Inklusion ist an der Gemeinschaftsgrundschule Rheinberg kein Fremdwort

Inklusion in der Klasse 2c der Grundschule Grote Gert
Inklusion in der Klasse 2c der Grundschule Grote Gert
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
2001 wurde der Standort Grote Gert der Gemeinschaftsgrundschule Rheinberg Modellschule – erst für Integration, dann für Inklusion.

Rheinberg..  Inklusion? In der Gemeinschaftsgrundschule Rheinberg am Standort Grote Gert ist das spätestens seit 2001 kein Fremdwort mehr. Seit der Zeit ist sie nämlich Modellschule – erst für Integration, dann für Inklusion. Und „vor vier bis fünf Jahren sind wir dann Schwerpunktschule im Rahmen des Kompetenzzentrums für Rheinberg, Inklusionsschule geworden“, erinnert sich Tatjana Möckel. Seitdem wird auch am Standort Schulstraße inklusiv unterrichtet. Sie ist Sonderpädagogin der Schule, an der es hauptsächlich um Lern- und Entwicklungsstörungen geht: Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung, auch Autismus. Sinnesschädigungen und geistige Behinderungen sind weitere Hauptbereiche, körperliche Behinderungen gibt es bei den Grote-Gert-Kindern nur ganz vereinzelt. In diesem Jahr kommt ein Kind mit einer Hörbeeinträchtigung.

Dorothee Menges-Wilms, seit Oktober 2014 Leiterin der Schule, hält den „gemeinsamen Unterricht für grundsätzlich sinnvoll. Die Rahmenbedingungen müssen passen, die Unterstützung durch Sonderpädagogen und Integrationshelfer“ zum Beispiel. Hinzu käme die materielle und sächliche Ausstattung. „Aber es hängt meist am Personal. Und Sonderpädagogen sind nicht sehr zahlreich.“ Die Schule sei zwar bisher gut bedient worden, doch „jetzt brauchen auch viele andere Schulen Sonderpädagogen – und unsere Sonderpädagogen sind auch an anderen Schulen in Rheinberg im Einsatz“. Langfristig soll aber jede Grundschule einen eigenen Sonderpädagogen haben, soll es pro Klassenzug eine halbe Stelle geben.

Problematisch könnte aber der Einsatz von Sonderpädagogen im ländlichen Raum werden, glaubt Menges-Wilms. „In Großstädten ist es kein Problem.“ Dort gebe es auch die Hochschulen, an denen Sonderpädagogen ausgebildet werden, auch in einem Studiengang Inklusionspädagogik, so Möckel.

Die gute Versorgung der früheren Jahre ist an der Grundschule Grote Gert allerdings vorbei. Menges-Wilms: „Früher gab es ein Team Lehrer/Sonderpädagoge/Integrationshelfer, aber das gibt es jetzt nur noch stundenweise.“ Und jetzt müssten mehrere Klassen betreut werden. Eine Idee, trotzdem gute Betreuung zu gewährleisten, steuert Möckel bei: „Es muss in Kleingruppen jahrgangsübergreifend gearbeitet werden. Wir versuchen, Gruppen einzurichten, in denen es auch ohne uns Sonderpädagogen klappt.“

Im täglichen Schulleben ist Inklusion überhaupt kein Problem. Möckel: „Das gehört zu unserer Schulkultur mit dazu, dass es gemischte Klassen gibt. Das ist hier normal – andersherum würden wir uns wundern.“ Und deswegen versteht Menges-Wilms auch gar nicht die Sorge, normale Kinder könnten unter den Inklusionskindern leiden. „Das ist nicht gegeben.“ Man habe langjährige Erfahrung, ergänzt Möckel. „Es gibt da überhaupt keine Probleme mit den Eltern, mit den Kollegen.“

Ein Problem sei es allerdings, dass die Integrationshelfer teilweise jährlich wechselten, so Menges-Wilms. „Ohne die wird es ganz schwierig, ohne deren Unterstützung.“ Jedes Jahr müssten die Integrationshelfer neu beantragt werden. „Das ist eine freiwillige Leistung des Schulträgers. Aber bislang hat uns die Stadt immer sehr unterstützt – dankenswerterweise!“ Aber auch wenn die Stadt mache, was ihr möglich sei: Schöner wäre es gewesen, wenn „das Land so etwas verbindlich festgeschrieben hätte“.

Entwicklungsprogramme für alle

Die Inklusionsmaßnahmen kommen übrigens nicht nur Kindern mit Förderbedarf zugute. Möckel: „Alle Kinder nehmen an den Entwicklungsprogrammen teil – und für die Kinder ist das ganz normal.“ Sie wünscht allerdings einen anderen Schlüssel für die Betreuung. „Wir kann die Schule den Kindern gerecht werden, wie können alle Kinder individuell betreut werden in 30er Klassen mit fünf bis sechs Förderbedarfskindern? Es gibt auch Kinder, die das in so einer großen Gruppe nicht aushalten – da ist dann die Grenze der Inklusion erreicht!“