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Eistauchen

Knapp unter der Oberfläche

10.02.2012 | 17:55 Uhr
Knapp unter der Oberfläche
Die sogenannten Eistaucher tauchen paarweise und sichern sich dabei mit einer Zugleine. Foto: Volker Herold

Rheinberg-Budberg.   Eistaucher erkunden den zugefrorenen See. Bei knapp einem Meter Sichtweite gab es nicht viel zu entdecken.

Das Thermometer zeigt minus sechs Grad Celsius an, vom Himmel fällt leichter Niederschlag, auf der Straße bildet sich ein dezenter Schneefilm. Irgendwo schreit ein Vogel. Die Ansammlung der Baggerseen am Budberger Ortsrand suggeriert eine weihnachtliche Idylle, wie sie sonst nur die Lyrik kennt: Leise rieselt der Schnee - still und starr ruht der See.

Von wegen! Am Uferrand heult eine Kettensäge auf. Und die Säge sucht sich nicht wie sonst üblich einen Weg durch Holz und Geäst, sondern bohrt hartnäckig an der zehn Zentimeter dicken Eisschicht, unter der sich der See versteckt. Der Mann mit der Kettensäge ist Hermann Maaß, er sägt einen zwei mal drei Meter großen Block aus der zugefrorenen Oberfläche. Gemeinsam mit seinen Kollegen vom Tauchverein Kamp-Lintfort schiebt er die Eisscholle an den Rand und schafft so ein Einstiegsloch. Das Eis ist gebrochen, es kann losgehen: die Männer gehen Eistauchen.

„Das ist schon ein besonderer Nervenkitzel“, weiß Hans-Peter Anhamm. Wer Angst vor geschlossenen Räumen hat, sollte lieber nicht den Gang in einen zugefrorenen See wählen. „Normalerweise kann man ja einfach auftauchen. Das geht jetzt natürlich nicht“, erklärt er weiter. Knapp 35 Kilogramm schwer ist die Ausrüstung, die die acht Taucher auf ihre Erkundungstour mitnehmen. Lampe, Kompass, Blei und natürlich genug Pressluft - einmal unter der Oberfläche ist das Gewicht aber egal. „Es ist ein faszinierendes Spiel von Licht und Schatten“, berichtet Johnny Kolberg.

Wassertemperatur: zwei Grad Celsius

Der Orsoyer wagt den Trip ins kühle Nass auf dem so genannten halbtrockenen Weg. Das bedeutet, dass sein Tauchanzug bewusst Wasser an die Haut lässt, um so eine Isolierschicht am Körper bilden zu können. „Im Prinzip werden nur die Lippen kalt“, der Rest des Körpers ist gut geschützt. Zwei Grad Celsius hat er im Wasser gemessen. Leider war die Sicht nicht so berauschend, knapp einen Meter weit konnte er sehen, weshalb er meist dich an der Oberfläche blieb. „Aber da ist es eh am spannendsten!“ Im Eis eingeschlossene Luftblasen, das blau gebrochene Licht - ein bisschen mehr Sonnenschein, und der Ausflug wäre noch besser geworden.

Der See ist trüb und gerade ziemlich unbelebt: kein Fisch kreuzte den Weg der Taucher. Trotz aller Faszination und dem Mut zum Abenteuer, Sicherheit wird bei dem erhöhten Risiko erst recht groß geschrieben. Immer zu zweit und an einem Seil gesichert tauchten sie ab, in regelmäßigen Abständen zupften sie am Tau und signalisierten: alles in Ordnung! Für den Ernstfall standen die Kollegen immer am Ufer bereit, um einzugreifen. „Das ist auch ein tolles Gemeinschaftserlebnis“, resümiert Kolberg.

Am Niederrhein ist es nun einmal nicht wie in Österreich oder Skandinavien, wo die Wasseroberflächen in jedem Winter richtig zufrieren. „Deshalb ist das hier wie Olympia für uns. Ein wirklich seltener Höhepunkt.“

Willi Haentjes

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