Jagdtechniken aus der Römerzeit

Jörg Nadler erklärte den Besuchern, wie die Römer fischten.
Jörg Nadler erklärte den Besuchern, wie die Römer fischten.
Foto: Hübinger
Was wir bereits wissen
Beim Römischen Wochenende im APX stand der Fischfang im Mittelpunkt

Xanten..  Es ist faszinierend, was die Menschen in der Vergangenheit auf sich nehmen mussten, um an so scheinbar simple Dinge wie Nah-rung zu gelangen. Über Tage und Wochen mussten Netze für den Fischfang von Hand hergestellt werden. Messer wurden mühselig geschmiedet und verschiedene Jagdtechniken über Jahre perfektioniert.

Werkzeuge und Waffen

„Die Kunst ist nicht, die Galle zu treffen“, erklärte Jörg Nadler beim Römischen Wochenende im Archäologischen Park in Xanten. Der ausgebildete Fischer und Ergotherapeut stellte am Wochenende das Handwerk der römischen Fischerei authentisch greifbar dar. An der Römischen Herberge hatte Jörg Nadler seine Utensilien aufgebaut und zur Schau gestellt. Sein Repertoire hat sich über die Jahrzehnte, in denen er Vorträge über die historische Fischerei hielt, immer erweitert. An seinem Stand konnten die Besucher all die Werkzeuge und Waffen begutachten, die die Römer und Germanen zum Fischfang eingesetzt haben. Damit sich die Gäste bildlich etwas unter diesen Praktiken vorstellen konnten, demonstrierte Jörg Nadler die Jagdtechniken und Mechanismen an verschiedenen Stofffischen. Wie fängt man beispielsweise einen Aal in trübem Wasser, nur mit der Hilfe eines Speers? Man sticht dorthin, wo Luftblasen aufsteigen, wenn man eine Kraft spürt, hat man den Aal erwischt. Während die Römer gekonnt mit Eisen und Metall hantierten und dieses zu Werkzeug verarbeiteten, waren die Germanen in dieser Hinsicht weniger geschickt. Aber auch sie wussten sich zu helfen und entwickelten Jagdequipment aus Stoffen und Holz. So zeigte Jörg Nadler auch, wie man einem Hecht eine Schlinge umlegt und ihn aus dem Wasser zieht.

Jörg Nadlers Erklärungen waren ausführlich und detailliert. Jeder Gegenstand besaß eine eigene Ge-schichte. „Dieser Speer ist in Mainz unter einem römischen Schiffswrack aus dem dritten Jahrhundert gefunden worden“, berichtete Jörg Nadler und präsentierte die Waffe.

Antiker Kamm

Aber auch viele andere interessante Gegenstände waren in seinem Sortiment zu finden. „Aus welchem Material ist wohl dieser Kamm?“ Die Antwort war: Knochen, aber von welchem Tier? „Mammut! Dinosaurier!“, vermuteten die Besucher. Doch tatsächlich wurde dieser antike Kamm aus dem Knochen eines Dromedars gefertigt. Diese Kämme waren für die Körperpflege damals enorm wichtig, da die Menschen oft mit Läusen zu kämpfen hatten. „Selbst die Römer, die viel Wert auf Hygiene legten, hatten dieses Problem“, erzählte Nadler. „Besonders Dinge mit Wiedererkennungswert, wie Gegenstände für die Körperpflege, begeistern die Kinder.“

Doch an diesem Wochenende gab es nicht nur im Bereich der Fischerei viel Neues zu entdecken. Nebenan konnten die Kinder Kno-chenschnitzen, Lederarbeiten ver-richten und so einen Einblick in das mühselige Handwerk der Römer erhalten. „Damals musste man über Jahrzehnte immer die gleiche eintönige Arbeit machen“, sagte Jörg Nadler.

Doch wenn man sich freiwillig hinsetzt und ein Fischernetz webt oder realistische Nachbauten anfertigt, dann sieht die Sache schon anders aus. Schließlich waren die Besucher zum Spaß im APX. Und wenn man nicht mit dem Fischfang nicht jeden Tag aufs Neue seine Familie ernähren muss, dann ist die Arbeit schon etwas ungezwungener. Sollte dies aufgrund einer Zeitreise doch einmal nötig sein, dann wissen die Besucher dank Jörg Nadler nun, was sie zu tun hätten.