Heribert Hölz war schon 80 Mal zur Unterstützung in Bosnien

In Gorji Koricani wohnt nur noch eine einzige alte Frau.
In Gorji Koricani wohnt nur noch eine einzige alte Frau.
Was wir bereits wissen
Auch fast 20 Jahre nach dem Kriegsende ist die Hilfe in Bosnien immer noch sehr begehrt. Die Folgen der Auseinandersetzungen gibt es fast überall zu sehen.

Rheinberg..  Wenn Heribert Hölz von Bosnien erzählt, dann kommt er ins Schwärmen. Bosnien, das ist ein bergiges Land von wilder Schönheit, mit grünen Bergpanoramen, durchzogen von Canyons und Flüssen. „Die Una zum Beispiel, was man da an Wildwasser-Rafting machen könnte...“

Doch die Landschaft ist nur die eine Seite eines Landes, das sich auch fast 20 Jahre nach dem Krieg noch nicht von dessen Folgen erholt hat. Zum 80. Mal ist der 72-jährige Heribert Hölz, ehemaliger Sozialarbeiter bei der Caritas, jetzt ehrenamtlich für die Bosnienhilfe dort unterwegs gewesen, 1500 Kilometer mit dem Auto durch das ganze Land gefahren – und erzählt von Dörfern, „die aussehen, als wäre der Krieg erst seit gestern vorbei“. Gorji Koricani im Herzen von Bosnien etwa. „Ein wunderschön in den Bergen gelegenes, aber völlig zerstörtes Dorf. Da lebt heute noch eine einzige alte Frau“, zeichnet Hölz ein Bild eines vergessenen Landes, das im Südosten Europas eingerahmt von Serbien, Mazedonien und Kroatien liegt. Taifun Hayan auf den Philippinen, der Krieg in Syrien, am Gaza-Streifen und in der Ukraine: „Diese Bilder sind den Menschen präsent.“ Bosnien dagegen sei aus vielen Köpfen verschwunden. „Da spricht keiner mehr drüber. Aber die absolute Perspektivlosigkeit der Menschen dort, die ändert sich auch 20 Jahre nach dem Krieg in Bosnien nicht.“ Viele Menschen bekommen keine Rente, in der 150 000-Einwohnerstadt Zenica liege die Arbeitslosenquote bei 75 Prozent. „Das ist Europa, vor unserer Haustür. Und trotzdem werden die Menschen dort vergessen“, sagt Heribert Hölz.

Der 72-Jährige arbeitet gegen das Vergessen. Seit nunmehr 24 Jahren berichtet er in Kindergärten, Schulen und in Kirchen nicht nur in Rheinberg, sondern am ganzen Niederrhein vom Leid der Bevölkerung. „Die Kontinuität macht uns stark“, glaubt Hölz. Durch ihn hat die Bosnienhilfe ein Gesicht. Früher brachte er 20 bis 25 Tonnen an Lebensmitteln mit einem Lkw nach Bosnien. „Wenn man armen Menschen helfen will, dann denkt man meist zuerst an etwas zu essen“, sagt Hölz.

Heute versucht er auch Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. „Ein Schaf für Bosnien“ heißt eines dieser Projekte, mit dem er durch Schulen und Kindergärten am Niederrhein zieht. Mit den Spenden sollen Schafe für bosnische Bauern finanziert werden. 130 Euro kostet so ein Schaf, 30 konnte Heribert Hölz in diesem Jahr nach Bosnien bringen. „Die Kinder dürfen dem Schaf vorher einen Namen geben.“ Bosnien ist ja weit weg. „Damit wird die Aktion greifbarer für sie“.

Und dann gibt’s da noch den Marmeladenverkauf, mit dem die Bosnienhilfe seit 1995 eine Suppenküche im bosnischen Zenica finanziert. „Jetzt haben wir das 60 000. Glas verkauft“, erzählt Hölz. Genau 121 Essen machen die zwei Köchinnen in der Suppenküche pro Tag – ausschließlich für alte und kranke Menschen. „Ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Hölz, aber auch der muss finanziert werden: Rund 20 000 Euro koste die Suppenküche im Jahr. Als im Mai dieses Jahres das Hochwasser an den Balkan kommt, kehrt auch Bosnien kurzfristig wieder ins Gedächtnis der Deutschen zurück, meint Heribert Hölz. Schlimm hat es die Barackensiedlung Banja Luka am Rande der Stadt getroffen. „Die Menschen da haben alles verloren.“ Hölz sammelte Spenden und fuhr im Sommer mit 60 000 Euro nach Bosnien. In Banja Luka richtete er davon eine Schreinerei ein, beschäftigte drei Schreiner, die Betten und Schränke für die Bewohner produzierten. „Jetzt habe ich nachgeschaut, was aus dem Geld geworden ist“, erklärt der 72-Jährige – und ist zufrieden: Viele Familien haben neue Betten bekommen, ihre kaputten Häuser sind inzwischen repariert. Seine Mission: „Ich möchte, dass die Menschen in Bosnien leben können.“