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„Ich glaub', ich geh' kaputt”

19.02.2010 | 21:30 Uhr

Herbert Knebel präsentierte sein neues Soloprogramm in der ausverkauften Rheinberger Stadthalle. Zuschauer begeistert.

Rheinberg. Rund eine Stunde vor Beginn der Aufführung herrschte akuter Parkplatzmangel rund um das Rheinberger Rathaus. Aber bereits wenige Minuten nachdem Uwe Lyko mit dicker Hornbrille, Helmut-Schmidt-Mütze und einer Jacke aus der Altkleidersammlung die Bühne in der Rolle des nörgelnden Rentners Herbert Knebel betreten hatte, war klar, dass sich die Suche nach einem freien Stellplatz gelohnt hatte.

Mit dem typisch hüftsteifen Gang, der die Vermutung nahe legt, dass sich Dachlatten in seinen Hosenbeinen befinden und dem subtilen Charme eines Ruhrpottmalochers zog er die weit über 800 Zuschauer in der Rheinberger Stadthalle sofort in seinen Bann. Der große Erfolg der Bühnenfigur „Herbert Knebel” gründet auf Geschichten, die irgendwie aus dem Leben gegriffen scheinen. Der charakterliche Tiefgang geht aber weit über die Rolle des puren Nörglers hinaus. An anderer Stelle bestätigte Uwe Lyko dieser Zeitung die Ansicht, dass „Knebel auf seine Art ein Sympath sein kann, der mit menschlichen Zügen und der Bereitschaft, auch mal ein Stück vom Herzen zu zeigen, bei den Zuschauern punkten kann”.

Unterstützt wurde er an diesem Abend von seinem kongenialen Partner Georg Goebel-Jackobi in der Rolle des Ozzy Ostermann an der Gitarre. Mit im Gepäck hatte Ozzy „Ein buntes Programm Melodeien, die ihr so auch nicht jeden Abend hören möchtet”. Los ging es mit dem Titelsong des Programms, begleitet von betont ungelenken Tanzeinlagen Knebels und der urkomischen Mimik des Gitarristen. Sketche über den an Alzheimer erkrankten Goldhamster „Molle”, das damals höchst fortschrittliche Sexualleben der Knebels oder eine sich bietende Mitfahrgelegenheit ins Jenseits forderten die Lachmuskulatur des Publikums heraus.

Ein Höhepunkt war die Lesung aus seinem Tagebuch, welches er allerdings nur einmal zwischen 3.10 Uhr und 6.04 Uhr geführt hatte: „So eine Nacht möchte ich nie wieder erleben.”

Ein häufig wiederkehrendes Thema war der Umgang mit der modernen Technik. Wobei sich die Anschaffung eines PCs mit „Elektropostfach” als hilfreich erwies. Zum Beispiel bei einer nötigen Neuanschaffung: „Die Alte war total durchgeorgelt – also die Matratze”, fügte der Wahl-Essener nach der nächsten Lachsalve hinterher. Unter „www.wo-gibbet-ne-billige-Matratze.de” wurde er fündig. Die war allerdings zu groß. Unter „www.wo-gibbet-ne-günstige-Matratze-die-auch-passt.de” wurde Knebel schließlich fündig. Nach zwei Stunden bedankten sich die Akteure mit einem Abschiedslied beim Publikum: "Merci, Merci für die Stunden mit Sie."

Erwin Kohl

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