Kleine Kostbarkeiten
08.04.2009 | 18:26 Uhr 2009-04-08T18:26:00+0200Der Sonsbecker Heimatkundler Heinrich Kerstgens hatte zu einem historischen Rundgang geladen.
Wenn der Sonsbecker Heinrich Kerstgens über die Geschichte seiner Heimat erzählt, wird es nie langweilig. Beim jüngsten historischen Rundgang durch die Gemeinde, die Grüne Perle am Niederrhein, startete Kerstgens chronologisch mit den Römern. Am Römerturm hatten sich einige Interessierte eingefunden, um mit dem Heimatkundler auf den Spuren der Geschichte durch den Ort zu wandern. Da erfuhren die Wanderer mehr über den alten Turm nahe der Gerebernus-Kapelle, der im Volksmund Römerturm genannt wird. „Hier stand einmal ein Beobachtungsturm der Römer, denn hier ging die Militärstraße vom Castra Vetera in Xanten zum Lager nach Venlo”, erklärte Kerstgens. Schon ging es weiter in der Geschichte: „Wenn Sie da über die Felder blicken könnten, finden sie den Ort, wo die Grafen von Kleve eine Höfesiedlung gründeten.” Zu deren Schutz musste eine Befestigung her. Irgendwann wurde es ein steinerner Turm, heute Teil eines Gästehauses. Bis in die 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts war es eine Mühle.
„Wir befinden uns auf kulturhistorischem Boden”, erklärte Kerstgens. Eine Kapelle, der heiligen Katharina geweiht, entstand hier. Später wurde die heutige Gerebernus-Kapelle gebaut. 1203 wurde sie Pfarrkirche, bis dahin mussten die wenigen Sonsbecker acht Kilometer zum Xantener Dom. „Warum heißt die nicht Katharina-Kapelle, sondern Gerebernus?” Es folgte die Geschichte der schottischen Königstochter, die Sage vom Heiligen Gerebernus, der in Heel bei Antwerpen gemartert wurde. Kurzweilig und ab und zu ins Platt abgleitend brachte der Heimatforscher einen Schnelldurchgang durch Sonsbecks Geschichte, in der auch der Kriechaltar und s'Grooten, der große Kartograf der Renaissance, vorkamen. Dessen Karten bewunderten die Wanderer in der Dauerausstellung neben der Kapelle. Von den Gebetsstöcken erfuhr man, die bei Prozessionen, die früher zu Gerebernus Gebeinen führten, getragen wurden. Zu Fuß ging's zur Gommanschen Mühle, vorbei am früheren Schweinemarkt. Über Töpferei, Stadtmauer und Graben führte der Weg zur Pfarrkirche. Mitgewandert war Pfarrer Michael Terhoeven. Der konnte die Kostbarkeiten der Kirche präsentieren.
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