Jedem Kind gerecht werden

Rheinberg..  „Und in Fachkonferenzen werden Unterrichtsmaterialien entwickelt. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen klappt hervorragend“, erzählt Martin Reichert, als Abteilungsleiter I Mitglied der Schulleitung und zuständig für Inklusion an der Europaschule Rheinberg.

In die Entwicklungskonferenzen kann jeder Lehrer mit seinen Anliegen kommen, auch mit der Unterforderung von Kindern. Regelmäßige Teilnehmer sind auch Vertreter der Eltern, des Kreises Wesel, Ergotherapeuten, Logopäden.

Schülerstützpunktals Rückzugsraum

Vier Sonderpädagogen gibt es an der Europaschule, für jeden Jahrgang einen. Das ist angesichts der großen Herausforderung Inklusion nicht sehr viel. Hinzu kommt noch, dass ein Sonderpädagoge, abgesehen von der 1. und 2. Stunde, ständig im sogenannten Schülerstützpunkt vor Ort ist. „Das ist ein Rückzugsraum für Schüler, die gerade in der Klasse nicht klarkommen. Dort können sie sich Hilfe holen, auch nachmittags“, erläutert Stendel.

Jedem einzelnen Kind gerecht zu werden wird auch mit dem individuell gesteuerten Lernen versucht. Reichert: „Das sind vier Stunden pro Woche, zusätzlich zu Deutsch, Englisch und Mathematik. In dieser Zeit können Übungsaufgaben zum Abbau von Defiziten genutzt werden oder die Kinder arbeiten an ihren Stärken, indem sie besondere Herausforderungen gestellt bekommen.“ Da sich die Europaschule dem kooperativen Lernen verschrieben hat, werden so auch fachliche mit sozialen Zielen verbunden.

Auch wenn die Pädagogen manchmal an ihre Grenzen stoßen, ist Reichert mit dem Erfolg der Schule zufrieden. „Wir bekommen jedes Kind ganz gut gefördert. Sehr leistungsstarke Schüler ziehen die anderen mit und werden dadurch nicht schwächer!“

Die Kenntnisse, die das Kollegium in Sachen Inklusion gesammelt hat, werden auch mit anderen geteilt. Stendel: „Wir haben an jedem zweiten Freitag im Monat Besuch, Gäste aus anderen Schulen hier. Dieser Termin ist immer ausgebucht. Wir sind zwar noch lange nicht am Ende unseres Wegs angekommen, aber wir können viel weitergeben!“

Eine große Hilfe sei die Unterstützung durch die Integrationshelfer. „Da muss ich die Stadt sehr loben“, sagt Stendel. Dank des Einsatzes der Verwaltung können so 20 Stunden pro Woche und Jahrgangsstufe flexibel eingesetzt werden. Auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt sei sehr eng, so Stendel.

SpezielleFortbildung

Eine Vorbereitung auf den Unterricht bekommen auch neue Lehrer. Reichert: „Sie erhalten eine spezielle Fortbildung von den Sonderpädagogen.“ Für Eltern gibt es ein Elterncafé, Schüler werden gegebenenfalls auf neue Klassenkameraden vorbereitet – als zum Beispiel zwei autistische Kinder an die Europaschule kamen, wurde den Mitschülern erklärt, was Autismus bedeutet. Stendel: „Es gilt von Anfang an die Verschiedenartigkeit deutlich zu machen: Dann ist sie schließlich kein großes Thema mehr!“