„Inklusion verändert die Schule“ – auch in Sonsbeck

Klassenlehrerin Julia Krause unterrichtet die Inklusionsklasse 3c an der Johann-Hinrich-Wichern-Gemeinschaftsgrundschule in Sonsbeck.
Klassenlehrerin Julia Krause unterrichtet die Inklusionsklasse 3c an der Johann-Hinrich-Wichern-Gemeinschaftsgrundschule in Sonsbeck.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Grundschulleiterin Sabine Ulpke freut sich, dass das Thema positiv besetzt ist.

Sonsbeck..  „Inklusion verändert die Schule.“ Sabine Ulpke weiß das aus Erfahrung. Seit 2008 leitet sie die Johann-Hinrich-Wichern-Gemeinschaftsgrundschule in Sonsbeck, seit der Zeit gibt es dort auch Inklusion. „Das ist ein ganz sensibles Thema. Wir sind ein Land, das schnell ausgrenzt und sich nicht um Inklusion bemüht. Und deswegen bin ich froh, dass hier Inklusion positiv belegt ist. Ich muss alle ins Boot holen und gucken, was jeder besonders gut kann.“

„Es gibt keine Scheu oder Distanz“

Und das klappt hervorragend an der Schule. „Ausgrenzung hat hier noch nie stattgefunden, der schlimmste Fall ist hier noch nie eingetreten.“ Gerade in den Klassen mit besonderen Kindern gebe es ein sehr hohes soziales Bewusstsein. „Sie fühlen sich auch in den Pausen auf dem Hof für ihre Mitschüler verantwortlich. Unsere Förderkinder wollen gar nichts Besonderes sein. Die anderen in der Klasse sind von klein auf damit konfrontiert, für die sind die besonderen Kindern ganz normal, da gibt es keine Scheu oder Distanz. Die Lehrer und Kinder gehen ganz toll damit um – das ist Lernen am Vorbild.“

Selbstverständlich ist das Schulleben wie überall nicht immer nur eitel Freude und Sonnenschein. Ulpke: „Es gibt schon Auseinandersetzungen und Konflikte, das ganz normale Programm. Und es gibt auch keinen Schonraum. Wenn man die Inklusion richtig macht, kann sie nur von Vorteil sein.“

Aber sie macht auch Arbeit. Bei einem blinden Kind in der Klasse muss Unterricht ganz anders organisiert werden. Dazu brauche man aber auch Lehrer, die das wollen, so Ulpke. „Sie müssen teamfähig sein, sehr strukturiert, der Unterricht muss mindestens eine Woche im voraus geplant sein, weil die Materialien ja in Blindenschrift übersetzt werden müssen, zusätzlich muss der Unterricht für diese speziellen Kinder anders aufbereitet werden.“

Auch in der Benotung muss ein so genannter Nachteilsausgleich berücksichtigt werden. „Bildbeschreibungen sind nicht möglich, Sportunterricht geht nur mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel einem Klingelball, bei Fangspielen muss der Fänger ein Glöckchen am Fuß haben.“ Mit solchen Rahmenbedingungen müssten die Lehrer umgehen. „Die machen das ganz toll“, lobt Ulpke. Aber: „Nicht jedem Lehrer kann man eine Inklusionsklasse geben.“ Sie müsse aufpassen, dass die Kollegen nicht zu sehr belastet werden, dass sie ihr „nicht wegbrechen. Gesellschaftlich ist das so gewollt, aber die Praxis ist anders!“ Ihr Wunsch ist ein runder Tisch, an dem sich Lehrer und Schulaufsicht zusammensetzen und über Probleme austauschen.

Nicht jede Klasse an der Schule hat Inklusionskinder. Dennoch dürfte die Zahl dieser Kinder zunehmen, so Ulpke. „Das Förderzentrum in Xanten wird aufgelöst, weil es ja die Inklusion gibt.“ So kommen jetzt auch Schüler, die beim Lernen, emotional oder sozial gefördert werden müssten. „In der Schuleingangsphase müssen wir dann sehen, ob es geht oder ob eine Förderschule vielleicht doch besser ist.“ Kriterien für eine Regelschule sind zum Beispiel auch das soziale Umfeld, ob das Kind ohnehin schon in eine Gruppe, die eingeschult wird, integriert ist.

An der Grundschule gibt es eine Stelle für eine Förderpädagogin. Ulpke: „Sie ist besetzt mit einer Kollegin, die eine Weiterbildung gemacht, ein Förderschulstudium. Von Haus aus ist sie Grundschullehrerin.“ Diese Kollegin werde sehr viel in den inklusiven Klassen arbeiten. „Wir sind dabei, ein Konzept aufzustellen, dass sie sinnvoll eingesetzt wird.“