Kleines Naturmärchen in Orsoy

Die Verantwortlichen erläuterten das Projekt.
Die Verantwortlichen erläuterten das Projekt.
Foto: Bussmann
Was wir bereits wissen
Das Life+Projekt der EU im Orsoyer Rheinbogen wurde im Rahmen eines Festaktes in Eversael vorgestellt

Rheinberg..  Wie sich die Zeiten wandeln. Oft von einem Extrem zum Anderen. Beispiel ist der Orsoyer Rheinbogen. Viele Rheinberger erinnern sich noch, als in den 70er-Jahren in Rheinberg Demos stattfanden. Gegen die Absicht der VEBA, ein petrochemisches Werk im Rheinbogen zu bauen. Clever waren die Planer der VEBA, hatten mit viel Geld die Landwirte zur Aufgabe ihrer Höfe überredet. Doch eine Raffinerie vor ihrer Haustür wollten viele Rheinberger nicht, es gab Demonstrationen. Die Protestler siegten, das Projekt kam nicht zustande. Der Orsoyer Rheinbogen blieb unberührt. Heute gehört er zu den landschaftlichen Kostbarkeiten, die Nordrhein-Westfalen bietet, ist Teil des EU-Vogelschutzgebietes Unterer Niederrhein, Heimat vieler seltener Tier- und Pflanzenarten, Überwinterungsgebiet nordisch-arktischer Gänse.

Doch auch hier ist manches nicht mehr wie früher. Durch Absenkung des Grundwasserspiegels durch Rheinsohlenerosion und Intensivlandwirtschaft, so beklagt die Biologische Station Wesel in einem Flyer, haben die Flussauen im Rheinbogen an Qualität verloren, wurden trocken.

Was jetzt anders wird: Im Oktober 2013 begann die Biologische Station mit der Umsetzung ihres Life+Projektes im Orsoyer Rheinbogen, eines von 30 in NRW, aber eines der wichtigsten, wie es NRW-Umweltstaatssekretär Horst Becker nannte. Das wurde gestern in einem Festakt im Eversaeler Schützenhaus vorgestellt. Bis 2018 geht es um Lebensraumverbesserungen für Uferschnepfe, Rotschenkel, Kammmolch, Kreuzkröte, Wiesensalbei und Glatthafer und viele andere Lebewesen in der Rheinaue.

Becker brachte nicht nur die gute Nachricht, dass das Projekt im Orsoyer Rheinbogen ein Leuchtturmprojekt des Landes und der EU ist, sondern auch schlechte Nachrichten: 3,2 Millionen Euro wird die Belebung alter Landschaftsteile kosten, von denen Brüssel die Hälfte zahlt. So sei etwa die Zahl der Kiebitze „dramatisch rückläufig“. „Wir haben einen massiven Rückgang von Wiesen und Grünland. Es sind erschreckende Zahlen, wir haben einen starken Verlust an Arten.“

So sei das ehrenamtliche Engagement zur Aufwertung des Orsoyer Rheinbogens besonders zu loben. Landrat Dr. Ansgar Müller: „Der Rheinbogen ist wie ein kleines Naturmärchen. Wir haben eine Verantwortung für dieses Naturerbe.“ Paul Schnitzler, Zoologe und Biologe der Weseler Station, stellte das Projekt vor. 397 Hektar werden zum Schutz der Lebensräume, Tier und Pflanzenarten in Wiesen und Auen in den nächsten vier Jahren aufgewertet. Eine der wesentlichen Maßnahmen ist die Anlage von 15 Blänken: Kleine Mulden, in denen Wasser mal steht, mal weg geht. Was Kiebitz und Co. zum Überleben brauchen. Auch „Flachland-Mähwiesen“ entstehen, um die Lebensraumqualität für Uferschnepfe, Rotschenkel, Kiebitz und Kreuzkröte zu sichern. Finanziert wird das Projekt zur Hälfte von der EU, die andere Hälfte tragen Land NRW und der Kreis Wesel.