Kinderkarnevalszug in Alpen endet in Saufgelage von Jugendlichen

In Alpen wurde aus dem Kinderkarnevalszug ein Alkoholexzess.
In Alpen wurde aus dem Kinderkarnevalszug ein Alkoholexzess.
Foto: Kai Kitschenberg / Funke FotoServices
Was wir bereits wissen
2000 Jugendliche hatten sich laut Polizei in Alpen am Niederrhein zu einem Saufgelage verabredet. Nun gibt es Forderungen nach einem Alkoholverbot.

Alpen.. Die Enttäuschung saß auch am Dienstag noch tief bei Sven Thiesies, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Alpener Kinderkarnevals (AKK). „Aus meiner Sicht hilft jetzt nur noch ein komplettes Alkoholverbot.“ Denn zahlreiche Jugendliche missbrauchten den Kinderkarnevalszug am Sonntag für ein Saufgelage auf dem Aldi-Parkplatz. Und zwar eins mit Verabredung.

Denn schon am Freitag hatten über Facebook zahlreiche Jugendliche ihr Kommen angekündigt – aus Kamp-Lintfort zogen alleine 500 Jugendliche zu Fuß über Saalhoff in den Alpener Ortskern. Am Ende waren es laut Schätzungen der Polizei rund 2000 Jugendliche auf dem Aldi-Parkplatz. Die feierten mit Beschallungsanlage ihr eigenes Fest, was mit Karneval allerdings wenig zu tun hatte. Sie pöbelten Leute an, hinterließen eine Müllwüste und griffen als traurigen Höhepunkt sogar einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes an.

Polizei löste Party auf

Auch das Haus eines Anwohners soll stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Die Polizei musste Ordnungskräfte nachordern, löste mit ihrer Hilfe die „Feiergemeinde“ auf. Schon um 12.15 Uhr, also zwei Stunden vor Beginn des Zuges, musste ein Jugendlicher mit Alkoholvergiftung abtransportiert werden. Die Polizei nahm zwei Personen in Gewahrsam, sprach zehn Platzverweise aus und stellte eine Strafanzeige. „Das ist schon viel für einen Zug, der eigentlich ein Kinderkarnevalszug ist“, findet auch Sabine Vetter, Sprecherin der Kreispolizei.

Alkohol Schockiert zeigte sich auch Sascha van Beek, Bereitschaftsleiter des DRK. Das hatte im Zelt insgesamt 14 Personen wegen Alkoholkonsums versorgen müssen – und alle waren unter 18. Ein 15-jähriges Mädchen kam sogar auf die Intensivstation des Gelderner Krankenhauses. „Da wird der Karneval zum Alkoholexzess. Irgendwo hört der Spaß auf. Schade, dass eine Veranstaltung von solchen Idioten missbraucht wird.“

Müll und Lärmbelästigung

Einzige sinnvolle Konsequenz auch für Sascha van Beek: ein Alkoholverbot. „Das ist die einzige Chance.“ Allerdings sei das Problem auch hausgemacht. „Auf jedem Wagen haben die Leute Bierflaschen in der Hand – dabei ist es doch ein Kinderkarnevalszug. Das Einwickeln in Alufolie ist da nur eine halbherzige Lösung. Und extrem laut war es auch.“ Was sich auf dem Aldi-Parkplatz abgespielt habe, sei „schon erschreckend“ gewesen.

Auch bei Sven Thiesies sind die Gedanken schon beim nächsten Jahr. „Das alles zeigt, dass dringend überlegt werden muss, in welcher Form der Kinderkarnevalszug im kommenden Jahr durchgeführt werden kann, um zu verhindern, dass Jugendliche aus Kamp-Lintfort ihn weiter stören.“ Das AKK hatte zehn Security-Mitarbeiter engagiert, doch auch die konnten nicht überall sein. Zudem fielen dafür auch Kosten an.

Eins jedenfalls ist sicher: Bis zur Neuauflage im kommenden Jahr werden noch viele Gespräche nötig sein. Und die müssen eine entscheidende Änderung bringen: ein absolutes Alkoholverbot und verstärkte Kontrollen.