In Rheinberg schnappte die Radarfalle häufig zu

Frank Sommer (rechts) und Joachim Puphal waren beim Blitzmarathon mit dem Lasergerät auf der Alten Landstraße in Rheinberg unterwegs.
Frank Sommer (rechts) und Joachim Puphal waren beim Blitzmarathon mit dem Lasergerät auf der Alten Landstraße in Rheinberg unterwegs.
Foto: Christiane Kathrin Dase
Was wir bereits wissen
Obwohl viele Bürger von der Aktion wussten, gaben einige auf Rheinbergs Straßen zu viel Gas – so lautet die erste Bilanz der Polizei zum Blitzmarathon am Donnerstag

Rheinberg..  Der ältere Herr nimmt’s gelassen. Mit 11 km/h zu viel auf dem Tacho hat ihn die Polizei gestern beim Blitzmarathon in der 50er-Zone auf der Alten Landstraße erwischt – dabei hatte er doch noch in der Zeitung davon gelesen. Wie das trotzdem passieren konnte? „Das weiß ich auch nicht“, lacht der Mann, „ich war wohl einfach in Gedanken...“

Und er ist kein Einzelfall auf Rheinbergs Straßen. „Bestimmt 70 Prozent der Leute, die wir wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen angehalten haben, wussten vom Blitzmarathon und haben sich deshalb umso mehr darüber geärgert“, sagt der Polizeibeamte Frank Sommer. Mit Lasergerät und seinem Kollegen Joachim Puphal war er gestern in den frühen Morgenstunden auf der Rheinberger Straße, später auf der Alten Landstraße unterwegs. Eine gefährliche Stelle, weiß Joachim Puphal, denn: „Wenn die Amazon-Mitarbeiter vom Parkplatz fahren und dann einer mit 90 aus Richtung des Kreisverkehrs angerast kommt – dann knallt es.“

Während auf der Rheinberger Straße gerade mal eine Frau zu schnell fuhr, drückten auf der Alten Landstraße gleich 14 Autofahrer, aus der Innenstadt kommend, zu sehr aufs Gas – so die Bilanz der Frühschicht. 72 km/h – mit Toleranzabzug also 19 km/h zu schnell – waren dort der Geschwindigkeitsrekord. Glück im Unglück für die Fahrer, die mit einem Verwarngeld von 35 Euro davon kommen. Denn: Wer 21 km/h zu schnell ist, für den wird’s mit einem Bußgeld um 100 Euro richtig teuer. Zudem gibt’s eine Anzeige und Punkte in Flensburg, erklärt Joachim Puphal.

Geblitzt haben die Polizisten an diesem Tag „nicht mehr und nicht weniger als an einem normalen Tag“, sagt Sommer – nur: „Dafür, dass der Blitzmarathon angekündigt war und die Bürger abstimmen konnten, an welchen Stellen geblitzt werden soll, mussten wir schon viele Raser aus dem Verkehr ziehen“, findet Puphal.

Gerade deshalb sei die Aktion sinnvoll, betont Franz-Josef Kuhmann, Sprecher der Kreispolizeibehörde Wesel, denn: Raserei sei landesweit nach wie vor die Unfallursache Nummer 1. „Schon zehn km/h zu viel können schwere Folgen haben.“ Deshalb sei für die Kreispolizei auch jeden Tag Blitzmarathon – wenn auch nicht immer von 6 bis 24 Uhr. In Rheinberg waren in dieser Zeit gestern zwei Polizisten in der Früh-, einer in der Spätschicht unterwegs. Und auch in Alpen, Sonsbeck und Xanten wurde ordentlich gelasert, geblitzt und mit der Kamera kontrolliert – hier waren sechs Beamte, teils in Zivil, im Einsatz.

Kritikern, die bemängeln, die Polizei fehle während des Blitzmarathons an den wirklichen Brennpunkten in der Region, hält Kuhmann entgegen: „Es fällt deswegen sicher kein Kollege im Kreis Wesel im normalen Wachdienst aus.“