In Xanten wird drei Mal geküsst

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Xanten..  „... und hatten die Pest an Bord“: Man sah sie nicht, aber man hörte, dass sie im Anmarsch sind! Hilde, die Wilde, und ihre Möhnen. Vorneweg der Landesspielmannszug Blau-Weiß, im Schlepptau die Altvorderen vom XCV und XBK, marschierte die Obermöhne mit ihren Begleiterinnen und Tanzmariechen stramm und schnurstracks aufs Rathaus zu – und wunderte sich. Denn man sah ihn nicht, aber man hörte ihn: Aus sicherer Entfernung, nämlich von oben aus dem Sitzungssaal, begrüßte Asterix alias Xantens Bürgermeister Thomas Görtz die anstürmenden alten Weiber. Er hatte sich in seine Festung zurückgezogen, weil er wusste, dass die Frauen aufgerüstet haben: „Mir schlottern schon die Knie, wenn ich Hilde und die Möhnen seh’“, gab Görtz unumwunden zu. Aber was die Gallier konnten, das schafften Asterix und Obelix alias Niklas Franke auch: Sich gegen die Übermacht wehren. Die einen mussten gegen die Römer kämpfen, die Stadtvorderen gestern gegen die Möhnen. Ob sie sich dafür einen besonderen Zaubertrank gebraut hatten? Oder im Vorfeld von den kleinen handlichen Fläschchen gekostet, die die gute Seele aus dem Bürgermeister-Vorzimmer unters Volk verteilte?

Hilde, der Wilden, war das eins: „Jetzt komm’ endlich runter“ ließ sie keinen Zweifel daran, dass sie andernfalls die Rathaus-Festung stürmen (lassen) wollte.„Ihre besten Kleider tragen sie heut’, haben sich auf die Socken gemacht“, kündigte die Obermöhne an, dass es jetzt aus sei mit der Männerwirtschaft im Xantener Rathaus. Aber vorher verteilte sie mit ihrer Tochter Christina noch Orden und Bützchen („in Xanten wird drei Mal geküsst“): An Heinz Schweers, Jörg Welbers und Tim Spettmann vom Xantener Carneval Verein, an XBK-Präsident Wolfgang Mehring und seinen Vize Thomas Wartbichler, an die Tanzgarde und den Spielmannszug. „Karneval ohne Musik ist wie Weihnachten ohne Tannenbaum“, dankte die Obermöhne den lustigen Musikanten aus Vynen, Wardt, Lüttingen und Xanten.

Um die Narren von morgen mache sie sich übrigens keine Sorgen, freute sich die wilde Hilde über die vielen kleinen und bunt kostümierten Jecken, die sich gestern das Altweiber-Treiben vor dem Rathaus anschauten.

„Da kam der Thomas wie gerufen, er scharrte lang schon mit den Hufen“, erinnerte sie an den Tag, als der alte Bürgermeister (Strunk) genug regiert hatte und seinen Stuhl räumte. Und auch wenn der Neue mit anderen Besen kehrt und den Zutritt zum Festsaal verwehrt: Obdachlos wird die Narrenschar nicht. „Keine Feier in den heiligen Hallen, aber es wird euch auch im Zelt gefallen“, war sich Obermöhne Hilde (mit bürgerlichem Namen Joswig) sicher. „Ob Zelt, ob Saal, dat is’ egal: Wir feiern weiter richtig Karneval“, sagte sie und lud zum Feiern im Festzelt im Ostwallpark ein. Sprach’s und gab die Kanonen frei: Mit (Soft-)Bällen schossen die Möhnen auf Asterix Görtz, der sich alleine verteidigen musste: Sein starker Obelix hatte sich im Rathaus-Saal verschanzt, ließ von dort mit Konfetti auf die alten Weiber schießen. Sicher ist sicher.

Dann gab es den ersten lauten Knall: Rechts vom Rathaus wurde geböllert! Ein Mal, zwei Mal, drei Mal. Und der ein oder andere zuckte ordentlich zusammen. So war es gewollt, so sollte es sein: Görtz hatte vorgesorgt, hatte Mittel und Wege gesucht, sein Rathaus zu verteidigen. Vergeblich. „Rück die Schlüssel raus, rück die Schlüssel raus, ganz, ganz schnell“, sang die Möhnen-Schar nach der Vorlage „Chirpy Cbirpy Cheep Cheep“ von Middle of the road. Asterix Görtz gab sich geschlagen: „Die Argumente sind ganz klar auf der Seite der Damenschar“. Sprach’s, ließ sich bützen, stimmte ein in die Schunkele. Dann machte der Spielmannszug kurzen Prozess: „Die Karawane zieht weiter“, stimmten die Musikanten an und zogen von dannen. Im Schlepptau die Altvorderen vom XCV und XBK, Obermöhne Hilde und ihre alten Weiber. Helau.

Ohne Alaaf, aber mit viel Spaß und dem festen Vorsatz, den Tag zur Nacht (oder umgekehrt) werden zu lassen, machte sich die fröhliche Schar auf den Weg zum Festzelt im Ostwallpark, wo zu geldbeutelfreundlichen Preisen und Partymusik von Radio Niederrhein heute und morgen ab 19 Uhr und Sonntag nach der Markt-Fete (die um 12 Uhr beginnt) weiter gefeiert wird.

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