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Hier ist Platz für alle Kinder

07.11.2011 | 21:00 Uhr
Hier ist Platz für alle Kinder
/ WAZ FotoPool.

Rheinberg. Die 5g ist die Integrationsklasse der Gemeinschaftsschule. Sie wird von der Redaktion die nächsten Jahre begleitet.

Am Montagmorgen ist immer Igelzeit. Zumindest dann, wenn keine Schulferien sind. Weil die Herbstferien jetzt vorbei sind, war nun in der Integrationsklasse der Gemeinschaftsschule Igelzeit. Igel, das heißt eigentlich IGL und steht für „Individuell gesteuertes Lernen“.

Dieses Konzept, nach dem sich die Fünftklässler in vorgegebenen Zeiten eines der Kernfächer Deutsch, Englisch, Mathe wählen und erst eigenständig Aufgaben lösen und diese dann selbst korrigieren, gibt es überall an der Gemeinschaftsschule. Auch in der Integrationsklasse steht die Igelzeit auf dem Stundenplan. Doch was ist eigentlich eine Integrationsklasse?

Zwei Lehrer

Diese Klasse besteht aus 18 Jungen und Mädchen. Sechs von ihnen haben besonderen Förderbedarf, das bedeutet, dass sie geistig leicht behindert sind oder eine tiefgreifende Entwicklungsstörung haben. Aber vor allem ist die Integrationsklasse eine ganz normale Schulklasse.

Die Kinder schauen während des Unterrichts aufmerksam auf die Tafel, sie flüstern zwischendurch leise miteinander und wenn der Lehrer nicht aufpasst wie ein Luchs, wird es schon mal lauter. Das mit dem Aufpassen ist aber gar nicht so leicht, wenn zwei Leute von der Zeitung da sind, um die Integrationsklasse kennenzulernen.

So wie am Montag. Zu Beginn der Igelstunde stehen die beiden Reporter im Raum. Der eine schreibt mit, der andere ist gekommen, um Fotos zu machen. Denn die Redaktion wird die Integrationsklasse der Gemeinschaftsschule nun langfristig begleiten. Vielleicht sogar bis zum Abschluss. Immer wieder werden wir die Klasse in losen Abständen besuchen und uns erklären lassen, was in den vergangenen Wochen und Monaten geschehen ist und dabei die Kinder immer besser kennenlernen.

Ein Kinderspiel, wenn man im Unterricht dabei sein darf. Schnell wird klar, auch hier gibt es (mindestens) einen Klassenclown und auch hier gibt es eher zurückhaltende Kinder.

Was aber auch auffällt: Martin Bitter und Dirk Helbing sind beide Klassenlehrer und beide sind bei der Igelstunde dabei. „Wir sind aber nicht immer zu zweit“, erläutert Bitter, der ausgebildeter Sonderpädagoge ist. Er ist für die sechs Kinder mit erhöhtem Förderbedarf da, aber nicht nur. „Wir teilen uns die Arbeit und ergänzen uns sehr gut“, so Bitter. Perfekt ist die Situation aber nicht.

Sitzordnung verändert sich

Er würde gerne mehr Unterrichtsstunden mit den Kindern verbringen. „Aber es gibt nicht genug Lehrer, der Mangel an Sonderschulpädagogen wird gleichmäßig verteilt.“ Die Stigmatisierung der sechs Kinder mit Förderbedarf war bislang kein Thema: „Es gibt ein paar Rüpel, die müssen wir stark dämpfen“, so Bitter. „Aber es hat sich noch nie ausdrücklich gegen die Förderschüler gerichtet.“

Seit sechs Wochen ist die Klasse nun beisammen. Zu Beginn saßen sie alle in Reihen. Mit der Zeit soll jedes Kind an einem Gruppentisch sitzen. Bislang gibt es einen Gruppentisch mit fünf Kindern. „Manche tun sich noch schwer damit, in einer größeren Gruppe zu arbeiten“, erklärt Klassenlehrer Helbing. Doch das sei ein Prozess. „Wir wollen deswegen keinen Druck ausüben.“ So wie auch in den Igel-Stunden sollen die Kinder selbst einschätzen, zu welcher Leistung sie fähig sind.

Wir sind jetzt schon darauf gespannt zu sehen, wie sich die Sitzordnung bei unserem nächsten Besuch verändert hat.

Marco Hofmann

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2011-11-07 21:00
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