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Horrortrip Schulbus ?!

17.11.2011 | 21:30 Uhr
Horrortrip Schulbus ?!
sammeln sich die Schüler.

Rheinberg. Drängeln, Schubsen, Prügeln – das ist Alltag in Rheinbergs Schulbussen. Untermalt wird das Ganze von lautem Gebrüll. Eine Fahrt vom Schulzentrum nach Orsoy wurde so schnell zum Horrortrip.

Nach einer halben Stunde endete die Fahrt, unfreiwillig.

Der Stress beginnt schon vor der Busfahrt. Kurz nach 13 Uhr sammeln sich die ersten Schüler am Bussteig der Haltestelle „Schulzentrum“ an der Dr.-Aloys-Wittrup-Straße. Gegen 13.20 Uhr wird es richtig voll. Um die 200 Schüler tummeln sich auf Bürgersteig, Busspur, Straße und Verkehrsinsel und zwingen vorbeifahrende Autos zur Schrittgeschwindigkeit. Es dauert noch zehn Minuten bis der erste Bus kommt und die Schüler werden immer mehr.

Der Bus der Linie 913 nach Orsoy muss sich geradezu einen Weg durch die Masse bahnen, die sich dicht an dicht auf den Bürgersteig schiebt. Mit dem Öffnen der vorderen Bustür fällt der Startschuss. Der Kampf um einen der 36 Sitzplätze beginnt. Wer ganz vorn steht, so wie Luka, hat nicht selbstverständlich gute Chancen. Der 12-Jährige stürzt beim Einsteigen und ist damit kein Einzelfall. „Alle schubsen, jeder will einen Platz kriegen, dann fallen öfter welche um.“ Mit einem blauen Knie zahlt Luka heute für seinen Platz im hinteren Busteil. Auf zwei Viererplätzen und in der letzten Reihe machen sich schnell die vermeintlich Coolen breit, so ist das schon seit Jahren. „Ey, man konnte die Tür fast eindrücken“, lacht einer der 14- bis 16-Jährigen und erntet dafür Beifall von seinen Kollegen.

Mit 36 belegten Sitz- und zusätzlichen 30 Stehplätzen ist der Bus voll. Es geht mit Sicherheit noch mehr, aber so ist es heute kuschelig genug und die Fahrt kann los gehen. Die Stimmung ist angespannt. Der Bus teilt sich in zwei Bereiche. Die Schüler im vorderen Teil sind deutlich ruhiger, als die im hinteren, die schon nach wenigen Haltestellen genervt sind. „Boah, fahr los!“, fordert ein Schüler den Busfahrer auf, der nicht mit quietschenden Reifen von der Haltestelle „Rheinberg Krankenhaus“ los rast. Nach zehn Minuten Fahrt steigen die ersten aus der Coolen-Riege an der Budberger Kirche aus und werden mit rüden Worten von ihren Kollegen verabschiedet. Gesagt, getan, die Fahrt geht weiter.

Prügeln aus Spaß, jetzt drehen auch die Kleinen auf

Es wird hektischer und lauter. Jetzt gehen die Käbbeleien erst richtig los. Zwei Jungen prügeln sich offenbar aus Spaß. Lachend schlagen sie mit den Händen auf die Knie des Anderen. An der Gotenstraße steigen 15 Schülerinnen und Schüler aus. Zum ersten Mal, seit einer Viertelstunde, kann man bis zum Busfahrer sehen. Die Sitzplätze bleiben belegt, aber nur noch sechs Kinder stehen. An der Lindenschule steigen fünf Schüler im Alter von zehn bis zwölf Jahren zu und ändern die Verhältnisse im Bus. Während es hinten ruhiger wird, die Jugendlichen nach und nach aussteigen und sich die wenigen Älteren statt über Fernsehen, Mädchen und Sport über Bewerbungen unterhalten, drehen jetzt die Kleinen im vorderen Bereich richtig auf.

Mittendrin treten sich zwei Schüler und springen durch den Bus, bis der Fahrer schließlich eingreift: „Ihr setzt euch jetzt wieder hin!“ Nach nur zwei Haltestellen geht das Spiel von vorn los. Nach rund 30 Minuten Fahrt ist Endstelle.

Die Nerven des Busfahrers liegen blank: „Die letzten Meter könnt ihr laufen“, sagt er an der Haltestelle „Orsoy Rathaus“. Giulia hat Glück, hier muss sie sowieso raus. „Das ist fast immer so schlimm“, erklärt die Elfjährige. „Und bei dem Gedränge vor dem Bus ist eine Freundin schon mal hingefallen und wurde fast von einem Auto überfahren.“

Erst an der frischen Luft legt sich die Anspannung. Für die Fahrt im Schulbus sind starke Nerven gefordert. Wer die nicht hat, hat zur Zeit nur eine Möglichkeit: Fahrrad fahren.

Brinja Bormann



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