Hochwasserschutz am Niederrhein ohne Konzept

Horst Lenz, Hans-Peter Feldmann und Tjerk Miedema haben eine Karte der besonders gefährdeten Gebiete am Rhein angelegt.
Horst Lenz, Hans-Peter Feldmann und Tjerk Miedema haben eine Karte der besonders gefährdeten Gebiete am Rhein angelegt.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Hans-Peter Feldmann erwägt Beschwerde bei EU gegen Landesregierung und warnt vor dem Gau am Rhein – ein Hochwasser, das Schäden in Höhe von 200 Milliarden Euro verursachen könnte.

Xanten..  Hochwasserkatastrophen wie in Spanien, England, Österreich oder ganz nah bei uns, an der Elbe vor zwei Jahren, richten Schäden in Millionenhöhe an.

Hans-Peter Feldmann warnt vor dem Gau am Rhein – ein Hochwasser, das Schäden in Höhe von 200 Milliarden Euro verursachen und mehr als eine Millionen Menschen betreffen könnte. „Der ganze Wirtschaftsraum am Niederrhein wäre tot“, beschreibt Horst Lenz aus Rees das Schreckensszenario.

18 000 Kubikmeter Rheinwasser sollen künftig von den Deichen der Niederländer abgeführt werden. Diese Menge rauscht pro Sekunde dann bei einem extremen Hochwasser vorher auch durch den Niederrhein. „Aber zwischen Bonn und Duisburg sind derartige Schwachstellen, dass höchstens 12 000 Kubik pro Sekunde schadlos abgeführt werden können“, weiß Hans-Peter Feldmann aus Xanten, der sich mit der HochwasserSchutz-Initiative am Niederrhein (HWS) schon seit fast zwei Jahrzehnten mit dieser Problematik befasst.

Eine Richtlinie, welche die EU-Kommission 2007 verabschiedet hat, verlangt konkrete Pläne zum Hochwasserschutz. Seit Anfang April liegt nun der Hochwassermanagement-Plan der Landesregierung vor. „Ein 1000 Seiten umfangreicher Entwurf. Den Anspruch ihn zu lesen und zu verstehen, gibt man nach ein paar Seiten auf“, so Feldmann. „Ein Plan soll sagen, was zu tun ist und wie“, findet er. Das von der Landesregierung veröffentlichte Schriftstück zeige lediglich Risiken auf, die bereits bekannt seien. Es beinhalte keine Ideen, wie beispielsweise die Errichtung eines Nordkanals, um den Rhein zu entlasten oder anders geartete Schutzmaßnahmen.

Eine große Problematik sieht die HWS auch darin, dass es allein in NRW 27 verschiedene Zuständigkeiten für Hochwasser gibt. In den Niederlanden zieht man hingegen an einem Strang. „Aber Holland ist auch im Überleben bedroht, deshalb ist das ein Nationalproblem“, weiß Tjerk Miedema. Der Klever kann die Einstellung der NRW-Landesregierung, die sich in seinen Augen nicht verantwortlich fühlt, nicht verstehen: „Es ist eine Schande, die Wirtschaft ist abhängig vom Rhein“.

Ein heftiges Hochwasser sei zerstörerisch für die Infrastruktur: „Wir hatten hier 190 Jahre Bergbau, das Wasser könnte die Bergbaugebiete bis zu zehn Meter hoch überfluten“, hat laut Feldmann selbst das Bundesumweltamt Berlin berechnet. Die Argumentation, das ein solch katastrophales Hochwasser statistisch gesehen nur alle 300 bis 400 Jahre auftaucht, lässt er nicht durchgehen und warnt: „Wir unterliegen dem Klimawandel.“

Seine Initiative hat nun auf den „unzureichenden“ Entwurf der Landesregierung reagiert. Solle diese nicht fristgerecht mit umfangreichen Nachbesserungen reagieren, wollen die Männer eine Klage bei der EU-Kommission einreichen. „Es geht hier um Menschenleben“, so Feldmann. Mehr Infos unter www.nr-feldmann.de.