einen Aufschwung im Osten gesorgt“, betrachtete er das Ganze als realistische Entwicklung der Wirtschaftslage. „Fußballvereine sind heute Unternehmen , die haben Sponsoren – da müssten wir unseren Vertrag mit der Postbank ja auch kündigen.“ Eines würden Vereine wie Wolfsburg oder Hoffenheim aber nie haben: „Die Fans, das ist der Vorteil von Traditionsmannschaften. Und wir haben es auch so auf den dritten Platz geschafft.“

Nach der Fragerunde gab’s erstmal Präsente – für den Fanklub ein Bild mit Widmung von den Spielern zur Erinnerung, für die Spieler zwei Reiseführer nach Mailand. „Da ist nächstes Jahr das Champions-League-Finale – da könnt ihr Euch gleich mal ein Hotel aussuchen“, sorgte das Geschenk für Jubel im Zelt und „Auf, auf, auf in die Champions-League“-Rufe.

Danach durften die beiden Profis im Zelt an einem kleinen Schießstand auf einen Kölner Geißbock zielen, entspannt angefeuert von den Fans („Die Ziege muss runter“), und anschließend geduldig Autogramme geben, Fotos mit den Fans machen. „Macht man gerne nach so einer Saison“, blickte Jantschke gelassen auf das, was in Europa kommt. „Genießen und sehen, was dabei rauskommt“, lautete seine Devise.

Die Alpener Fans waren selig. „Ich war schon einmal im Fußball-Camp in Gladbach und zum Training, aber es ist cool, die so nah in echt zu sehen“, holte sich auch der 14-jährige Johannes ein Autogramm ab. Und angenehm fiel der Bönninghardterin Christiane Völkell auf, das die „ ganz normal“ sind. Und ihr Mann Torsten schwelgte schon in Vorfreude: „Ich bin 1977 geboren, da wurde Gladbach zum letzten Mal Meister. Ob ich das noch erlebe...“